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Am Kropbach verbergen sich in einem Wäldchen hinter den Heuchelheimer Firmen Schunk und Rinn zwei ehemalige Fischteiche - die Faatz’schen Fischteiche.

Früher Karpfen, heute Hasen

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Die Faatz’schen Fischteiche am Kropbach in Heuchelheim wurden 1925/26 angelegt. Die darin gezüchteten Karpfen landeten dereinst auf den Tellern in Hotels und Gaststätten. Heute sagen sich dort Fuchs und Hase Gute Nacht.

Wer hinter den Firmen Schunk und Rinn auf dem Feldweg entlang des Kropbach geht, dem sind sicher die beiden Fischteiche bekannt, die der Eisenbahner-Sportverein dort betreibt. Direkt daneben, in südlicher Richtung befindet sich ein Waldstück - könnte man meinen. Doch hinter den hochgewachsenen Bäumen am Bachufer verbergen sich zwei weitere Fischteiche.

Angelegt haben sie vor 95 Jahren Friedrich Faatz senior und sein Sohn Friedrich Faatz junior, wie Gerhard Henkelmann vom Arbeitskreis Ortsgeschichte im Kulturring zu berichten weiß. Angelegt in dem Gebiet, in dem der Fohnbach zum Kropbach wird.

Reaktivierung in den 60er Jahren

Friedrich Faatz senior wurde 1871 in Erlau bei Bamberg geboren. Der gelernte Bierbrauer fand um die Jahrhundertwende in Gießen eine Anstellung, arbeitete nach der Militärzeit als Oberbrauer in einer Brauerei. 1902 erwarb die Familie ein Haus am Abendstern.

1928 gründete Faatz senior zusammen mit seinem Sohn Friedrich eine Gärtnerei an der Rodheimer Straße. Gemüse und Blumen wurden auf dem Gießener Wochenmarkt verkauft. Der Betrieb war zudem der erste in der Region, der Tomaten anbaute.

1925/26 hatten Vater und Sohn das sumpfige Gelände östlich des Kropbachs von einem Landwirt erworben. Es liegt direkt an der Gemarkungsgrenze auf Krofdorfer Gebiet. »Es kann gut sein, dass Faatz mit den Fischteichen einen Brauch aus seiner fränkischen Heimat fortführte«, vermutet Henkelmann. Dort gab und gibt es nämlich - nicht zuletzt topografisch bedingt - besonders viele Fischteiche. Die Karpfen wurden an Hotels und Gaststätten verkauft. 1937 starb der Senior. Danach wurden die Teiche nur noch mäßig genutzt. Enkel Eberhard kümmerte sich Anfang der 60er Jahre um das Gelände. Die Teiche wurden entschlammt; er erwarb die Wasserrechte. Vom Gut Wächtersbach stammten die Fische zur Aufzucht. Sie wurden zu Weihnachten und Silvester verkauft. An den Dämmen wurden zudem Korbweiden angepflanzt. Sie wurden an Korbflechter in Mudersbach und in der Blindenanstalt in Friedberg verkauft. Später wurden auch Flugenten gezogen.

Enkel Eberhard betrieb auch die Gärtnerei weiter. Etwa um 1980 herum wurde der Betrieb dann aufgelöst. Die Firmen Schunk und Rinn erwarben hälftig das Betriebsgelände. Die Teiche blieben weiter im Besitz der Familie. Später gab Eberhard Faatz, der seinerseits keine direkten Nachkommen hatte, die Bewirtschaftung der Teiche aber dann doch auf.

Inzwischen tummeln sich auf dem nicht direkt zugänglichen Gelände allerlei Tiere. So ergriff beim Ortstermin etwa ein Hase die Flucht über den Kropbach hinweg.

Das Eingangstor zum Gelände ist verschlossen.

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