"Gegen die totale Ökonomisierung"

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Gießen(pm). Die Fraktion der Grünen im Gießener Kreistag spricht sich für die Aufrechterhaltung einer guten gesundheitlichen Versorgung im Landkreis aus. Angesichts der Ausdünnung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Fläche halten sie das für eine Notwendigkeit.

Die Grünen sehen die Sorge um das Patientenwohl gerechtfertigt: Von den großen Playern der privaten Gesundheitsversorgung - Asklepios, Rhön, Helios und Sana - sind im Landkreis Gießen die Aktiengesellschaft des Rhön-Klinikums (Unikliniken Gießen und Marburg) und Asklepioskliniken GmbH (Lich) vertreten. Durch die derzeit laufende Übernahme der Mehrheitsanteile der Rhön-Klinikum AG durch die Asklepioskliniken GmbH ist auch das Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) bald mehrheitlich Teil des Hamburger Konzerns und unterliegt dessen Vorgaben.

"Als 2008 Asklepios in Lich das Krankenhaus übernommen hat, brachte das Nachteile für die Beschäftigten, insbesondere bei der Frage der Tarifbindung", sagen Susanne Gerschlauer von den Grünen rückblickend. Die Konsequenzen waren teilweise erhebliche Verdiensteinbußen. Die Arbeitsbedingungen hätten sich im Vergleich zu vorher deutlich verschlechtert. Die Befürchtung:

Für Patienten und Beschäftigte

Den UKGM-Beschäftigten drohen jetzt unter Asklepios ähnlich schlechte Bedingungen. Es wird befürchtet, dass bisherige tarifvertragliche Bindungen mit der Gewerkschaft Verdi, an den TVöD angelehnt, auslaufen.

Christian Zuckermann, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Landkreis, fordert angesichts der immer stärker ansteigenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens eine Wende im Sinne der Beschäftigten und für das Patientenwohl. "Wir halten eine faire, der Bedeutung und Verantwortung der Arbeit angemessene Vergütung und verbesserte Arbeitsbedingungen für grundlegend. Wir sehen in ihnen die Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem als Teil der Daseinsvorsorge", sagt Zuckermann.

Eine Reform des Gesundheitssystems mit der Abkehr von diagnosebezogenen Fallpauschalen müsse nun endlich angegangen werden. Medizinisch-pflegerisches Denken und Handeln sei kaufmännischen und gewinnorientierten Erwägungen vorzuziehen. Diese gingen zulasten der medizinischen Maxime von Heilung und Genesung und dürften nicht das Wesen der medizinischen Versorgung dominieren. Susanne Gerschlauer, Kreistagsabgeordnete der Grünen, betont: "Wir wollen nicht, dass Personal eingespart wird und Löhne abgesenkt werden". Sie befürchtet, dass Angebote der therapeutischen Berufe teils aus den Kliniksstrukturen ausgegliedert werden.

Die Grünen im Landkreis Gießen unterstützen ausdrücklich die Anstrengungen der Kliniksbeschäftigten für eine angemessene Bezahlung und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

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