Fritz-Bauer-Film nur am Mittwoch im Programmkino »Traumstern«

Lich - Er hat sich für die Rehabilitierung der Attentäter des 20. Juli eingesetzt, er hat als hessischer Generalstaatsanwalt die Täter von Auschwitz in Frankfurt vor Gericht gestellt, er wollte die Wegbereiter der Euthanasie zur Rechenschaft ziehen. Fritz Bauer war im Nachkriegsdeutschland ein einsamer Kämpfer für die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.

Lich - Er hat sich für die Rehabilitierung der Attentäter des 20. Juli eingesetzt, er hat als hessischer Generalstaatsanwalt die Täter von Auschwitz in Frankfurt vor Gericht gestellt, er wollte die Wegbereiter der Euthanasie zur Rechenschaft ziehen. Fritz Bauer war im Nachkriegsdeutschland ein einsamer Kämpfer für die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.

Die Umstände seines Tode am 1. Juli 1968 - man fand den 65-Jährigen leblos in der Badewanne - sind bis heute nicht geklärt. Mord, Selbstmord, Unfall oder natürliche Ursache? Auf diese Frage gibt auch Regisseurin Ilona Ziok in ihrer Dokumentation »Fritz Bauer - Tod auf Raten« keine eindeutige Antwort.

Deutlich hingegen wird das Bild eines entschiedenen Reformers, den Widerstände und Anfeindungen zunehmend zermürben. »Ich komme mir vor, als ob von allen Seiten Wände auf mich einstürzen«, hat er gesagt.

Ziok hat mit Freunden, Kollegen und Verwandten Bauers gesprochen, sie hat Archivmaterial zusammengetragen, und sie lässt Bauer selbst zu Wort kommen, vorwiegend in Ausschnitten aus der HR-Sendung »Heute Abend im Kellerclub« von 1964. Aus zahllosen Mosaiksteinchen puzzelt sie das Bild eines Idealisten zusammen, der trotz bitterer persönlicher Erfahrungen als KZ-Häftling und jüdischer Emigrant zum Aufbau eines demokratischen Deutschlands beitragen will. Und weil die Vergangenheit »noch Gegenwart ist und auch wieder Zukunft werden kann«, hält er die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen für zwingend. Doch die Deutschen sind dafür (noch) nicht bereit.

Bauer muss sich sehr einsam gefühlt haben in einem Land, in dem Globke, der Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, Staatssekretär im Bundeskanzleramt war und in dem alte Nazis im Justizapparat Karriere machten. »Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland«, soll er gesagt haben.

Er zieht die Konsequenzen: Als er Kenntnis vom Aufenthaltsort Adolf Eichmanns erhält, informiert er nicht die deutschen Behörden, sondern den israelischen Geheimdienst Mossad.

Zioks Dokumentation macht auf beklemmende Weise deutlich, wie sehr alte Seilschaften aus der Nazi-Zeit die junge Bundesrepublik geprägt haben. Der Film stieß auf der Berlinale sowie bei der Bundes- und kürzlich auch bei der Hessen-Premiere auf riesige Resonanz. Zahlreiche Besucher mussten abgewiesen werden, weil die Plätze in den Kinos nicht ausreichten. Nun ist »Fritz Bauer - Tod auf Raten« in einer einzigen Aufführung im Licher Kino »Traumstern« zu sehen: am Mittwoch, 15. Dezember, um 17 Uhr. (us)

»Ich möchte (...) mir wünschen, dass junge Menschen heute vielleicht denselben Traum vom Recht besäßen, den ich einmal hatte. Und dass sie das Gefühl haben, dass das Leben einen Sinn hat, wenn man für Freiheit, Recht und Brüderlichkeit eintritt.« Fritz Bauer

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