_1KREISGIESSEN38-B_08085_4c
+
Bislang gibt es in Espa nur eine analoge Messstelle, die Klaus Kutt betreibt (Archivfoto). Der automatische Messpunkt war vor Jahren vom Wetterdienst abgebaut worden.

Frühwarnsystem für Starkregen?

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
    schließen

Um sich besser für Unwetter rüsten zu können, will die Gemeinde Langgöns eine Starkregenanalyse beauftragen. Die Förderzusage des Landes Hessen traf nun ein. Zudem wird über ein Frühwarnsystem für Starkregen diskutiert

Eine gute Nachricht hatte Bürgermeister Marius Reusch zu Beginn der Umweltausschusssitzung am Mittwochabend: Die Förderzusage für die Starkregenanalyse ist dieser Tage eingetroffen. Da Langgöns Mitglied der »Charta der Klimakommunen« ist, winkte zunächst eine Förderung von 90 Prozent. Nun werden sogar die vollen Kosten in Höhe von 75 300 Euro übernommen. Die Gemeinde kann nun die Analyse ausschreiben und zeitnah vergeben. Reusch äußerte die Hoffnung, dass die Starkregenanalyse spätestens Anfang des nächsten Jahres vorliegen könnte.

Einstimmig empfahl der Umweltausschuss, Fördermittel für ein Starkregenfrühwarnsystem zu beantragen. Gemeindebrandinspektor Thomas Heckrodt schilderte, dass beim Unwetter vor anderthalb Jahren sich die Feuerwehren zunächst auf Dornholzhausen konzentrierten, da man vom enormen Niederschlag in Espa und der damit drohenden Flutwelle erst nichts wusste.

Das System soll da Abhilfe schaffen. In jedem Ortsteil soll eine Messstelle eingerichtet werden. Deren Sensoren messen live den Niederschlag und würden ab einer festgelegten Niederschlagsmenge - zum Beispiel 20 Litern pro Quadratmeter und Stunde - Alarm schlagen. Die örtliche Feuerwehr würde dann einen Voralarm erhalten, auch ein Live-Ticker auf der Homepage und die Verknüpfung mit anderen Warnsystemen wäre denkbar.

Zwei Pegelmessstellen am Kleebach würden das Warnsystem ergänzen, erklärte der Gemeindebrandinspektor. So könne man frühzeitig mitbekommen, wenn es in einem Ortsteil schüttet.

Bürgermeister Marius Reusch berichtete, dass das Förderprogramm der Gemeinde für den privaten Hochwasserschutz gut angenommen worden sei. Jedoch würden die Anrainer eine Vorwarnzeit brauchen, um die Flutschotte einzubauen. Durch den Voralarm könnte die Feuerwehr die Anwohner frühzeitig informieren.

In diesem Zuge wurde auch das Thema Bevölkerungswarnung angesprochen. Langgöns hatte vor Jahren das Sirenennetz aufgegeben, einige Anlagen bereits abgebaut. Wenn die Bevölkerung gewarnt werden musste, fuhr die Feuerwehr durch die Straßen und machte Lautsprecherdurchsagen. »Das hat in der Vergangenheit, etwa beim Hallenbrand in Oberkleen, gut funktioniert«, sagte Heckrodt, der sich einst für den Abbau der Sirenen ausgesprochen hatte. »Nach Ahrweiler stellt sich dies wieder anders da.«

Sirenen mit Durchsagefunktion

Die noch vorhandenen Sirenen einfach zu reaktivieren, mache jedoch nur wenig Sinn, da sie für ein modernes Warnsystem kaum geeignet seien, sie zudem bereits vor der Abschaltung die Wohngebiete nicht lückenlos erreichten. »Es gibt digitale Sirenen mit Durchsagefunktion«, schilderte Reusch den Stand der Technik. Bislang sei unklar, welche Förderung vom Bund bei einem Neuaufbau des Sirenennetzes fließen könnte. Reusch kündigte einen substanziellen Vorschlag für die kommunalpolitischen Sitzungen im Herbst an.

Vertagt wurde die Frage, ob die Gemeinde einen Umweltbeirat erhalten soll. Dr. Axel Wehrend (SPD) hatte diesen angeregt. Der Beirat solle sich unabhängig von der Tagespolitik mit Umweltthemen beschäftigen.

Michael Buss (Grüne) signalisierte Zustimmung und sprach sich dafür aus, die Feldwegekommission in dem neuen Gremium aufgehen zu lassen. Da jedoch noch unklar ist, ob es ein Beirat, eine AG oder eine andere Form werden soll, wollen die Fraktionen zunächst weiter beraten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare