Eric Schindler (l.) und Benedikt Kummer sind das neue Führungsduo der Hüttenberger Feuerwehren. FOTO: ADAM
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Eric Schindler (l.) und Benedikt Kummer sind das neue Führungsduo der Hüttenberger Feuerwehren. FOTO: ADAM

Es geht nur zusammen

  • vonPatrick Dehnhardt
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Eric Schindler und Benedikt Kummer bilden das neue Führungsduo der Hüttenberger Feuerwehren. Im Interview sprechen sie über die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarfeuerwehren wie Langgöns und Linden, aber auch darüber, warum sie eine Stützpunktfeuerwehr für nicht sinnvoll halten.

Der bisherige Hüttenberger Gemeindebrandinspektor wurde im September überraschend abgewählt, Sie sprangen als Nachfolger in die Bresche. Gab es viele Wogen zu glätten?

Eric Schindler: Eigentlich nicht. Auf der Führungsebene ist seitdem alles sehr harmonisch verlaufen. Wie das die Mannschaften sehen, wollen mein Stellvertreter und ich hoffentlich im nächsten Jahr durch direkte Kontakte mitbekommen.

Erstmals stammt das Führungsduo komplett aus dem Ortsteil Hüttenberg.

Benedikt Kummer: Wir wollen unsere Aufgabe als Team und für alle Ortsteile erfüllen, uns gegenseitig unterstützen. Ortsteildenken ist nicht in unserem Sinne.

Schindler: Unser Ziel ist es, dass wir uns in ganz Hüttenberg als eine große Feuerwehr nach außen präsentieren, wir wollen weg vom Kirchturmdenken. Eine Einsatzabteilung bekommt allein kein Großfeuer aus. Es muss immer eine Zusammenarbeit geben. Das wollen wir in den Übungen weiter fördern, damit die Gemeinschaft wächst.

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit über die Kreisgrenze hinweg?

Kummer: Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Besonders bei der Massenkarambolage am Ostermontag 2015 mit 18 Verletzten und einem Toten hatten die Feuerwehren aus Hüttenberg, Linden, Gießen und der Rettungsdienst perfekt zusammengearbeitet.

Ist die A 45 im Abschnitt nahe Hüttenberg besonders unfallträchtig?

Schindler: Als die Brücke bei Linden saniert wurde, gab es regelmäßig Unfälle im Rückstau. Seitdem die Baustelle weg ist, ist es wieder ruhiger geworden. 2020 waren wir selten auf der A45 im Einsatz.

Die Orte Hüttenberg, Großen-Linden und Lang-Göns sind direkte Nachbarn. Hilft man sich da auch im Brandfall gegenseitig?

Schindler: Die Einsatzabteilungen der Gemeinde Hüttenberg üben bereits jetzt regelmäßig mit Nachbarkommunen. Das ist etwas, was wir ausbauen wollen. Im Alarmplan für den Ortsteil Hüttenberg ist Langgöns bereits aufgeführt.

Derzeit wird der Neubau eines Feuerwehrhauses für Rechtenbach diskutiert. Warum ist eine Erweiterung am derzeitigen Standort nicht möglich?

Kummer: Das größte Problem sind die Parkflächen. Sie sind rechtlich betrachtet zu klein. Da es bislang keine Erweiterungsflächen gibt, würde ein Umbau von den Behörden nicht genehmigt werden.

Welche Lösungen könnte es geben?

Schindler: Es gibt mehrere Optionen. Man kann für die Feuerwehr einen neuen Standort suchen - oder für den angrenzenden Bauhof.

In der Hüttenberger Kommunalpolitik kam der Vorschlag für eine Stützpunktfeuerwehr auf. Ist dies für die gesamte Gemeinde realistisch?

Schindler: Es gibt da eine ganz klare rechtliche Grundlage: Die Hilfsfrist beträgt zehn Minuten, dann muss eine bestimmte Anzahl Feuerwehrleute am Einsatzort sein. Das lässt sich mit einer Stützpunktfeuerwehr nicht einhalten.

Wenn sich diese Frist irgendwann ändern würde, wäre es dann eine Möglichkeit, Kosten zu sparen?

Schindler: Ich sehe das zweischneidig. Wenn ich eine Stützpunktfeuerwehr baue, dann muss ich ein wesentlich größeres Gebäude errichten, weil alle Einsatzabteilungen und alle Fahrzeuge darin Platz finden müssen. Ob sich das wirklich rechnet, sei dahingestellt.

Wie würde sich eine Stützpunktfeuerwehr auf die Personaldecke auswirken?

Kummer: Momentan hat jeder Standort seine Einsatzabteilung, dadurch schöpfen wir aus einem großen Personalpool. Durch die Schaffung eines Stützpunktes würde dieser wegfallen. Und ein Ortsteil allein hätte nicht 24 Stunden täglich genügend ehrenamtliches Personal, um den Brandschutz im gesamten Gemeindegebiet abzudecken. Darum stattet man auch jeden Ortsteil mit einer Feuerwehr aus.

Wären Zusammenlegungen eine Option?

Schindler: Die gab es bereits dort, wo es Sinn macht, etwa in Hochelheim und Hörnsheim sowie Volpertshausen und Weidenhausen. Das sind zusammengewachsene Orte. Wenn Feuerwehrleute erst mehrere Kilometer in den Nachbarort fahren müssen, weil dort das nächste Feuerwehrhaus ist, und ihnen auf halbem Weg dann schon das Löschfahrzeug entgegenkommt - dann wäre die Motivation weg, würden wir die auf Dauer verlieren. Ein Feuerwehrhaus kann ich immer wieder neu bauen, aber wenn ich das Personal verliere, bekomme ich das nicht so leicht wieder. Und eine Berufsfeuerwehr kann sich eine Kommune wie Hüttenberg nicht leisten.

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