"Magical Train Ride" - im Zug durch Myanmar: Mit seinen Aufnahmen aus Asien möchte der Fotograf Kay Maeritz einen Eindruck vermitteln, was Glück und Leben bedeuten kann. FOTO: IK
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"Magical Train Ride" - im Zug durch Myanmar: Mit seinen Aufnahmen aus Asien möchte der Fotograf Kay Maeritz einen Eindruck vermitteln, was Glück und Leben bedeuten kann. FOTO: IK

Franken-Glück statt Kranichfest

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Sonne durchflutet die alte "Bürgermeisterei" mitten in Londorf. Hier ist das Refugium von Kay Maeritz. Im "Borgmellesch"-Haus feilt der Autor und Reisefotograf an letzten Exponaten für eine Ausstellung im "Haus am Dom" in Frankfurt und schmiedet zugleich Pläne für neue Projekte.

Eigentlich wäre er just in diesen Tagen als Reiseleiter unterwegs zum Kranichfest im kleinen Königreich Bhutan. Gestrichen, wie vieles andere in diesem Jahr. Noch ist nicht abzusehen, wann sich Kay Maeritz wieder auf den Weg in die Ferne machen kann - Corona zeigt dem freischaffenden Reisefotografen, Autor und Vortragsreferenten die sprichwörtlichen Grenzen auf.

Momentan ist der 62-Jährige eher auf der vergleichsweise kurzen Strecke von seinem Zuhause in der Rabenau in die Mainmetropole Frankfurt unterwegs. Dort startet am Montag, 16. November, im "Haus am Dom" eine Ausstellung mit seinen Fotografien und Gemälden unter dem Titel "Leben". Weil auch diese Schau zumindest bis Ende November ohne Publikum auskommen muss, gibt es einen Videopodcast, der Einblicke in Maeritz’ kreatives Schaffen vermittelt. Schon heute hofft er auf ein zügiges Lockdown-Ende, denn: "Eine Ausstellung ohne Besucher ist frustrierend."

Seiner Malerei liegen Fotos von Bäumen und Steinen zugrunde - die Motive findet er quasi von der eigenen Haustür, zum Beispiel im Steinbruch unweit von Londorf. Aus diesen Aufnahmen entsteht dann der eigentliche Malgrund - daraus entwickelt sich in Feinarbeit, in einem langsamen Prozess mit feinsten Pinseln und Farbe, etwas ganz Neues. In wochenlanger meditativer Arbeit mutiert beispielsweise eine bizarre Baumwurzel zu "Leviathan", einem Seeungeheuer aus der jüdisch-christlichen Mythologie.

Mit der Kamera in der Welt unterwegs

Maeritz’ Fotografien zeugen dagegen eher von der Suche nach dem Glück, das in modernen Wohlstandsgesellschaften so gänzlich anders definiert wird als in weiten Teilen Asiens. Seit 1983 zieht es den gebürtigen Hamburger immer wieder auf diesen Erdteil - wenn es irgendwie geht, auch mehrmals im Jahr. Seine erste Tour führte ihn nach Thailand, Malaysia und Sumatra, die zweite Asienreise in den Himalaya und auf den indischen Subkontinent. In den vergangenen Jahrzehnten hat Maeritz Burma, Laos, Kambodscha, Bali, Myanmar, Sri Lanka, Marokko, Portugal und Andalusien bereist - er fotografiert weltweit für Vorträge, Kalender, Bildbände und eine Münchener Fotoagentur.

Maeritz hat sich aber auch auf Fotoreisen spezialisiert, ist als Reiseleiter im Auftrag von drei Unternehmen mit Gruppen à sechs bis zwölf Personen unterwegs. Wichtiges Standbein ist die Tätigkeit als Vortragsreferent. Mit seinen Multivisionen ist der Wahl-Rabenauer, der in Franken aufgewachsen ist, an der Fachhochschule in Wiesbaden Kommunikations-Design studiert und danach fünf Jahre als freier Zeichner am Römisch-Germanischen Museum Mainz gearbeitet hat, in ganz Deutschland unterwegs. Inzwischen hat er ein halbes Dutzend dieser Vorträge ausgearbeitet. Dem hiesigen Publikum werden die Reportage über seine Pilgerfahrt im Himalaya oder das "Sinnliche Andalusien", die in Lollar zu sehen waren, noch gut in Erinnerung sein. In diesem Jahr allerdings sind Vortrags- und Reisetätigkeit fast zum Erliegen gekommen - der letzte diesbezügliche Eintrag datiert vom 12. März.

Ebenso wie seine Lebensgefährtin, die holländisch-fränkische Schauspielerin und Therapeutin Angélique Verdel, lebt Maeritz inzwischen von Hartz IV. Stillsitzen und abwarten ist aber nicht die Sache der beiden kreativen Köpfe. "Projekte haben wir genügend. Irgendwann müssen wir aber wieder mal Geld verdienen", sagt der 62-Jährige. Dabei, so fügt er an, könne er durchaus mit wenig auskommen.

Im Frühjahr/Sommer waren die beiden auf Spurensuche in Bayern - der Natur und Franken gehört ihre gemeinsame Liebe. Für "Franken-Glück", einen Vortrag über das romantische Herz Deutschlands, besuchten sie etliche bildhübsche Orte zwischen Dinkelsbühl und Bayreuth, sprachen mit Künstlern und Lebenskünstlern. Unter www.maeritz- verdel.de/multivisions-vortragegibt es einen Einblick in diese Arbeit. Immerhin: Die erste "Franken-Glück"-Vortragsveranstaltung ist inzwischen für Herbst 2021 gebucht.

Aktuell überlegen Maeritz und Verdel, auf die Kanaren zu reisen und dort Material für einen völlig neuen Vortrag zu erarbeiten. Das könnte eine Zwischenstation auf dem Weg zu einem erklärten Traumziel der beiden sein, zu den "glücklichen Inseln". Die Route von den Kapverden über die Kanaren nach Madeira und zu den Azoren birgt Motive und Geschichten im Überfluss.

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