Seit mehr als 60 Jahren wird der Darmstädter Hof nicht mehr als Gaststätte genutzt. Nun will der neue Eigentümer Gerhard Jockel den Saalbau im Hinterhof zur interkulturellen Begegnungsstätte ausbauen. Der einstige Gasthof selbst soll Wohnhaus bleiben. FOTO: US
+
Seit mehr als 60 Jahren wird der Darmstädter Hof nicht mehr als Gaststätte genutzt. Nun will der neue Eigentümer Gerhard Jockel den Saalbau im Hinterhof zur interkulturellen Begegnungsstätte ausbauen. Der einstige Gasthof selbst soll Wohnhaus bleiben. FOTO: US

Freiraum für die Kultur

  • vonRedaktion
    schließen

In einem verwilderten Hinterhof liegt er seit über 60 Jahren im Dornröschenschlaf. Nun soll der Saalbau des Darmstädter Hofs in Hungen wachgeküsst und zu einer interkulturellen Begegnungsstätte ausgebaut werden.

Nur sehr alte Hungener werden sich noch an die Zeiten erinnern können, als im Saal des Darmstädter Hofs Theater gespielt, getanzt und gefeiert wurde. Bis 1957 wurde er für kulturelle und gesellige Veranstaltungen genutzt, seither steht er leer. Vor drei Jahren wurde der einstige Gasthof samt Saalbau im Hinterhof an die Jockel-Stiftung verkauft, und der neue Eigentümer hat Großes vor. Gerhard Jockel will den pittoresken Saalbau mit Bühne als interkulturelle Begegnungsstätte reaktivieren. Das Vorderhaus, das früher die Gaststätte beherbergte, soll weiter zu Wohnzwecken genutzt werden. Eine entscheidende Weiche dafür stellte das Stadtparlament am Donnerstag, indem es die planungsrechtlichen Grundlagen schuf. Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes wurde einstimmig befürwortet.

Anfang der Woche hatten sich bereits die Fachausschüsse mit dem Vorhaben beschäftigt. Im Bau- und Planungsausschuss stellte Stefanie Horn vom Planungsbüro ROB Schwalbach den Bebauungsplan-Entwurf vor.

Der Darmstädter Hof mit einer Gesamtfläche von 3370 Quadratmetern wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Vor allem der Saalbau hat für Hungen historische Bedeutung, denn dort wurde 1923 der Hessische Schafzüchterverband gegründet. Der Darmstädter Hof ist also die Wiege der Schäferstadt Hungen und auch des Schäferfests, das alle zwei Jahre stattfindet, wenn nicht gerade ein Virus die Pläne durchkreuzt.

Domizil für das HinterHofTheater

Bürgermeister Rainer Wengorsch sieht im Darmstädter Hof, der im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungkonzeptes gefördert wird, einen wesentlichen Baustein zur Belebung des Innenstadtbereiches. Er werde ein Frequenzbringer und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für Hungen. Außerdem gehe es darum, das kulturhistorische Gebäude zu erhalten.

Theater, Vereinsleben, Veranstaltungssaal für 300 Personen und Treffpunkt der Bürger seien im Darmstädter Hof denkbar. Der Verein HinterHofTheater werde das Gebäude nutzen, und auch die Stadt wolle partizipieren, sagte Wengorsch. Auf Nachfrage von Christoph Fellner von Feldegg (SPD) betonte der Bürgermeister, er sehe das Ensemble nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung, als zusätzliches Angebot für die Marke "Schäferstadt".

Die Kosten des Planungsverfahrens übernimmt die Jockelstiftung. Mit der Offenlegung werden die Öffentlichkeit einbezogen und die Verträglichkeit mit der Umwelt und die Realisierbarkeit festgestellt, erläuterte der Bürgermeister.

Bestandteil des Bebauungsplan-Entwurfes sind auch Immissionsschutz- und Umweltverträglichkeitsprüfungen. So heißt es, dass die ermittelten Werte sowohl am Tage als auch in der Nacht die Immissionsrichtwerte einhalten, aber für die Nachtzeit bestimmte Auflagen gelten. Zwischen 22 und 6 Uhr darf das Grundstück des Darmstädter Hofes nicht von Transportern angefahren werden, für solche Fahrzeuge wird es einen Stellplatz in der Gießener Straße geben. Für die Besucher werden am Hungener Bahnhof 40 Stellplätze vorgehalten. Für die schalltechnische Untersuchung wurde an acht Orten in der Jahn-, Moltke- und Gießener Straße gemessen und gewertet. Es gibt am Standort keine Fledermäuse oder sonstige besonders geschützte Tiere. Gleichwohl sollen Fledermaus- und Nistkästen angebracht werden.

Die Kosten des Projektes betragen etwa 3,1 Millionen Euro, davon wird die EU 1,5 Millionen fördern. 450 000 Euro kommen aus dem Stadtumbau-Programm, davon übernimt die Kommune 150 000 Euro. Die Differenz trägt der Eigentümer. Die jährliche Mieteinnahmen werden auf 15 000 Euro geschätzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare