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Mähroboter machen den Traum vom englischen Rasen wahr, zerstören allerdings auch die Lebensgrundlage von Insekten.

Insektensterben

So gefährlich sind Mähroboter - Nabu Heuchelheim warnt vor den Geräten

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Rasenmähen war gestern: Mähroboter sind praktisch, zudem ersetzen sie laute, knatternde Benziner. Doch sie sind auch gefährlich, zumindest für Gartentiere wie Igel, Mäuse und Insekten. Die NABU-Gruppe Heuchelheim/Kinzenbach warnt vor den Geräten - und mahnt die Stadtwerke Gießen an.

Leise surrend zieht er seine Kreise. Ihm entgeht kein Gänseblümchen und kein Kleeblatt, das Grün wird auf Kürze getrimmt. Ein Mähroboter macht den Traum vom englischen Rasen wahr, während der Gartenbesitzer gemütlich auf dem Liegestuhl fläzt. Mähroboter können allerdings auch gefährlich werden, zum Beispiel für Gartentiere wie Igel und Insekten. Der Naturschutzbund (NABU) Heuchelheim/Kinzenbach warnt daher vor dem Kauf und der Miete solcher Geräte. Zudem mahnt die Ortsgruppe die Stadtwerke Gießen an.

"Wir jammern alle über das Insektensterben", sagt Mirko Nowotny. Die Menge der Insekten sei von 1989 bis 2016 um 76 Prozent zurückgegangen, das sei alarmierend. "Wir reden außerdem alle über ›Fridays for Future‹ und den Umweltschutz", fügt Nowotny hinzu. "Aber im eigenen Alltag sieht man dann oft nicht genau genug hin." Nowotny sitzt an einem Tisch, trinkt aus einem Wasserglas, dann beugt er sich nach vorne. "Ich und Sie: Wir können zu Hause etwas gegen das Insektensterben tun."

Verständnis für Einsatz von Robotern

In dem Neubaugebiet in Heuchelheim, in dem der 42 Jahre alte Nowotny mit seiner Familie lebt, beobachtet er Nachbarn, die Mähroboter in ihren Gärten einsetzen. Es ist noch ein zarter Trend, "von 50 Familien haben zwei ein solches Gerät." Doch die Roboter werden immer günstiger, beim Discounter sind sie inzwischen für 500 Euro zu kaufen. Man wolle daher informieren und auf die Nachteile der Geräte hinweisen. "Verzichten Sie auf einen Mähroboter und lassen Sie Ihren Rasen einfach ein wenig länger stehen", haben Nowotny und die NABU-Gruppe in den Heuchelheimer Gemeindenachrichten kürzlich appelliert. "Erfreuen Sie sich an der Blütenvielfalt und dem Insektenaufkommen in Ihrem Garten." Doch den Naturschutzaktivisten war auch klar: "Das ist kein reines Heuchelheimer Thema." Mit dem Gemeindeblatt erreiche man nur 3000 Haushalte, sagt Nowotny. "Wir müssen mehr Leute ansprechen und informieren."

Er habe Verständnis für Menschen, die das Rasenmähen einem Roboter überlassen, wenn sie jeden Tag erst um 20 Uhr von der Arbeit nach Hause kommen, "für die ist das eine tolle Sache". Gartenbesitzer, die die kleinen Geräte nutzen, müssen übrigens auch den Rechen nicht auspacken, das kurz geschnittene Gras dient als Dünger.

Stadtwerke Gießen angemahnt

"Wenn ich aber den klassischen Rasenmäher einsetze, wird das Gras in der Regel seltener getrimmt und es wächst dann höher", sagt Nowotny. "Auch ich kappe Löwenzahn und Gänseblümchen. Nach ein bis zwei Tagen stehen die Pflanzen aber wieder für die nächsten zehn Tage." Mähroboter hielten den Rasen kontinuierlich so kurz, "dass nichts mehr übrigbleibt". So entziehe man Insekten eine Nahrungsgrundlage. "Blumen und Blüten haben dann keine Chance."

Kürzlich hat sich Nowotny an die Stadtwerke Gießen gewandt. Der Anlass: Im Frühjahr hat das Unternehmen im Kreisgebiet mit Werbezetteln für das Mieten von Mährobotern geworben, ab 39,90 Euro im Monat. Die Nachfrage sei hoch, berichtet Unternehmenssprecherin Ina Weller. "Vor einem Jahr haben wir 50 Geräte zur Miete angeboten, inzwischen sind es 73." Die Roboter ersetzen lärmende Benziner, weist sie auf Vorteile hin. Auch für Senioren, denen die Rasenpflege schwer fällt, seien die Geräte eine Hilfe. Blumen könnten in den Gärten weiterhin blühen. "Nur sind die Stängel nicht mehr so hoch." Bei den vermieteten Geräten würden die Klingen zudem bei Hindernissen wegklappen, versichert Weller.

"Wir können nicht jede Gruppe davon überzeugen, dass Mähroboter schlecht sind"

Nowotny hat sich mit einem Vertreter der Stadtwerke unterhalten. "Es war ein offenes Gespräch. Ich habe mich wahrgenommen gefühlt", sagt er. Der Heuchelheimer ist Realist. "Die werden das Angebot nicht einstampfen." Dennoch hofft er, dass die Stadtwerke die Werbung für das Angebot zurückfahren. "Vielleicht könnten sie den Kunden zusätzlich zu den Geräten Tüten mit Blumensamen geben, um zum Pflanzen von Blühstreifen in ihren Gärten zu motivieren." Weller erklärt auf Nachfrage, diese Ideen greife man gerne auf und denke darüber nach.

"Wir können nicht jede Gruppe davon überzeugen, dass Mähroboter schlecht sind", weiß Nowotny. "Je mehr solche Geräte in Gärten herumfahren, umso schädlicher aber ist es für Insekten", sagt er. Ziel müsse sein, ein Bewusstsein für die Gefahr der Mähroboter zu wecken - und Kompromisse zu finden. Der Heuchelheimer erklärt: "Ich kann natürlich alles verlangen - dann am Ende aber nichts bekommen."

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