Wie gelingt die Mobiliätswende?

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Mobiliätswende - das Wort ist in aller Munde. Doch wie genau soll sie funktionieren? Insbesondere auf dem Dorf. Die Gemeinde Jesberg könnte als Beispiel für das Gießener Land dienen, sagt Michael Schramek.

Zumindest in einem waren sich letztlich alle einig. Wenn eine Mobilitätswende gelingen soll, dann bedarf es eines Gesamtkonzepts für die Stadt Gießen und für das Umland. Um Lösungsmöglichkeiten für eine Verkehrswende dreht sich die neue Vortragsreihe des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Verkehrswende in und um Gießen" haben die Organisatoren getitelt. Die Fragen sind vielschichtig. Etwa: Wie kann sozial gerechter und ökologischer Verkehr in der Fläche organisiert werden? Welche Erfahrungen haben andere Kommunen gemacht? Und wie kann eine klimaschonende Mobilitätswende überhaupt erreicht werden?

Für den Auftakt am vergangenen Donnerstag hatten sich die Studenten für die Anbindung der Ortschaften im Umland ans Oberzentrum Gießen entschieden: "Uns Studierenden wird ja sonst gerne vorgeworfen, wir hätten nur die Stadt im Blick", sagte Michel Zörb vom AStA. Diesmal also lautete das Thema "Mobilität auf dem Land". Dazu hatten die Organisatoren Michael Schramek, geschäftsführender Gesellschafter der EcoLibro GmbH, der Regio.Mobil Deutschland GmbH und Vorsitzender des Vereins Vorfahrt für Jesberg eingeladen.

Aus seinen Erfahrungen beim Projekt in Jesberg, jener 2500-Einwohner-Gemeinde zwischen Kassel und Marburg berichtete Schramek also. Insbesondere Carsharing funktioniert dort äußerst erfolgreich. Obwohl der Begriff Carsharing viel weiter zu fassen ist. Es geht nicht nur um Autos und Kleinbusse, die geteilt werden, sondern auch um Lasten-E-Bikes oder Pedelecs.

Vor fünf Jahren nahm in Jesberg alles seinen Anfang. Mittlerweile nutzen vor allem Familien und auch Rentner das Angebot. Schramek kennt allerdings auch die Grenzen des Unterfangens. "Wer das Auto für den Arbeitsweg benötigt, für den ist Carsharing nichts", sagte er. Und natürlich gebe es bei vielen noch "eine emotionale Bindung" zum eigenen Auto. Kurzum: "Manche potenzielle Nutzer wird man einfach nicht mit einem solchen Angebot erreichen."

Viel wichtiger ist für ihn ein Umdenken, weg vom Auto, hin zu anderen Verkehrsmitteln. Eine Statistik zeigt, jeder zweite Weg, der mit dem Auto gefahren wird, ist auch auf dem Land kürzer als fünf Kilometer. "Das Auto ist für uns immer nur Ultima Ratio", sagte Schramek. "Alle andere Fahrzeuge haben Vorrang, am Ende kommen dann das E-Auto und ganz zum Schluss der Verbrennungsmotor."

Gerade bei der Einbindung in ein übergeordnetes Konzept mit dem ÖPNV könne Carsharing sinnvoll werden, um die Mobilität in den Orten abseits des Oberzentrums aufrechtzuerhalten. "Wenn man auf dem Land lebt, geht es eben nicht hundertprozentig ohne Auto", sagte Schramek. Nicht überall kamen diese Worte gut an. Carsharing behebe das Problem nicht wirklich, fanden manche der Zuhörer.

In Jesberg richten sich die Kosten beim Carsharing nach Dauer und gefahrenen Kilometern. Zwei Beispiele: Für drei Stunden Nutzung im Ort und etwa fünf gefahrenen Kilometern werden für eine E-Smart 7.30 Euro fällig. Bei einer Tagesfahrt nach Frankfurt (Autonutzung 16 Stunden, einfache Strecke ca. 170 Kilometer) sind es knapp 100 Euro. "Dafür hat man aber sonst keine Kosten wie Sprit, Versicherung oder Steuer und auch keinen Wertverlust der bei einem eigenen Fahrzeug zuschlagen würde."

Carsharing sei besonders für Orte im Umland, die keine gute Anbindung mit dem ÖPNV haben, sinnvoll, konstatierte Schramek. Aber selbstverständlich müsse auch Carsharing in ein größeres Konzept eingebunden werden. Was man aber mit den geteilten Autos erreichen könne, sagte Schramek, sei eine deutliche Abnahme der individuellen Fahrzeuge und das bei einer nahezu gleichbleibenden Mobilität der Nutzer. Das Beispiel Jesberg habe das gezeigt.

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