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Wenn er auf der Bühne steht, ist die Überraschung programmiert: Stefan Alexander Rautenberg aus Lich ist ein gefragter Zauberkünstler.

Früher Bänker, heute Magier

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Geboren wurde er in Berlin. Seit 2001 lebt er in Lich. Seine Engagements führen ihn durch ganz Deutschland und Europa, nach Übersee und Afrika. Weil er sich auf die Kunst versteht, das Publikum zu einem aktiven Teil der Performance zu machen, ist Stefan Alexander Rautenberg ein gefragter Zauberkünstler.

Zwei Künstler, 13 Monate. Wenn am 8. September das wohl romantischste Werk Erich Kästners im Mittelpunkt eines Sprechkonzertes auf der Hessenbrückenmühle steht, ist Stefan Alexander Rautenberg mittendrin. Der Magier der Worte rezitiert die fantasievollen Gedichte, die von der amerikanischen Musikerin Jeanine Krause interpretiert werden. Und nicht nur das. Er wird das Publikum auch verzaubern. Mit seinen Formulierungen, mit Bindfaden, Seidentuch und Zylinderhut.

Rautenberg ist professioneller Zauberkünstler und seit 1992 hauptberuflich als solcher unterwegs. Seine Engagements führen ihn durch ganz Deutschland und Europa, nach Übersee und Afrika. Seine Ausbildung absolvierte er bei Größen wie dem Meistermagier Marvelli, dem zaubernden Philosophen Alexander Adrion oder dem Berliner Zauberkönig Günter Klepke. Heute gehört der 52-Jährige hierzulande wohl zu den besten seiner Zunft.

Seine Leidenschaft für das Zaubern entfachte früh, ebenso früh ging er auf Tuchfühlung mit dem Rampenlicht. Zum fünften Geburtstag bekam Rautenberg den ersten Zauberkasten geschenkt. Bis heute sind Teile davon in seinem Fundus. "Ich sehe noch vor mir, wie mein lieber Vater den Zauberstab in seiner Hand schweben ließ und ich total fasziniert war." Fortan führte der "kleine" Rautenberg mit seinem Bruder im Familien- und Freundeskreis regelmäßig seine Kunststücke vor. "Schon damals hatte ich große Freude daran, andere zu überraschen", erzählt der gebürtige Berliner, der seit 2001 in Lich lebt. Auch mit einem Papiertheater, das der Vater den Söhnen bei einem Antiquitätenhändler gekauft hatte, stand Rautenberg als Kind vor Publikum.

"Das war ein ganz zauberhaftes Spielzeug", erinnert er sich. Ob Dornröschen, Aschenputtel, Carmen oder Freischütz - er und sein Bruder gaben zahlreiche Vorstellungen, gastierten an verschiedenen Orten in der Spree-Metropole, beispielsweise im Museum für deutsche Volkskunde oder im Kaufhaus des Westens (KaDeWe). "Mein Vater war ein sehr lebensfroher Mensch. Er hat uns an viele Dinge herangeführt", berichtet Rautenberg. Dazu zählten auch Oper, Philharmonie oder Vorstellungen der Berliner Zauberfreunde.

Rautenberg wurde älter und irgendwann stellte sich die Frage nach dem späteren Beruf. Doch so aufgeschlossen sein Elternhaus auch war, "eine Zauberer-Ausbildung stand nicht zur Debatte", erzählt er. "Als ich auf das Abitur zuging, hieß es, Du machst eine Banklehre und studierst." Gesagt, getan. 1986 begann er seine Ausbildung bei der Deutschen Bank, studierte anschließend an der Frankfurt School of Finance und Management und sattelte zuletzt noch ein BWL-Studium drauf - um schließlich doch unter die Taschenspieler zu gehen. Rautenberg: "Ich habe meinen Vater angerufen und gesagt, ’Ich habe alles gemacht, was Du wolltest. Jetzt werde ich Zauberer’."

Die Magie hatte ihn nie losgelassen. Er hatte Fachliteratur aus aller Welt gelesen, an internationalen Master-Classes und Kongressen teilgenommen. Und obwohl ihn die "alten Hasen" davor warnten, wagte er Anfang der 1990er Jahre den Schritt in die Selbstständigkeit. Mittlerweile ist Stefan Alexander Rautenberg ein gefragter Zauberkünstler, tritt bei internationalen Varieté-Festivals ebenso auf, wie bei exklusiven Geburtstags- und Familienfeiern, Events von Industrie und Finanzwelt, auf Messen, Kongressen oder Tagungen. Die Auftritte dauern mal 20 Minuten, mal anderthalb Stunden. Die Vorbereitungen dafür nehmen allerdings ein Vielfaches an Zeit in Anspruch. Denn: Jeder Auftritt ist individuell, kein Abend wie der andere. Rautenberg stellt seine Performance auf die Einzigartigkeit von Anlass und Gästekreis ab. Er bekommt ein Thema, schaut, was er dazu im Archiv oder Repertoire hat - letzteres umfasst übrigens rund 70 Kunststücke - und erstellt dazu einen Vortrag. Dies dauert mal ein paar Wochen, mal drei Monate, sagt Rautenberg. "Was ich mit den Händen mache ist die eine Sache, was ich den Gästen erzähle eine ganz andere." Täglich steht er vor dem Spiegel in seinem Büro und übt. Manchmal stundenlang.

Was ihn von anderen Zauberern unterscheidet? Die Atmosphäre, die bei seinem Vortrag entsteht, sagt Rautenberg. Eine Münze verschwinden zu lassen sei das Eine. Aber das Publikum dazu zu bringen, zu einem aktiven Teil der Performance zu werden, das sei die hohe Kunst des Zauberns. Rautenberg: "Es kommt nicht darauf an, wunderbare Dinge zu vollbringen. Man muss das Publikum davon überzeugen können, dass wunderbare Dinge vollbracht werden."

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