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Da viele Eltern ihre Kinder derzeit vorsichtshalber nicht in die Kita bringen, bleibt die Wickelkommode öfters leer - so wie hier in Dornholzhausen. Die Gemeinde will dies belohnen und Kita-Gebühren zurückerstatten.

Gebühren-Erstattung geplant

  • vonPatrick Dehnhardt
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Wer sein Kind nicht in die Kita schickt, soll belohnt werden: Die Gemeinde Langgöns will rückwirkend die Gebühren erlassen. An den Feinheiten der Regelung wird weiter gefeilt.

Viele Eltern in der Gemeinde Langgöns versuchen, sich an die Empfehlung zu halten, ihre Kinder derzeit nicht in die Kindertagesstätten zu bringen. Um diese Eltern zu belohnen, sollen die Kita-Gebühren für Tage, an denen keine Betreuung in Anspruch genommen wurde, zurückgezahlt werden. Der Haupt- und Finanzausschuss empfahl dies in seiner Online-Sitzung am Montag.

Bürgermeister Marius Reusch berichtete, dass das Land Hessen im Januar angekündigt hatte, die Kommunen finanziell dabei zu unterstützen, die Gebührenausfälle zu tragen. Langgöns werde damit vermutlich 70 Prozent der Monatsbeiträge decken können. Sobald die Empfehlung endet, die Kita nicht zu nutzen, sollen rückwirkend die Gebühren taggenau erstattet werden.

Exakte Abrechnung

Im Sozialausschuss hatten die Freien Wähler vorgeschlagen, die Gebühren ganz auszusetzen. Reusch sprach sich dagegen aus: Man solle nur die entlasten, die möglichst viel oder ganz auf die Kita verzichten. Hans Dern (Grüne) sah dies genauso: »Es kann doch nicht sein, dass Leute eine Betreuung in Anspruch nehmen und diese nicht bezahlen müssen.«

Letztlich empfahl der Ausschuss eine rückwirkende und taggenaue Erstattung der Kita-Gebühren. Jedoch ist bis zur Gemeindevertretersitzung Mitte Februar noch zu klären, ob diese Regelung rückwirkend bis November oder gar für das ganze Jahr 2020 gelten solle. Dern sprach sich gegen letztgenannte Variante aus: »Im Sommer ist einer in den Urlaub gefahren und hätte dann jetzt Anspruch.«

Auch der Energieverbrauch der Kindertagesstätten war Thema der Sitzung. Der Bürgermeister stellte mit Blick auf die Zahlen seit 2014 fest, dass gerade die Dornholzhäuser Einrichtung aufgrund der Bausubstanz viel Heizenergie verbrauche. Das Gebäude müsse energetisch ertüchtigt werden. Jürgen Knorz (CDU) sieht auch bei der Kita Fasanenweg Handlungsbedarf.

Klaus Kutt (Freie Wähler) sagte, man dürfe nicht die reinen Zahlen gegenüberstellen, sondern müsse nach bautechnischen Mängeln suchen und diese sukzessive abstellen. Hans Noormann (Grüne) sagte, dass man eine digitale Überwachung der Verbräuche einrichten müsse. Dann würde man zeitnah sehen, ob etwas aus dem Ruder läuft.

Finanziell scheint die Gemeinde bei der Corona-Pandemie 2020 glimpflich davonzukommen. Verwaltungsfachwirt Mark Zimmermann stellte die aktuellen Zahlen vor: Das dickste Minus klafft bei den Einkommenssteuereinnahmen, die 534 000 Euro niedriger als geplant ausfielen. Jedoch stieg der Anteil der Gemeinde an der Umsatzsteuer um 20 Prozent. Die Gewerbesteuereinnahmen von vier Millionen Euro müsse man mit Vorsicht genießen, da unklar sei, ob diese sich rückwirkend verringern, sagte Zimmermann. Da man derzeit 97,25 Prozent der geplanten Steuereinnahmen erreicht habe, »sollte man zufrieden sein«.

Knorz sagte, dass der Ersatz der Gewerbesteuerausfälle von Land und Bund noch nicht eingerechnet sei, 2020 daher finanziell voraussichtlich gut ende. Der Blick in die Zukunft sei da ungewisser: »2021 wird das schwierige Jahr.«

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