Gefahr in Wäldern nimmt zu

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Gießen (pm). Das Dürrejahr 2018 hat dem Wald stark zugesetzt. Bereits seit dem letzten Jahr befallen Borkenkäfer und Pilze mit hoher Aggressivität Nadelwälder. Doch auch Laubbäume leiden zunehmend unter der Dürre und sterben ab. Förster weisen darauf hin: Durch absterbende Bäume steigen auch die Gefahren. Trockene Äste oder ganze Bäume können schon bei leichtem Wind zu Boden stürzen. Beim Waldbesuch ist besondere Vorsicht geboten, erklärt Hessen Forst.

"Wir hatten nach der letztjährigen Dürre befürchtet, dass wir in diesem Jahr auch bei Buchen und anderen Laubbäumen Probleme beobachten müssen", sagt Ralf Jäkel vom Forstamt Wettenberg. "Doch das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der jetzt Schäden auftreten und Bäume sterben, überrascht uns. "

Es beginne in der Baumkrone. "Nach dem Austrieb der Blätter im Frühjahr wurden erste Stellen trocken und binnen weniger Wochen starben die Bäume ab."

In ganz Hessen sind derzeit solche Entwicklungen zu beobachten. Wurzeln wurden durch die ausgetrockneten Böden geschädigt, die Rinde teilweise durch Sonnenbrand verletzt. Am Ende sind es Pilze, die die geschwächten Bäume das Leben kosten. Sie zersetzen das Holz und machen es brüchig. Je nach Befall brechen dann Kronenteile oder auch ganze Stämme ab.

Jäkel erklärt: "Dadurch entstehen Gefahren, die allen Waldbesuchern bewusst sein müssen." Nur entlang öffentlicher Straßen und an Park-, Spiel- oder Grillplätzen beseitige man akute Gefahren schnellstmöglich. "Innerhalb des Waldes können und müssen wir diese nicht beseitigen", sagt Jäkel. Wer sich im Wald bewegt, sollte immer auch den Blick nach oben richten und den Pausenplatz nicht unter trockenen Baumkronen auswählen.

Auch Borkenkäfer sind in diesem Jahr wieder ein Problem. Nach dem milden Winter bieten - bei warmen Temperaturen und noch immer trockenen Waldböden - geschwächte Fichtenwälder günstige Grundlagen zur Vermehrung. Der Diplodiapilz lässt Kiefernwälder mancherorts großflächig sterben, der sogenannte Rußrindenpilz setzt dem Ahorn zu, Eschen leiden weiterhin am Triebsterben, das ebenfalls von Pilzen verursacht wird.

Sperrungen möglich

"Seit Monaten machen wir alles in unserer Macht stehende, um den Wald zu erhalten, doch die Situation ist einfach extrem", sagt der Forstmann mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn. "Den Wald umzubauen, das dauert lange." Seit Jahrzehnten arbeite man auf klimastabile Wälder hin. Doch jetzt entstünden große Kahlflächen, die den Waldumbau erschweren, weil der Forst nicht so radikal verändert werden soll. Denn junge Waldbäume wachsen am liebsten unter den schützenden Baumkronen ihrer Elterngeneration heran. Manche mit mehr, manche mit weniger Schatten - doch die pralle Sonne oder Spätfrost ist immer ein Risiko.

Mit dem Thema klimastabile Wälder beschäftigen sich die Forstleute bereits seit einiger Zeit. Heinz-Jürgen Schmoll, Leiter des Bereichs Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Wettenberg, erklärt: "Wir machen uns Gedanken, wie sich der Wald in den nächsten 80 bis 120 Jahren entwickeln soll." Man denke darüber nach, mit welchen Baumarten man in den nächsten Jahrzehnten wirtschaftlich besser zurechtkomme und welche Baumarten die Klimaveränderung vielleicht besser verkraften.

Auch die Waldbrandgefahr steigt in den nächsten Tagen. In besonders brandgefährdeten Waldgebieten müssen man die Grillplätze bald sperren, erläutert Jäkel. "Auch die vorübergehende Sperrung von Waldwegen und -flächen wegen Brandgefahr oder zu hoher Gefahr durch absterbende Bäume ist nicht ausgeschlossen."

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