Frische Luft in nur drei Minuten

  • Ursula Sommerlad
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Gießen (us). 65,5: So hoch war, Stand Freitag, die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Gießen laut RKI insgesamt. In der Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen allerdings lag sie fast doppelt so hoch, nämlich bei 114. »Die Schulen werden wieder mit Corona-Fällen konfrontiert werden«, dessen ist sich Erster Kreisbeigeordneter Christopher Lipp sicher. Umso wichtiger seien Schutzmaßnahmen.

Dabei rückt ein nahezu unausprechlicher Begriff in den Fokus: die innenraumlufthygienische Situation der Schulen. Bislang hat der Landkreis 618 000 Euro für den Einbau von Lüftungsanlagen und die Beschaffung von Luftreinigungsgeräten ausgegeben. In einer Pressekonferenz kündigte Schuldezernent Lipp gestern an, dass man nachlegen werde.

Effizient und günstiger

Bei einer Überprüfung und einer Abfrage bei den Schulen während der Ferien habe man weitere elf Unterrichtsräume identifiziert, die zur Kategorie 2 gehören, also nur über eingeschränkte Möglichkeiten zum Lüften verfügen. In sieben von ihnen soll ein neues Verfahren zum Einsatz kommen: das Abluftventilatorensystem, das Prof Hans-Martin Seipp und Prof. Thomas Steffens an der Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelt haben. Benötigt werden dafür zwei gegenüberliegende Fenster, die möglichst weit voneinander entfernt sind. Durch ein gekipptes Fenster strömt frische Luft ein, die vom Ventilator am anderen Ende des Raumes angesaugt wird. So entsteht über den Köpfen der Schüler ein Luftstrom. In etwa drei Minuten könne das gesamte Luftvolumen eines Klassenraumes mitsamt potenziell virenhaltiger Aerosole ausgetauscht werden, zitierte Lipp die Erkenntnisse der THM-Professoren. Zum Schulbeginn am Montag werden die Ventilatoren noch nicht eingebaut sein. »Aber in zwei, drei Wochen ist das erledigt«, versicherte Andreas Vog von der Bauunterhaltung des Landkreises.

Weil die Abluftventilatoren als deutlich effizienter gelten als herkömmliche Luftreinigungsgeräte und mit rund 4000 Euro pro Raum um ein Vielfaches günstiger als dezentrale Belüftungsanlagen, erwägt der Landkreis den Einsatz auch in Räumen, in denen sich geöffnete Fenster als besonders störend auswirken, etwa an vielbefahrenen Straßen. Von den etwa 1000 Unterrichtsräumen im Landkreis Gießen gehören lediglich um die 30 zur Kategorie 2, alle anderen in die Kategorie 1, sind also gut zu belüften. Seine Bemühungen zum Einbau oder zur Umrüstung raumlufttechnischer Anlagen setzt der Landkreis fort. Für insgesamt acht Anlagen mit einem Investitionsvolumen von 2,2 Millionen Euro wurde eine Förderung beim Bund beantragt.

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