Corinna Ertl ist Praktikantin bei der Schülerfirma Nitrotoxy. Ihre erste Aufgabe war die Vorbereitung einer Präsentation für Digitalministerin Sinemus. FOTO: US
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Corinna Ertl ist Praktikantin bei der Schülerfirma Nitrotoxy. Ihre erste Aufgabe war die Vorbereitung einer Präsentation für Digitalministerin Sinemus. FOTO: US

Ein ganz besonderer Job

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Corinna Ertl stammt aus Bayern, studiert in Hamburg und macht ein Praktikum in Lich. Das klingt erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, ist es aber doch. Die angehende Biologin arbeitet für eine Schülerfirma.

Viel Aufmerksamkeit bekam Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus, als sie sich kürzlich an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich über das Projekt "Schulen im Weltraum" informierte. Gänzlich unbemerkt in dem Trubel blieb eine junge Frau, die das Geschehen still vom Rande des Physiksaals aus beobachtete. Corinna Ertl ist ihr Name. Sie hatte viel zu den Vorbereitungen für den Besuch aus Wiesbaden beigetragen - und sie hat das in einer besonderen Funktion getan.

Die 23-jährige angehende Biologin macht an der DBS ein Praktikum. Doch nicht die Schule ist ihr Arbeitgeber, sondern die Schülerfirma Nitrotoxy. "Frau Ertl ist bundesweit die erste Universitätsstudentin, die ein Praktikum bei einer Schülerfirma absolviert", sagt Lehrer Bernhard Krenig ein bisschen stolz.

Der Mittfünfziger, der zahlreiche naturwissenschaftliche Projekte betreut, hat diese ungewöhnliche Konstruktion möglich gemacht. Ertl, die aus Bayern stammt, studiert in Hamburg Biologie. Den Bachelor hat sie so gut wie in der Tasche, mit der Examensarbeit ist sie durch. Für den Abschluss fehlte ihr nur noch eine Formalie: die Bescheinigung über ein Betriebspraktikum. Das wollte die junge Biologin eigentlich im Nationalpark Bayerischer Wald absolvieren, doch coronabedingt wurde es abgesagt. Ertl war ein wenig ratlos. Ihr Bachelor-Betreuer Prof. Stefan Kirschner half ihr schließlich aus der Patsche. Er kennt Bernhard Krenig. "Und weil ich Industrie-Kooperationen mache, hat er einfach mal nachgefragt", erzählt der Lehrer, der die junge Frau aus Hamburg kurzerhand für Nitrotoxy angeheuert hat. Eine Hürde musste dafür allerdings überwunden werden. "Die Schülerfirma muss Frau Ertl versichern", berichtet Krenig. Aber dafür fehlen natürlich die Mittel. Das Institut für deutsche Wirtschaft sprang mit seiner Tochter IW Junior gGmbH in die Bresche. "Es ist in unserem Sinne, dass Schülerfirmen unterstützt und junge Leute in ökonomischen Fragen fit gemacht werden", begründet Projektmanager Markus Muszeika das Engagement.

So konnte Corinna Ertl getrost ihr neues Zuhause auf Zeit, ein WG-Zimmer in Gießen, beziehen. Seit Beginn des neuen Schuljahrs pendelt sie jeden Morgen mit dem Zug vom Gießener Bahnhof nach Lich. "Es war komisch, wieder in die Schule zu gehen", sagt sie rückblickend.

Die erste Hälfte ihres Praktikums war sie vorwiegend mit der Vorbereitung der Präsentation für den Besuch der Ministerin beschäftigt. Sie hat all die großformatigen Plakate zu den Projekten gestaltet, die Krenig mit verschiedenen Klassen, Wahlpflichtkursen und AGs am Laufen hat. Die preisgekrönte Algenzuchtanlage, mit der die Schülerfirma Nitrotoxy regenerative Energie produziert, hat bereits außerhalb der Schule für Aufsehen gesorgt. Aktuell in der Mache ist nun eine Insektenfalle, mit der klimabedingte Veränderungen in der Insektenpopulation untersucht werden sollen. Eine neunte Klasse bastelt zudem an einem Virenstaubsauger, um die Raumluft zu reinigen, ein Wahlpflichtkurs will einen virenhemmenden Desinfektionsmittelspender entwickeln. Und auch das ExoLab muss betreut werden, jenes vernetzte Minilabor, in dem die Teilnehmer einer Biotech-AG parallel zu den Astronauten der Internationalen Raumstation ISS Pflanzenexperimente durchführen. "Wir könnten Frau Ertl das ganze Jahr über gebrauchen", sagt Krenig.

Aber die Praktikantin bleibt nur vier Wochen. Dann geht es zurück nach Hamburg an die Uni, im Herbst beginnt dann das Magister-Studium. Auch wenn sie ihre Zukunft nicht an der Schule sieht, sondern in der Primatenforschung, haben ihr der Ausflug in die Pädagogik und die Teilnahme am Unterricht zu neuen Einsichten verholfen.

"Ich habe eine andere Perspektive auf den Lehrerberuf gewonnen", sagt sie. Und zudem Einblicke in eine andere Schulform. Ertl hat ihr Abitur an einem kirchlichen Gymnasium in Bayern gemacht. "Gesamtschule war neu für mich", erzählt sie. "Das Konzept gefällt mir sehr."

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