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Beispiel gelungener Integration: Fadea Al Jadou (2.v.l.) und Khalil Aziz (r.), Flüchtlinge aus Syrien, arbeiten im Stift-Altenheim Laubach. FOTO: TB

"So froh, dass wir sie haben"

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Fadea Al Jadou, Khalil Aziz und die junge Frau, die alle nur "Neko" rufen, haben mehr als eine Gemeinsamkeit. Alle haben in Laubach eine neue Heimat gefunden, alle arbeiten als Pflegekraft im Altenheim des Oberhessischen Diakoniezentrums. Vor allem: "Alle sind Beispiele für gelungene Integration", unterstreicht Gabriele Schäfer-Klaus, der die Leitung des Sozialdienstes am "Stift" obliegt, wie die Laubacher das Diakoniezentrum noch heute nennen.

Alles andere als freiwillig haben Fadea Al Jadou, Khalil Aziz und Neko ihre alte Heimat verlassen, um in der oberhessischen Kleinstadt Laubach eine neue zu finden.

Da ist zunächst die 55-jährige Syrerin Fadea Al Jadou. Sie stammt aus Homs. Die Rebellenhochburg litt besonders unter dem Krieg, den Bomben des Assad-Regimes. Drei Viertel aller Häuser wurden zerstört, Tausende kamen zu Tode. Auch ihr zweitjüngster Sohn. Bald fünf Jahre ist das nun her. Er stand am Fenster, als ihn die Kugel aus einer Kalaschnikow traf, abgefeuert von einem namenlosen Soldaten. Ihr Sohn hieß Anuar, er wurde nur 18 Jahre alt.

Mit ruhiger Stimme, in gebrochenem Deutsch erzählt es seine Mutter, an diesem Abend in der weihnachtlich geschmückten Cafeteria des Stifts. Sucht sie mal vergeblich nach den rechten Worten, helfen ihre Mädchen. Reem und Raoan besuchen die Grundschule, beherrschen bereits akzentfrei die fremde Sprache. Dass auch sie in der neuen Heimat angekommen sind, dass Integration im persönlicheren Umfeld kleinerer Städte oft besser funktioniert, dafür sei nur dieses kleine Beispiel angeführt: Beide tanzen in der Garde des Karnevalvereins Laubach. Und sind sich einig: "Es macht großen Spaß."

2015 floh Fadea Al Jadou mit ihrer Familie, darunter die drei jüngsten ihrer sechs Kinder, vor dem Bürgerkrieg. Über die Balkanroute, mit dem Boot nach Griechenland, um endlich nach Laubach zu gelangen.

Dank des Engagements des Laubacher Arbeitskreises Asyl fand sie rasch Anschluss, absolvierte einen Sprachkurs, machte ein Praktikum im Altenheim des Diakoniezentrums. Ihre Ausbildung als Krankenschwester in Syrien erkannten die deutschen Behörden nicht an. Hieß: nochmals büffeln. Die Mühe sollte sich lohnen: Nach bestandener Prüfung erhielt Al Jadou am 1. April eine Anstellung als Pflegehelferin am Stift. Dass alles so gut geklappt hat, sei auch ein Verdienst der Flüchtlingshelfer, zuvörderst der Eheleute Grothaus. Auch auf diesem Weg übermittelt Fadea ihnen diese Worte: "Danke, danke!".

Die Arbeit mit den alten Menschen bereitet ihr sehr viel Freude, sagt, mit einem Strahlen im Gesicht: "Ich bin total glücklich." Zumal die Senioren keinerlei Vorbehalte ihr gegenüber zeigten. "Ich fühle mich hier wie Zuhause, sie sind so etwas wie eine zweite Familie."

Flucht über die Balkanroute

In der sind die Frauen in der Mehrheit. "In ihnen sie sieht so etwas wie ihre Mama", fügt an dieser Stelle Schäfer-Klaus an. Die leibliche Mutter sieht die 55-Jährige nur selten, lebt sie doch beim Bruder nahe Emden. Der Krieg hat auch Al Jadous Familie über viele Länder verstreut. "Fadea hat noch nicht so gute Sprachkenntnisse, aber sie sieht immer, was zu tun ist", zeigt sich Schäfer-Klaus sehr zufrieden mit ihrer Mitarbeiterin. Und hofft, dass diese eine unbefristete Aufenhaltserlaubnis erhält. In etwa zwei Jahren könnte es soweit sein.

Khalil Aziz ist noch nicht so weit, er lernt gerade für eine Klausur. Läuft alles nach Plan, ist er in einem Jahr und neun Monaten eine staatlich geprüfte "Altenpfleger-Fachkraft". Auch der 30-Jährige war 2015 aus Syrien über den Balkan nach Deutschland geflohen, war am Ende in Laubach gelandet. Seinen richtigen Nachnamen dürfen wir nicht nennen, auf dem Foto darf er nicht zu erkennen sein. "Meine Eltern sind noch in Syrien, ab und an kommt die Geheimpolizei vorbei und fragt nach mir."

Auch Kahlil dankt zunächst den Laubacher Flüchtlingshelfern, die ihn beim Erlernen der Sprache unterstützten, bei der Suche nach Praktika, von denen er so einige absolvierte, zuletzt am Stift. Auch für ihn ist die Altenpflege das absolut Richtige. Wofür auch spricht: "Am Anfang der Ausbildung hatte er noch in Pohlheim gewohnt, fuhr jeden Tag mit dem Rad nach Laubach", erzählt Schäfer-Klaus.

Khalil hatte in der alten Heimat Musik unterrichtet. Das aber kommt für ihn nicht mehr infrage. Warum? "Ich habe Freude an der Arbeit in der Altenpflege, man bekommt viel zurück", antwortet er in sehr gutem Deutsch. Die umsorgten Menschen vermittelten ihm ein "Gefühl von Dankbarkeit". Die Berufswahl sei auch richtig, da es in Deutschland an Fachkräften mangele. Eine Binse: Anders als in seiner Heimat hat der sozio-kulturelle Wandel dazu geführt, dass es hier oft keine Familie gibt, die sich um die greisen Eltern kümmern kann oder will.

Eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert am Stift auch Neko. Zum Gespräch in der Cafeteria konnte sie nicht kommen, die 18-Jährige aus Mazedonien steckt mitten in der Prüfung. Doch auch für sie gilt, was Schäfer-Klaus nun mit Blick auf Khalil und Fadea unterstreicht: "Sie kommen aus einem anderen Kulturkreis, sind erst relativ kurz bei uns. Da ist es bewundernswert, was sie bereits geschafft haben. Wir sind total froh, dass wir sie haben."

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