oli_fahrerlaubnisbeantra_4c
+
Ab heute ist es möglich, den Führerschein über die Internetseite des Landkreises digital zu beantragen.

Führerschein-Antrag vom Sofa aus

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
    schließen

PC oder Handy und Ausweis mit online-Funktion - das reicht künftig im Kreis Gießen aus, um einen Führerschein zu beantragen. Von heute an ist ein Gang weniger aufs Amt möglich.

Wer bislang einen Führerschein erwerben wollte, der musste mindestens Termine bei der Führerscheinstelle im Gießener Bachweg vereinbaren: Zuerst zum Beantragen der Fahrerlaubnis und dann erneut nach erfolgreicher Prüfung zum Abholen der begehrten Lizenz.

Das soll sich von heute an ändern: Der Führerschein-Antrag kann ab sofort auch digital erfolgen. Der Landkreis Gießen schaltet auf seiner Homepage www.lkgi.de dafür einen online-Service frei: lkgi.de/digitalerfuehrerschein . Damit kann der Führerschein digital und bequem von zu Hause aus beantragt werden.

Was dafür neben PC, Laptop, Tablet oder Smartphone benötigt wird: Ein Personalausweis mit online-Funktion, ein biometrisches Foto (das als Handy-Selfie gemacht werden kann) sowie Angaben zur Fahrschule. Nachweise von Sehtest und Erste-Hilfe-Kurs können hochgeladen werden. Bezahlt wird per PayPal.

Beantragt werden kann in einem ersten Schritt der Führerschein für Auto- oder Motorrad; konkret für die Klassen AM, A1, A2, A, B, BE, L und T sowie deren Kombinationen.

Was noch nicht möglich ist, aber schon bald folgen soll: Der Digitalantrag etwa für das Begleitete Fahren ab 17 oder etwa ein Internationaler Führerschein. Daran wird gearbeitet, versichern Landrätin Anita Schneider, Verkehrsdezernent Christian Zuckermann sowie Andreas Mezker, der Stabsstellenleiter Controlling beim Kreis. Zusammen mit Kai Dechert, Teamleiter Onlinezugangsgesetz und Sandra Müller-Vogeley, Fachdienstleiterin Verkehr, sowie Marcus Seifert als Sachgebietsleiter der Führerscheinstelle stellten sie den neuen Service vor.

»Damit ist der Kreis Gießen der vierte Landkreis in Hessen neben dem Main-Kinzig-Kreis, dem Main-Taunus-Kreis und dem Rheingau-Taunus-Kreis, in dem diese Dienstleistung online möglich ist«, zeigte sich die Landrätin ein wenig stolz auf den neuen Service.

Der Kreis Gießen ist somit ein Pilot und sieht sich ganz vorne mit dabei. Denn was hier im Dialog mit dem Land Hessen entwickelt wurde, das soll auch von anderen Kreisen in Hessen übernommen und genutzt werden können. Gleiches gilt für die im Kreis Gießen bundesweit erstmals eingesetzte standardisierte Schnittstelle für das Übertragen von Antragsdaten. Funktioniert die Lösung, dann wird sie anschließend anderen Ländern und Kommunen zur Nutzung zur Verfügung gestellt.

Pilotprojekt

Hinter dem Online-Führerschein-Antrag steckt gut ein Jahr der Vorarbeit und Entwicklung. Den Benefit haben zuerst einmal die Bürger als Kunden der Kreisverwaltung, die sich als Dienstleister versteht, unterstreicht Dezernent Zuckermann. Sie sparen sich Zeit und Wege, können den Antrag stellen, ohne vielleicht einen halben Tag Urlaub nehmen zu müssen. Zugleich erhofft man sich beim Kreis auch eine Arbeitserleichterung für das Personal in der Führerscheinstelle - »mehr Effizienz« ist da das Stichwort für die Landrätin. Und sie sieht Vorteile in der Arbeitsorganisation: »Je mehr Prozesse wir digital anbieten, desto besser können wir Homeoffice-Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter anbieten.« Dass Arbeitsplätze dadurch gefährdet werden, sieht man nicht. Die Verwaltung wächst derzeit zahlenmäßig weiter.

Die Landkreis-Spitze setzt darauf, in den kommenden Monaten neben den Führerschein-Anträgen immer mehr Prozesse so umstrukturieren zu können, dass es überall digitale Schnittstellen gibt. Rund 160 Dienstleistungen des Landratsamts sind dafür bereits ausgemacht, die im Laufe dieses und der kommenden Jahre auf online-Service umgestellt werden können. Das Spektrum reicht vom online- Mängel- und Ideenmelder über den (schon länger verfügbaren) Wunschkennzeichen-Service der Zulassungsstelle bis hin zur Frage der Genehmigung von Baumfällungen.

Zugleich sind elf der 18 Kreis-Kommunen mit ins Boot geholt: Der Landkreis will seine Expertise für deren digitalen Bürgerservice zur Verfügung stellen. Die Themen reichen von Hundesteuer bis zu Garten-Wasserzählern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare