"Verrückt? Na und!"

Was tun gegen Mobbing und Co.?

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Leistungsstress in der Schule, Mobbing, Druck über soziale Medien – es gibt viele Gründe, warum junge Menschen die Krise bekommen können. Ein Schulprojekt soll Aufklärung betreiben.

"Dieses Projekt ist vorbildlich, junge Menschen werden über seelische Gesundheit aufgeklärt, Probleme offen angesprochen und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt": Landrätin Anita Schneider war bewegt von der Ausstellung, die in "Kunst am Riversplatz" im Landratsamt zu sehen war: "Wie geht’s?" lautet der Titel.

Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Schulprojekts, das sich im Landkreis etabliert. Damit "Verrückt? Na und! Seelisch fit in Schule und Ausbildung" bekannt und gebucht wird, wirbt die Landrätin bei Schulleitungen, Lehrkräften, Beiräten und Eltern, sich ebenfalls dafür stark zu machen.

Leistungsstress in der Schule, Mobbing in der Pause, Druck über soziale Medien, Erwachsenwerden, erste Erfahrungen mit Alkohol und Drogen: Es gibt viele Gründe, weshalb junge Menschen persönliche Krisen durchleben. Das Aufklärungsprojekt "Verrückt? Na und!" ist bundesweit verbreitet. Die Gießener Regionalgruppe engagiert sich dafür, nicht erst Erwachsene, sondern bereits junge Menschen für das Thema seelische Gesundheit zu sensibilisieren und so psychischen Erkrankungen sowie deren Langzeitfolgen vorzubeugen. "Es geht darum Schwieriges anzusprechen, Tabus zu brechen und Hilfen kennenzulernen", beschreibt Marco Auernigg das Projekt. Er ist Psychiatriekoordinator des Landkreises und Sachgebietsleiter Sozialpsychiatrischer Dienst.

"Verrückt? Na und!" In Gießen hat sich die Stiftung Modus Vivendi des Aufklärungsprojekts "Verrückt? Na und!" angenommen. Die Stiftung ist Alleingesellschafter der Profile gemeinnützige GmbH, die sich in der Betreuung psychisch Kranker Menschen engagiert.

Das Besondere dabei sei, dass neben einem Mitarbeiter einer psychiatrischen Einrichtung immer ein persönlicher Experte mit in der Schulklasse anwesend sei, der selbst einmal eine psychische Krise gemeistert hat, erklärt Andreas Bein, Geschäftsführer von Profile und der Stiftung Modus Vivendi. Das Konzept geht auf: In vertrauensvoller Atmosphäre öffnen sich Jugendliche und tauschen sich aus. Lehrer erfahren mehr über Nöte und Fragen ihrer Schüler, Hilfsangebote werden aufgezeigt.

"Seelische Krisen sind normal und können gemeistert werden", sagt Andrea Weiland vom Vitos-Klinikum Gießen-Marburg. Eine der Erkenntnisse, die über das Schulprojekt vermittelt werden soll, lautet: Wenn ich über etwas spreche, ist es nur noch halb so schlimm. Was viele nicht wissen: Die Mehrzahl der psychischen Erkrankungen beginnt vor dem 20. Lebensjahr. In Deutschland zeigen zwischen 20 und 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen seelische Auffälligkeiten.

Die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Heranwachsenden ist im Vergleich zu Erwachsenen jedoch schlechter. Auch die Landrätin sieht hohen Aufklärungsbedarf: "Gesundheitsförderung, Prävention und eine Entstigmatisierung in der Schule: das sind Themen zur seelischen Gesundheit, die uns in Zukunft intensiv beschäftigen werden."

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