Freibäder wären gern so frei

  • Thomas Brückner
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Sinkende Inzidenzen nähren die Hoffnung, die dritte Welle sei gebrochen. »Der Sommer wird gut«, zeigt sich selbst SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach zuversichtlich. So lange aber möchten die Freibadbetreiber im Kreis nicht warten. Fast alle stehen Gewehr bei Fuß, wollen in Kürze öffnen. Noch aber verbietet das die »Bundes-Notbremse«.

Im Mai öffnen die Freibäder. So war es immer - bis zum Ausbruch der Pandemie im vergangenen Frühjahr. Erst Mitte Juni erlaubte damals das Land die Inbetriebnahme, verbunden mit strengen Hygieneregeln.

»Die haben sich bewährt«, meint Michael Köppen, Prokurist der städtischen Bäder GmbH in Laubach. Er wünscht sich daher, dass er diesmal nicht so lange warten muss. Heißt: Sofern die Inzidenzen weiter sänken, sollte auch Hessen zeitnah grünes Licht geben und die aktuell bis 30. Juni verordnete Schließung aufheben. Auf dass sodann der Kreis die Lockerung per Allgemeinverfügung weitergeben könnte. Dass die Anlage im Felix-Klipstein-Weg startbereit ist, betonte Köppen. Die Solarheizung sei in Betrieb, Reparaturen wie das alljährliche Erneuern frostgeschädigter Fliesen erledigt. Was übrigens 2023 entfallen dürfte, wenn die auf 3,5 Millionen Euro veranschlagte Sanierung samt Einbau eines Edelstahlbeckens erledigt ist.

Wie in Laubach stehen sie überall im Gießener Land Gewehr bei Fuß. Doch davor steht die »Bundes-Notbremse«: Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 gibt diese die Schließung aller Bäder vor. Erst bei Unterschreitung des Schwellenwerts in einem Kreis gilt die Hessische Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungs-Verordnung (CoKoBeV) samt ihren landesweiten geltenden Auslegungshinweisen, hieß es aus dem Innenministerium.

Selbst bei einer Inzidenz von unter 100, stellte der Pressesprecher klar, gestatte die aktuelle Fassung der CoKoBeV doch nur, Frei- und Hallenbäder für den Vereinssport und Schwimmkurse unter Einhaltung der Hygienebestimmungen zu öffnen. »Wann die Freibäder dieses Jahr auch für den Publikumsverkehr geöffnet werden, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Pandemiegeschehens ab.« Und natürlich von den Betreibern der Bäder. Die Bäder befinden sich im Kreis Gießen fast durchweg in kommunalem Eigentum. Die im Vergleich zur Saison 2020 höheren Infiziertenzahlen spielen bei den Überlegungen ebenso eine Rolle wie die immer noch geringe Impfquote, also die Immunisierung breiter Bevölkerungs- und damit Besuchergruppen.

Was die Laubacher nicht anficht. Ginge es nach Prokurist Köppen, würde der bundesweite Schwellenwert von 100 nicht für die Bäder gelten. »Generell habe ich Verständnis für die Maßnahmen zur Reduzierung der Kontakte. Ich halte allerdings die Ansteckungsgefahr im Freibad für sehr gering, erachtete eine Öffnung trotz einer Inzidenz von über 100 für vertretbar.«

Fürs Erste aber müssen die Laubacher wie alle Kommunen auf ein Sinken der Infektionszahlen hoffen. Am Montag freilich lag die Inzidenz im Kreis Gießen mit 161,8 noch weit vom maßgeblichen Schwellenwert entfernt.

Etwas später als die Nachbarkommune Laubach, nämlich an Pfingsten, stünde Grünberg bereit. Dann sollen alle Arbeiten erledigt sein, sagte Hauptamtsleiter Edgar Arnold. Rund 175 000 Euro werden 2021 investiert, die Durchschreitebecken sind bereits mit Edelstahl ausgekleidet, die neue Sprunganlage dagegen ist noch nicht fertig.

Das trifft im größeren Maßstab auch für Hungen zu: Für insgesamt 600 000 Euro sollte dort das Freibad grundlegend saniert werden. Im Zentrum stand dabei laut Bürgermeister Rainer Wengorsch die Erneuerung des Beckens. Die schadhaften Fliesen sollten entfernt, eine Edelstahlwanne eingelassen werden. Für den Anfang waren 150 000 Euro im Haushalt 2021 eingestellt.

Doch daraus wird erst einmal nichts. Erneut sei Hungen nicht ins Landesförderprogramm SWIM aufgenommen worden, bedauerte Wengorsch. Entsprechender Antrag war 2020 schon einmal gescheitert. Deshalb beschränkt sich das vierköpfige Freibad-Team auf die üblichen Wartungsarbeiten. »Pumpen, Filter und Steuerungselemente werden überprüft«, sagte der Bürgermeister, der hofft, dass das Bad im Juni oder Juli geöffnet werden kann. Normalbetrieb werde es aber wohl auch dieses Jahr nicht geben, schätzt Wengorsch. Er rechnet wie 2020 mit Zugangsbeschränkungen.

Ein neues Beckenbodenreinigungsgerät und neue Filtertürme hat das Waldschwimmbad Lollar bekommen. Insgesamt rund 35 000 Euro hat die Stadt investiert, erklärte Stefan Schomber, Fachbereichsleiter Finanzen. Und auch er setzt auf zügig sinkende Inzidenzen unter 100 und ein »Go« des Landes. Bestenfalls zum 16. Mai, dann nämlich will Lollar betriebsbereit sein.

»Wir bereiten das Freibad Gleiberger Land in aller Ruhe vor und rechnen nicht mit einer kurzfristigen Öffnung«, sagte hingegen Wettenbergs Bürgermeister Thomas Brunner, dies unter Hinweis auf besagte »Bundes-Notbremse«.

Mit einer großen Portion Ungewissheit geht man auch in Linden in die neue Saison. Die großen Arbeiten im Freibad liegen unterdessen bereits ein Jahr zurück. Eine Rampe vom Kassenbereich hinab zu den Becken wurde gebaut, das Kleinkinderbecken instand gesetzt, die Pumpen ausgetauscht. Derzeit werden die Toiletten umfassend saniert.

Eine Öffnung ist für den 15. Mai angedacht, sofern es dann erlaubt ist. »Die Toiletten wären dann aber noch nicht fertig«, sagte Bauamtsleiter Jürgen Würz. Zunächst würden daher als Ersatz WCs in Containern zur Verfügung stehen.

In Holzheim ist dagegen noch keine Entscheidung getroffen worden. Die Prüfung laufe noch, heißt es aus dem Vorstand des Fördervereins, der das kleine, aber feine Freibad betreibt.

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