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Nach sechs Wochen Sommerferien beginnt am Montag wieder die Schule. Einmal mehr unter dem Einfluss der Pandemie. Aber diesmal sehen sich Lehrer, Schüler und Eltern besser vorbereitet. SYMBOLFOTO: DPA

Gelassener ins neue Schuljahr

  • VonChristina Jung
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Nach sechs Wochen Sommerferien beginnt am Montag wieder die Schule. Trotz steigender Coronazahlen soll es hessenweit Präsenzunterricht geben. Bei Lehrern, Eltern und Schülern kommt das gut an. Ebenso wie die seitens der Politik getroffenen Vorkehrungen.

Seit einer guten Woche machen mobile Impfteams an Berufs-, Förder- und weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis Station. In Pohlheim haben sich am Freitagnachmittag 36 Schüler eine Spritze setzen lassen. Petra Brüll, Leiterin der Adolf-Reichwein-Schule, hält solche Aktionen zur Vorbereitung auf ein weiteres Schuljahr unter Pandemiebedingungen für notwendig. Und damit steht sie nicht allein. »Das ist eine sinnvolle Sache«, findet Peter Blasini, Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich und Andrej Keller, Direktor der Lollarer Clemens-Brentano-Europa-Schule, fordert: »Impfen, impfen, impfen!« Für ihn der Weg in einen sicheren Schulalltag.

Wie in Lollar ist auch andernorts bereits die große Mehrheit der Lehrer immunisiert. Man fühlt sich besser geschützt als 2020. Und besser vorbereitet. Weil Impfungen möglich und Tests vorhanden sind. Weil mobile Luftfilteranlagen überall dort aufgestellt werden sollen, wo das Lüften nicht oder nur schwierig möglich ist. Weil vielerorts bereits Ideen bzw. Konzepte für das Aufholen von Lernrückständen vorhanden sind und das Land für die Umsetzung Geld zur Verfügung gestellt hat. Weil Informationen früher kommuniziert wurden (Stichwort Präventionswochen). Weil man im Umgang mit der Pandemie mittlerweile Erfahrung hat.

»Wir starten unter viel besseren Bedingungen als im vergangenen Jahr«, findet Petra Brüll. »Wir sind viel gelassener, weil wir Routine entwickelt haben«, meint Jörg Keller, Leiter der Theo-Koch-Schule in Grünberg. Wie seine Kollegen befürwortet er den Einsatz der mobilen Impfteams, ebenso wie die Einführung der beiden Präventionswochen zum Schulstart, in denen die Maskenpflicht im Unterricht am Platz gilt und drei- statt zweimal pro Woche getestet wird. Bereits vor den Sommerferien hatte das Kultusministerium über diese Pläne informiert. Für Keller auch ein Zeichen für den besseren Umgang mit der Krise. »So früh war Wiesbaden noch nie.«

Und das Beste an allem: Distanzunterricht soll es auch bei steigenden Infektionszahlen nicht mehr geben, wie die Landesregierung vergangene Woche mitgeteilt hatte. Darüber hinaus wird jeder Schüler ein Heft zur Testdokumentation durch die Lehrer erhalten, das auch im Kino oder Restaurant vorgelegt werden kann.

Alles super also vor dem Corona-Schuljahr 2.0? Tatsächlich ist in diesen Tagen weniger Kritik an Kultusministerium und Schulträger zu vernehmen als im Sommer 2020. Auch Eltern und Schülervertreter bewerten die Situation überwiegend positiv. Dass der Landkreis überall dort mobile Luftfilteranlagen aufstellen lässt, wo es aufgrund schwieriger oder fehlender Lüftungsmöglichkeiten notwendig ist, kommt gut an, ebenso die vielen Impfangebote. »Das ist ein guter Schritt«, so Kreisschulsprecher Christoph Bonarius auf GAZ-Anfrage. Denn Schulschließungen sollte es aus seiner Sicht nicht mehr geben.

Ein Punkt, der auch Eltern umtreibt. »Definitiv zu vermeiden ist es, nochmals flächendeckend und länger in den Wechsel- oder gar Distanzunterricht zu gehen«, sagt Alexander Spannagel, Vorsitzender des Kreiselternbeirates. Grundsätzlich sei man der Meinung, dass das neue Schuljahr - »soweit möglich« - besser geplant und man in punkto Infektionsschutz besser gerüstet ist als 2020, Informationen flössen zeitnah. Zurücklehnen sollte sich die Politik aus Sicht des Kreiselternbeirates dennoch nicht, denn: »Mehr geht natürlich immer«, so Spannagel.

Mehr muss nun zunächst aber pädagogisch geleistet werden, denn laut Experten ist bei rund einem Viertel der Schüler von größeren Lernrückständen auszugehen. »Einige Jahrgänge waren sehr lange zu Hause«, sagt Petra Brüll. In der Aufarbeitung der in dieser Zeit entstandenen Lücken sieht sie eine der größten Herausforderungen des anstehenden Schuljahres und hätte sich hier wie andere Schulleiter seitens des Kultusministeriums eine höhere Zuweisung von Lehrerstunden gewünscht. Stattdessen gibt es Geld aus dem Förderprogramm »Löwenstark - der BildungsKICK«. Immerhin.

Wie dieses zum Wohle der Schüler am besten eingesetzt werden kann, darf jede Schule selbst entscheiden, was nicht überall Beifall findet. Peter Blasini hätte sich konkretere Vorgaben aus dem Kultusministerium gewünscht. Andernorts ist man dagegen froh, dass es die nicht gegeben hat. So wie in Lollar, wo bereits Konzepte zur Aufarbeitung von Lernrückständen erarbeitet wurden. Andrej Keller: »Wir wissen doch vor Ort am besten, wie die Bedürfnisse der Schüler sind.«

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