Freie Wähler fordern Luftfilter

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(pm/so). Die Kreisfraktion der Freien Wähler hat sich mit dem Thema "Lüftung der Klassenräume" zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus beschäftigt. Anlass waren Gespräche mit besorgten Eltern aus dem Landkreis Gießen. Ihr Ansinnen: Aus Sicht der Freien Wähler ist es wichtig und sinnvoll, dass diejenigen Klassenräume in den Schulen mit geeigneten Luftfilteranlagen ausgestattet werden, die nicht oder nur unzureichend gelüftet werden können.

Der aktuelle Rahmen-Hygieneplan für die hessischen Schulen sieht einen regelmäßigen Luftaustausch zum Verhindern einer Infektion vor. Konkret: Intensive Lüftung mit einer Stoß- bzw. Querlüftung durch Öffnung aller Fenster für von drei bis fünf Minuten. Und dies alle 20 Minuten. Das Kippen von Fenstern gilt als wirkungslos, weil sie kaum Luft ausgetauscht wird.

Nach Einschätzung der Freien Wähler gibt viele Klassenräume, in denen aufgrund der baulichen Verhältnisse Quer- oder Stoßlüften gar nicht möglich ist. Sei es, weil die Fenster zum Beispiel nur mit Oberlichtern - nur teilweise kippbar - ausgestattet sind oder nur eine Fensterfront haben, so dass ein Querlüften entfällt.

"Wir verstehen die Sorgen der Eltern, vertrauen aber gleichermaßen auf die Umsetzung der Hygienekonzepte, die in den Schulen auf der Grundlage des Rahmen-Hygieneplans erstellt wurden", so Günther Semmler, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreis.

Zumal Kinder und Jugendliche laut Robert-Koch-Institut keine "Treiber" der Pandemie seien. Sie zeigten jedoch in vielen Fällen keine oder nur milde Symptome, was eine unbemerkte Weitergabe des Virus zur Folge haben könne.

Die Freien Wähler fordern in einem ersten Schritt die Erhebung der Klassenräume im Landkreis, die nicht oder nur unzureichend gelüftet werden können. Außerdem müsse aufgenommen werden, welche Luftfilteranlagen zwar vorhanden sind, aber umgerüstet werden müssen. Und zwar dergestalt, dass sie Aerosole und damit auch die Corona-Viren, aus der Raumluft herausfiltern.

"Wir wissen, dass das keine Lösung auf die Schnelle ist. Die Bestandsaufnahme, die Bewilligung und die Beschaffung bedürfen Zeit. Aber wir möchten mit unserem Antrag erreichen, dass wir in der Sache vorankommen", so Kurt Hillgärtner von der FW-Fraktion.

Kreis ist schon auf dem Weg

Der Bund fördert die Auf- und Umrüstung bestehender Lüftungsanlagen in Höhe von 500 Millionen Euro. Das Land Hessen unterstützt die Schulträger dafür mit bis zu 10 Millionen Euro aus dem Sondervermögen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. "Diese Fördermittel sollten wir im Landkreis nutzen", so Julia Trampisch, Mitglied im Schulausschuss. Werde eine Reduzierung des Unterrichtsausfalls erreicht, so verhindere dies wiederum Nachteile für Schüler und Lehrer.

Schuldezernentin Christiane Schmahl vom Grünen Koalitionspartner der Freien Wähler hat das Thema derweil schon längst im Blick: Sie legte Ende Oktober auf Anfrage dar, dass der Landkreis Gießen keine Schulen habe, bei denen sich die Fenster nicht öffnen lassen. Es gebe einzelne Räume in einzelnen Schulen, in denen sich einzelne Fenster nicht öffnen ließen, weil die Beschläge defekt seien. Wenn man es wisse, dann kümmere sich die Bauunterhaltung zeitnah. Weiterhin gebe es einzelne innen liegende Räume, die keine Fenster haben. Von denen sind nach Schmahls Kenntnis die meisten aber durch Lüftungsanlagen belüftet. Einige dieser Räume sind zurzeit im Bau, etwa an der Willy-Brandt-Schule, und deshalb leer.

Zusätzliche Lüftungsgeräte seien noch nicht in Betrieb. Schmahl sagte Ende Oktober auf Anfrage dieser Zeitung: "Wir werden für Räume, die sich nicht lüften lassen und die keine Lüftungsanlage haben und bei denen keine Reparatur von Fenstern möglich ist, Luftfiltergeräte anschaffen."

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