Fußböden oder Kaffeerösterei mit Radwerkstatt?

  • vonPatrick Dehnhardt
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Hüttenberg(pad). Gleich vier Bewerber gibt es für ein Gewerbegrundstück in Hüttenberg: Das Areal am Budenweisgraben 7 zu Rechtenbach ist ein Filetstück, liegt nicht nur kundenträchtig zwischen einem Café, Supermarkt und Discounter, sondern hat auch eine gute Verkehrsanbindung: In wenigen Minuten ist man auf der Autobahn 45.

Im Bau- und Verkehrsausschuss stellten sich die vier Bewerber vor. Hinter "Fußbodenbau Rose" und "Estrichbau Rose" verbergen sich praktisch die Nachfolger eines Gießener Traditionsunternehmens: Im vergangenen Jahr hatte Geschäftsführer Michael Rose einen sogenannten "Asset Deal" mit der 1904 gegründeten Firma Wellhöfer abgeschlossen und den Geschäftsbereich Gießen zum Jahresbeginn 2020 übernommen.

"Märtyrerkirche" will umziehen

Rose will eine Lagerhalle mit 600 Quadratmetern Nutzfläche errichten, an die sich ein Verwaltungsgebäude mit 300 Quadratmetern auf zwei Geschossen anschließen soll. Das Unternehmen habe einen Jahresumsatz von vier Millionen Euro, auf den Baustellen in Hessen und angrenzenden Bundesländern sind rund 70 Mitarbeiter aktiv. Weiterer Bewerber um das Grundstück ist die 2017 gegründete Firma Lahn Home, in deren Fokus schlüsselfertiges Bauen steht. Für den Betrieb mit 25 Mitarbeitern ist das derzeitige Firmengrundstück in der Wiesenstraße zu klein geworden. Im Neubau von Lahn Home sollen ein Lager und die Verwaltung Platz finden.

Die "Hilfsaktion Märtyrerkirche" würde gerne vom Bodensee nach Hüttenberg umziehen. Sie wurde vor 50 Jahren in Rumänien gegründet. Sie hilft christlichen Minderheiten in Ländern, in denen es kein Recht auf freie Religionsausübung gibt und in denen Christen schikaniert, diskriminiert oder Opfer von Pogromen werden. Dafür unterstützt sie 145 Projekte in 45 Ländern, unter anderem Kinderhilfs- und Wiederaufbauprojekte. Die "Hilfsaktion Märtyrerkirche" ist mit dem DZI-Spendensiegel ausgezeichnet.

In Rechtenbach will sie ein Verwaltungsgebäude mit Seminarräumen errichten, zudem soll eine Ausstellung zum Thema Religionsfreiheit in dem Gebäude stattfinden.

Einen ungewöhnlichen Mix plant der vierte Bewerber: Anna Ulm und Benjamin Ulm wollen einen Fahrradladen mit gläserner Werkstatt sowie eine Kaffeerösterei errichten. Anna Ulm ist mit "Beans on Bike" unter anderem auf dem Gießener Wochenmarkt zu finden. Die ausgebildete Coffeologin will den Menschen in Seminarräumen bei Kaffeeverkostungen und Rösterfrühstücken die Kaffeebohne näher bringen. In der Rösterei soll direkt gehandelte Kaffeebohnen geröstet werden.

Der 36-jährige Benjamin Ulm verzeichnet mit seinem Fahrradreparaturservice in den vergangenen Jahren einen steten Kundenzuwachs. "Ich schaue darauf, dass sowohl Räder als auch Ersatzteile möglichst langlebig und robust sind, zudem möglichst fair produziert."

Anna Ulm und Benjamin Ulm wollen mit dem Neubau nicht nur ihre beiden "Leidenschaften in einem Lebenswerk" vereinen, sondern auch 15 Mitarbeiter beschäftigten und ausbilden.

Während der Gemeindevorstand die Firma Rose empfohlen hatte, sprach sich der Hüttenberger Bau- und Verkehrsausschuss einstimmig für die Kaffeerösterei und die Fahrradwerkstatt aus. Erich Schmidt (FÖBH) fasste zusammen, was sich wohl alle Kommunalpolitiker an diesem Abend dachten: "Am liebsten wäre uns, wenn alle vier Bewerber in Hüttenberg eine Heimat finden könnten."

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