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Biebertal ist eine von fünf Modellkommunen, in der demnächst das innerörtliche Radwegenetz analysiert wird. Denn aktuell endet an vielen Ortschildern die überregionale Radverkehrsplanung und damit nicht selten auch der sonst gut ausgeschilderte Radweg.

Für mehr Radel-Qualität

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Wer auf einem Radweg unterwegs ist und sich einer Ortschaft nähert, der muss damit rechnen, dass innerhalb des Orts keine sichere Radwegeführung vorhanden ist. Auch die Beschilderung zum nächsten Radweg-Anschluss kann fehlen. Dies liegt daran, dass der Radverkehr innerorts Angelegenheit der jeweiligen Kommune ist und damit nicht mehr Teil der Netzplanung des Radverkehrskonzeptes des Landkreises Gießen.

Am jeweiligen Ortschild endet die überregionale Planung und damit nicht selten auch der Radweg. Das soll sich jetzt ändern.

»Auf den Bürgerversammlungen zum Radwegeverkehrskonzept des Landkreises Gießen war dies immer wieder ein Thema«, erläutert Landrätin Anita Schneider. Deshalb hatte sie versprochen, dies mitzunehmen, um zu prüfen, ob der Kreis nicht durch das Land Hessen geförderte Pilotprojekte initiieren könnte.« Diese sollen beispielhaft auf zeigen, wie innerörtliche Planungen gemeinsam mit den Bürgern erstellt werden können, um somit das neue, kreisweite Radwegenetz zu vervollständigen, erklärt Landrätin Schneider.

Modellkommunen sind die Kommunen Biebertal, Grünberg, Linden, Lollar und Pohlheim.

Zur Erinnerung: Der Landkreis Gießen hat ein Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben und den Entwurf im Zuge einer Bürgerbeteiligung zur Diskussion gestellt. Von den Bürgern kamen viele gute Hinweise und Ergänzungsvorschläge, die durch den Kreistag mit aufgenommen wurden. Ein immer wieder geäußerter Wunsch war zudem, die innerörtliche Radverkehrsführung nicht außen vor zu lassen.

Ergänzt um die Hinweise, die von den Bürgern vorgebracht wurden, hat der Kreistag im Dezember 2020 das Radverkehrskonzept für den Landkreis Gießen beschlossen. Damit wurde an die Verwaltung der Auftrag erteilt, ein schlüssiges Radwegenetz einzurichten. Empfohlen wurde dabei auch, die innerörtliche Radverkehrsführung bestimmter Kommunen zu betrachten und zu analysieren.

Kommunen beteiligen sich

»Wir haben bei der Auswahl der Kommunen vor allem jene berücksichtigt, in denen dieses Anliegen vorgetragen wurde. Mit den Bürgermeistern konnten wir schnell Partner für dieses Vorhaben finden«, sagt Anita Schneider

Konkret bedeutet die Zusammenarbeit zwischen den Modellkommunen und dem Landkreis: Der Landkreis übernimmt zum einen das Beantragen von Fördermitteln, zum anderen beauftragt der Kreis die Planer.

Die Kommunen beteiligen sich mit einem Eigenanteil an der Finanzierung. Nach Abzug der bis zu 70-prozentigen Landesförderung wird der Beitrag für die jeweilige Kommune im niedrigen vierstelligen Bereich liegen. »Relativ kleines Geld für die Weiterentwicklung der Nahmobilität mit breitem Nutzen für die Menschen vor Ort«, findet die Landrätin. Sie sieht im Ausbau des Radverkehrs sowohl einen weiteren Schritt zum Schutz des Klimas als auch einen Beitrag zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Orten.

Mit der Umsetzung des Radverkehrskonzepts im Landkreis Gießen sollen gute und direkte Verbindungen geschaffen werden, die dazu einladen, das Auto stehen zu lassen oder besser und einfacher das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu nutzen.

Im übernächsten Schritt ist eine kreisweit einheitliche Beschilderung umzusetzen. Dafür muss allerdings zunächst ein aufwändiges Beschilderungskonzept erarbeitet werden, das ebenfalls in Vorbereitung ist und für das wiederum Förderanträge auf den Weg gebracht werden.

Beim Erstellen des Beschilderungskonzepts muss jeder Abzweig beachtet werden - und auch örtliche Besonderheiten wie landwirtschaftliche Interessen. Dies ist bei über 1000 Kilometern Radwegenetz im Landkreis Gießen zwischen Königsberg im Westen und Altenhain im Osten eine sehr umfangreiche Arbeit.

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