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Vertraute Szene: Der Triebwagen nach Gießen fährt im Licher Bahnhof ein. Die Signale Richtung Hungen stehen auf "Halt".

Freie Fahrt von Signal zu Signal

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Mit der Familie in die Stadt oder ins Grüne, mitsamt Rad zu einem Ausflugsziel oder eben "nur" zur Arbeit: Bahnfahrer schätzen vor allem die zumeist entspannte Anreise. Auf der Lahn-Kinzig-Bahn, zwischen Gießen und Gelnhausen, sind an Werktagen etwa 20 Zugpaare unterwegs. Mechanische Stellwerke sind dabei unverzichtbar.

Sie ist ein wichtiges Bindeglied in der regionalen Infrastruktur: Die Lahn-Kinzig-Bahn befördert Pendler und Ausflügler zwischen den einzelnen Bahnhöfen und verbindet die Städte und Dörfer in der Region.

Damit das pünktlich und ohne Reibungen funktioniert, hat der jeweilige Betreiber der Bahn seit Inbetriebnahme auf der 70 Kilometer langen, eingleisigen Strecke, ein Steuerungs- und Sicherungssystem geschaffen, das immer wieder an den Stand der Technik und die verkehrlichen Anforderungen angepasst wurde. Heute betreibt die Deutsche Bahn AG (DB) die Strecke und ist für deren Sicherheit verantwortlich.

Herzstück dieses Steuerungs- und Sicherheitssystems sind die Stellwerke, auf denen Mitarbeiter der DB Tag und Nacht ihren verantwortungsvollen Dienst tun, die Einrichtungen bedienen und ihre Züge "im Auge behalten". Dabei hat die Sicherheit, die nach zweifacher oder dreifacher Sicherheit unterschieden wird, oberste Priorität. Diese Anforderungen gelten für alle Stellwerkstypen, von den mechanischen bis hin zu den elektronischen Stellwerken, bei denen Signale und Weichen per Mausklick gestellt werden. Die hohen Anforderungen an die Sicherheit sind bei allen Stellwerktypen der Deutschen Bahn AG gleich hoch, unabhängig von deren technischem Standard.

Auf der Lahn-Kinzig-Bahn befinden sich überwiegend mechanische Stellwerke im Einsatz, wie sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts üblich sind, aber immer wieder verbessert wurden. Dort werden über Hebel und Stahlseile oft mehrere hundert Meter entfernte Signale oder Weichen bewegt.

Sicherheit hat oberste Priorität

Dem Prinzip "Nur ein Zug in einem (Gleis) Block" ist die Stellung der Weichen und Signale untergeordnet. Unter einem Block oder Abschnitt versteht die Bahn die Strecke zwischen zwei Signalen. Demnach wird die Strecke immer von Signal zu Signal freigegeben. In diesem Abschnitt darf sich nur ein einziger Zug befinden. Das gilt auch für Weichen im Bereich dieses Blockes, für die der Flankenschutz (doppelte Sicherheit) gilt. Das bedeutet, dass auch seitlich über eine Weiche ein Zug nicht in den Block einfahren kann. Ein Signal darf also erst dann auf "Fahrt" gestellt werden, wenn der folgende Abschnitt frei von Hindernissen (anderen Zügen) und die seitlichen oder querenden Einfahrten gesperrt sind.

Dieser Bereich ist für den Fahrdienstleiter oder Stellwerkswärter bei mechanischen Stellwerken einsehbar. In der Praxis bedeutet das eine Folge von Befehlen hintereinandergeschalteter Stellwerke, damit beispielsweise ein Zug von Lich nach Gießen fahren kann. Unterstützt wird die Arbeit auf den Stellwerken und in der Lok durch die "Punkt-förmige Zugbeeinflussung" (PZB). Dabei handelt es sich um magnetische Einrichtungen, die sich an den Triebfahrzeugen (Loks, Triebwagen), den Schienen und Signalanlagen befinden, die durch Zwangsbremsung Gefährdungen im Bahnbetrieb verhindern. Zu den Gefährdungen gehören das Überfahren von "Halt" zeigenden Signalen, zu hohe Geschwindigkeit und Nichtbetätigung der "Wachsamkeitstaste".

Neben dem Fahrdienstleiter auf den Stellwerken sorgt der Lokführer (Triebfahrzeugführer) durch sein Handeln ebenfalls für eine pünktliche und sichere Ausführung des Fahrauftrages. Er hält die vorgegebene Geschwindigkeit ein, beachtet die Signale und den Fahrplan. Auf der eingleisigen Strecke spielen die Begegnungen von zwei Zügen eine besondere Rolle. Im Landkreis Gießen begegnen sich die Richtung Gießen (Westen) und Richtung Gelnhausen (Osten) fahrenden Züge fahrplanmäßig im Bahnhof Lich oder im Bahnhof Hungen auf nebeneinanderliegenden Gleisen: Diese Bahnhöfe sind zwei- oder mehrgleisig (Hungen) und lassen eine Begegnung zu. Beim Ein- und Aussteigen in Lich ist dabei besondere Vorsicht geboten, da die Fahrgäste das Gleis des auf (Aus-)Fahrt wartenden Triebwagens nach Gießen queren, um den Bahnhofsbereich zu verlassen.

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