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Hobbygärtner können von Anfang Mai bis Mitte November im Saisongarten bei Steinbach auf insgesamt 20 Parzellen eigenes Gemüse (hier: blaue Kohlrabi) und Salat ernten.

Gärtnern für eine Saison

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Wer prüfen will, ob er einen »grünen Daumen« hat, erhält dazu ab Mai auf einem Acker bei Steinbach Gelegenheit. Auf einem 800 Quadratmeter großen Areal entsteht dort ein Saisongarten. Angeboten wird das »Gärtnern für einen Sommer« von einer Lebensmittelmarktkette.

Bei Spaziergängen rund um Steinbach sticht auf einem Acker gleich neben dem Betonwerk Rinn seit einigen Tagen ein orangefarbenes Plakat ins Auge. Mit der Botschaft »Gärtnern und Ernten, Wachsen und Reifen erleben« macht das Handelsunternehmen Tegut neugierig auf das Projekt »Saisongarten«. Ein Outdoor-Trend ist nun auch im Landkreis Gießen angekommen.

Freizeit zwischen Kraut und Rüben

In der Feldgemarkung Hamelsfeld soll vorrangig Familien, aber auch Gruppen und Einzelpersonen das Werkeln in freier Natur schmackhaft gemacht werden - im wahrsten Sinne des Wortes: Wer im Sommerhalbjahr eine der 40 Quadratmeter großen Parzellen des etwa 800 Quadratmeter großen Saisongartens bewirtschaftet, darf später als Lohn der Mühe ökologisch angebauten Salat, Radieschen, Spinat, Zuckererbsen, Rote Bete, Mangold, Spitzkohl, Kohlrabi, Wirsing, Gurken, Brokkoli, Kartoffeln, Mais, Kürbis und einiges mehr ernten. Möglich macht’s eine Kooperation mit der örtlichen Sophienhof GbR, die das Areal bereitstellt und für die Infrastruktur sorgt.

150 Euro kostet die Parzelle für eine Saison, in dem Betrag sind das gesamte Saatgut und die Pflanzen enthalten. Anfang Mai sollen einzelne Parzellen mit 25 verschiedenen Gemüsearten und -sorten fertig bepflanzt an die Hobbygärtner übergeben werden.

Praktische Kenntnisse sind für die »Neuen« zwar von Vorteil, aber keine zwingende Voraussetzung. Damit sie in der Zeit von Frühling bis Herbst auch viel über biologischen Gemüseanbau lernen, werden sie von Jutta Naujoks unterstützt. Als ehrenamtliche Saisongarten-Betreuerin wird die Rentnerin regelmäßig vor Ort in Steinbach sein. »Ich war total begeistert davon«, erzählt sie aus eigener Erfahrung vom Hacken und Jäten zwischen Kraut und Rüben.

Bis zu ihrem Umzug nach Lich hatte Naujoks in den vergangenen Jahren bereits im Saisongarten im Friedberger Stadtteil Fauerbach jeweils eine eigene Parzelle gepachtet. Die Suche nach adäquater Betätigung in der Nähe des neuen Wohnortes verlief zunächst im Sande, da der einstige Saisongarten in Buseck mittlerweile nicht mehr existiert.

So nahm die Neu-Licherin Kontakt zu Tegut auf - und brachte den Stein ins Rollen. Beim Handelsunternehmen in Fulda erinnerte man sich an einen früheren Kontakt mit dem Sophienhof und machte schließlich den Steinbacher Saisongarten für 2021 klar.

An Nachfrage herrscht augenscheinlich kein Mangel: Etwa ein Dutzend der 40 Parzellen ist bereits »in festen Händen« - dabei hat die Werbung via Flyer und Plakate doch eben erst begonnen.

Interessenten kommen nicht nur aus Fernwalder Ortsteilen, sondern auch aus Gießen und Lich. Projektleiterin Stefanie Krecek (Tegut) ist zuversichtlich, dass der Saisongarten im Hamelsfeld bald ausgebucht ist: Allgemein gebe es eine hohe Nachfrage - besonders seit Beginn der Corona-Krise, erläutert sie unter Hinweis auf die Entwicklung in den weiteren 20 Standorten in Hessen und Thüringen. Jutta Naujoks bestätigt: »Das boomt und explodiert geradezu.« Der Saisongarten in Fauerbach zum Beispiel sei 2015 mit fünf Parzellen gestartet, inzwischen gebe es 48 - allesamt ausgebucht.

Vielfalt für den eigenen Speiseplan

Was treibt Jung und Alt zum Gärtnern für eine Saison an? Krecek verweist auf mehrere Motive: »Es geht um den Anspruch, sein Lebensumfeld selbst zu gestalten, aber auch um ein Stück selbstbestimmte Ernährung.« Der natürliche Ursprung der Nahrung werde wieder hautnah erfahrbar. Dies zu erleben, sei vor allem für Familien, Kinder und Stadtbewohner von Nutzen.

Jutta Naujoks hat neben der Ernte aus dem eigenen Stückchen Erde auch das Miteinander im Saisongarten schätzen gelernt. Dabei gehe es weniger um kollektive Geselligkeit: »Man guckt, was andere anbauen und kommt darüber ins Gespräch.« Das bereichere dann bisweilen auch den eigenen Speiseplan, etwa wenn besondere Pflanzen angebaut und exotische Rezepte genussvoll ausgetauscht werden.

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