"Es geht auch anderen Vereinen im Kreis so"

  • Jonas Wissner
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Gießen(jwr). Vereine, die händeringend neue Vorstandskandidaten suchen - dieses Problem hat nicht nur der TSV Allendorf/Lumda. "Es geht auch anderen Vereinen im Kreis so, etwa im sozialen Bereich", sagt Alexandra Böckel, Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrums für Stadt und Landkreis Gießen. Das Zentrum berät Vereine und anderweitig freiwillig engagierte Menschen. Böckels Eindruck: Gerade für jüngere Menschen seien die etablierten Vereinsroutinen heute teils nicht mehr so attraktiv. "Sie wollen sich mit Engagement eher inhaltlich verwirklichen", sagt Böckel. Fördermittelgeber richteten sich allerdings häufig an eingetragene Vereine.

Keine Patentlösung

Wie können Vorstände dazu beitragen, dass sie Nachfolger finden und auch Jüngere sich auf oberster Ebene im Verein engagieren? "Es gibt nicht die eine Patentlösung", betont Böckel, man müsse die Situation individuell betrachten. Grundsätzlich habe die Mobilität junger Menschen zugenommen, dafür die Ortsgebundenheit abgenommen. Deshalb könne es ratsam sein, auch kurzfristige Mitarbeit im Vorstand zu ermöglichen. "Auf der anderen Seite ist es wichtig, eine Kontinuität beim Wissenstransfer zu haben", sagt Böckel. Um Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, könne man schauen, "was in kleine Päckchen gepackt werden kann".

Wer ein Amt antritt, wolle natürlich auch wissen, welchen Aufwand es mit sich bringt. "Man sollte sich fragen: Was ist wichtig und was ist das Sahnehäubchen?", sagt Böckel. Die Geschäftsführerin des Freiwilligenzentrums rät, ein inhaltliches und zeitliches Aufgabenprofil zu erstellen, "ähnlich wie eine Stellenbeschreibung", möglichst klar definiert und überschaubar.

Je übersichtlicher Daten abgelegt und verfügbar seien, desto leichter falle es den Nachfolgern, sich einzuarbeiten. Und teils gehe der Trend auch in Richtung einer Bündelung von Aufgaben: Denkbar sei etwa, dass eine Verwaltungskraft für mehrere Vereine in einem Dorf die Mitgliederdaten pflegt und so mehrere Vorstände entlastet.

Ein weiterer Tipp von Böckel: "Kommunikation hilft." Mitunter ist den Mitgliedern vielleicht gar nicht klar, dass es an Vorstandsnachwuchs mangelt. Da könne womöglich auch mal eine Versammlung ohne Beschlüsse sinnvoll sein.

Wer einen Verein über Jahre führt, ist mit viel Herzblut dabei - hat aber oft auch eine genaue Vorstellung, wie es laufen sollte. "Man muss bereit sein, auch Leute ranzulassen, die es mal ganz anders machen", sagt Böckel. Das kann auch für die Kommunikationswege gelten: Digitale Meetings könnten manches Treffen ersetzen.

Im Rahmen der Woche des bürgerschaftlichen Engagements bietet das Zentrum bis Samstag Schulungen und Seminare zum Thema an. Weitere Infos unter www.freiwilligenzentrum-giessen.de/aktuelles-links-2/.

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