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Rausfahren und anhalten, bitte: An der B 276 zwischen Laubach und Schotten nahm die Polizei Mittelhessen am Samstag Verkehrskontrollen vor. Das Augenmerk richtete sich vor allem auf Motorradfahrer.

Verkehr

„Für das Rasen missbraucht“: Große Polizeikontrolle an der B 276 zwischen Laubach und Schotten

  • vonConstantin Hoppe
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Sechs tödliche Motorradunfälle seit 2016, allein zwei davon im letzten Jahr. Die traurige Statistik war am Samstag für die Polizei einmal mehr Anlass für Verkehrskontrollen an der berühmt berüchtigten B 276 zwischen Laubach und Schotten.

Laubach – Der Mai naht. Das Wetter wird sonniger und wärmer. Für viele Motorradfans beginnt mit dem Wonnemonat die Saison. Doch leider geht diese immer auch mit einer erhöhten Unfallgefahr einher. Anlass für die Polizei in Mittelhessen am Samstag eine große Kontrollaktion an der B 276 zwischen Laubach und Schotten zu starten. Um 11 Uhr ging es los.

Auf dem Parkplatz Jägerhaus hatten die Beamten eine Kontrollstelle eingerichtet, an der besonderes Augenmerk auf die motorisierten Zweiräder gelegt wurde. Unterstützung erhielten die Polizisten von den Johannitern und dem Auto-Club-Europa, außerdem war ein Polizeibeamter aus der „Rennleitung#110“ mit von der Partie - ein privat initiiertes Präventionsprojekt motorradfahrender Polizeibeamter.

B 276 zwischen Laubach und Schotten: Mehrere tödliche Unfälle seit 2016

Aber natürlich nahmen die Kontrolleure nicht ausschließlich Zweirad-Fahrer in den Fokus - auch so mancher Pkw fiel mit überhöhter Geschwindigkeit auf. Denn auf der gesamten Strecke gibt es mittlerweile Geschwindigkeitsbegrenzungen von 80 beziehungsweise 60 Stundenkilometern. Eine notwendige Maßnahme, sieht man sich die Unfallstatistiken für den Teilabschnitt der B 276 zwischen Laubach und Schotten an: Seit 2016 verunglückten hier sechs Motorradfahrer tödlich, zwei davon im letzten Jahr. 46 weitere wurden schwerverletzt.

Bei den schweren Unfällen sind meist zu hohe Geschwindigkeit und das Abkommen von der Fahrbahn die Hauptursache. Deshalb erfolgten auf der B 276 in den vergangenen Jahren mehrere bauliche Maßnahmen und Geschwindigkeitsreduzierungen, um das Unfallrisiko zu senken.

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„Leider gibt es immer einige wenige unvernünftige Motorradfahrer, die dafür sorgen, dass alle darunter leiden müssen“, sagt Jürgen Sill, Polizeihauptkommissar vom Regionalverkehrsdienst Wetterau, selbst begeisterter Motorradfahrer. „Das Problem hier auf der Strecke sind nicht die, die 100 fahren, sondern die, die mit 140 bis 160 unterwegs sind. Die Strecke wird einfach fürs Rasen missbraucht.“

13.30 Uhr. Eine ganze Gruppe von Motorradfahrern wurde angehalten und kontrolliert, die Lautstärke der Maschinen gemessen, Führerscheine und Dokumente überprüft, wobei die Beamten vor allem auf die technischen Details achteten. Der Grund: Oft sind Teile verbaut, die nicht zur Originalausstattung gehören. Dann müssen entsprechende Nachweise vorliegen.

Tun sie das nicht, reicht meist eine Mängelkarte aus - der Fahrer muss belegen, dass alles ordnungsgemäß ist und die entsprechenden Dokumente vorlegen. Bei einem der Motorräder wurden die Kontrolleure jedoch auf einen Bremshebel aufmerksam, der weder Originalteil war, noch über ein Prüfsiegel verfügte. Die Folge: Die Fahrt für das Zweirad war zu Ende. Die Beamten schraubten das Kennzeichen noch vor Ort ab.

Polizeikontrolle an der B 276 zwischen Laubach und Schotten: Gruß an die Beamten

In der Regel verhielten sich die kontrollierten Fahrer vernünftig und freundlich, Die meisten gaben sogar an, solche Kontrollen gut zu finden. Einer fiel dabei besonders auf: Ein 59-Jähriger aus Lahnau, der an selber Stelle bereits vor zwei Jahren angehalten worden war - vom selben Beamten, Polizeihauptkommissar Andreas Düding, Leiter der Verkehrsinspektion Mittelhessen. Damals erhielt der Lahnauer ein Armband mit dem Kampagnenslogan „Du hast es in der Hand“. Dieses trug er auch am Samstag. „Ich ziehe das Bändchen jedesmal an, wenn ich Motorrad fahre“, sagt der 59-Jährige. „Du hast es in der Hand - das kann man wörtlich nehmen.“ Der Lahnauer findet für die Polizeiaktion lobende Worte: „Sonst würden hier so viele mit illegalen Maschinen fahren oder Leute, die nicht aufs Motorrad gehören.“ Nach einem Gruß an die Beamten machte er sich auf den Weg. Gefunden wurden an seinem Gefährt - eine BMW XR1000 mit 160 PS - keine Auffälligkeiten.

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