Das Rinn & Cloos-Areal an der Ludwig-Rinn-Straße ist ein wirtschaftliches Herzstück von Heuchelheim. FOTO: SO
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Das Rinn & Cloos-Areal an der Ludwig-Rinn-Straße ist ein wirtschaftliches Herzstück von Heuchelheim. FOTO: SO

Weg frei für Rinn&Cloos-Ankauf

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Gemeinde Heuchelheim und das Gießener Unternehmen Faber & Schnepp kaufen gemeinsam den traditionsreichen Rinn & Cloos- Gewerbepark.

Zusammen mit einem privaten Investor will die Gemeinde Heuchelheim das Rinn & Cloos-Areal, den mehr als 30 000 Quadratmeter großen Industrie- und Gewerbepark mitten in Heuchelheim, kaufen. Dafür hat die Gemeindevertretung unter Vorsitz von Claudia Coburger-Becker (CDU) am Dienstag in einer Sondersitzung die Weichen gestellt. Trotz kritischer Anmerkungen aus der Opposition stehen alle Fraktionen hinter dem Vorhaben.

Um das riesige Immobiliengeschäft stemmen zu können, wird eigens eine Gesellschaft gegründet: die Rinn & Cloos Heuchelheim-Entwicklungs-GmbH. Partner der Gemeinde bei dem Projekt soll das Bauunternehmen Faber & Schnepp sein.

"Mit unserem Engagement wollen wir die städtebauliche Entwicklung sicherstellen", sagt Bürgermeister Lars Burkhard Steinz. Derzeit sind auf dem Areal, das einst die Traditionsunternehmen Rinn & Cloos (Zigarrenfertigung) und Minox (Kameraproduktion) beherbergte, mehr als 80 Unternehmen zu Hause. Laut Steinz gilt es, dort Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern. Zudem wünscht er sich das Schaffen von Wohnraum mit einem 20-prozentigen Anteil von sozialem Wohnungsbau, Raum für ein Kinderbetreuungsangebot und eine gute Radwege-Anbindung des riesigen Areals.

In den vergangenen Monaten hat man im Heuchelheimer Rathaus mit fünf potenziellen privaten Partnern verhandelt. "Alle waren geeignet", sagt Steinz. Mit zweien ging die Gemeinde in nähere Gespräche. Nachdem ein anderer großer Gießener Immobilieninvestor noch auf den letzten Metern ausstieg, soll es nun die Bauunternehmung Faber & Schnepp sein.

Alle sehen eine "Riesenchance"

Gerhard Becker von den Freien Wählern sprach am Dienstag von einer "Entscheidung von einer Tragweite, wie wir sie in den letzten 150 Jahren nicht hatten". Schließlich sind mittlerweile 12,1 Millionen Euro Kaufpreis aufgerufen. Die Gemeinde stemmt davon 8,6 Millionen Euro. Dies entspricht einem 65-prozentigen Anteil an der zu gründenden Gesellschaft. Ziel ist aber, binnen zwei Jahren den kommunalen Anteil zugunsten des privaten Partners wieder auf 10,1 Prozent abzusenken. So soll das Geld wieder an die Kommune zurückfließen.

"Es wäre ein großer Fehler, das Areal nicht zu kaufen", sagte Becker. Und kündigte an, sobald dies in trockenen Tüchern sei, rede man auch über das Konzept.

Auch die SPD sieht eine "Riesenchance" darin, hat zugleich aber noch "Bauchschmerzen" angesichts der Kosten und der Unwägbarkeiten.

Von Licht und Schatten sprach auch Stephan Henrich (Grüne). Er begrüßte den Weg zusammen mit einem privaten Partner. Zugleich mahnte seine Fraktion aber an, dass es mehr an Informationen und Fakten bedürfe - etwa zum Bauzustand der Immobilien und den Unterhaltungskosten.

Sozialdemokraten und Grüne stimmten aber letztlich wie auch alle anderen Fraktionen für das Gründen der Entwicklungsgesellschaft. Eine Gegenstimme gab es aus den Reihen der Grünen lediglich bei der Frage der Finanzierung und der Folgeabwicklung mit dem Partner. Dieser Vertrag ist noch fertig zu verhandeln.

Zur Vorgeschichte: Nach dem Niedergang von Zigarre und Kameraproduktion wurde der Unternehmensstandort umstrukturiert und seit den 1990er Jahren zu neuer Blüte geführt. 2011 verkaufte die Eigentümerfamilie an die Mainzer Unternehmensgruppe Richter.

Diese wiederum verhandelte 2019 mit einem Investor aus dem Raum Marburg, dem die Gemeinde Heuchelheim skeptisch gegenüberstand. Seinerzeit wurde unter anderem ein kommunales Vorkaufsrecht diskutiert, das man aus juristischen Gründen letztlich nicht zog und ebenfalls in die Verhandlungen einstieg.

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