Fragezeichen dicker als je zuvor

  • Thomas Brückner
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Grünberg(tb). Höhere Zuschüsse von Bund und Land - 981 000 Euro als Ausgleich für die wegbrechende Gewerbesteuer, 390 000 Euro mehr für die Kindergärten. Überplanmäßige Einnahmen von einer halben Million aus dem Baulandverkauf. Dank Haushaltssperre 250 000 Euro an Sach- und Personalkosten in der Verwaltung gespart. Ein gar um 6000 auf 204 000 Euro erhöhter Überschuss im Ergebnishaushalt. Eckdaten des Nachtragsetats der Stadt Grünberg, die Corona fast vergessen machen könnten.

Der Konjunktiv aber ist mehr als berechtigt: Ob die Kommune im tiefen Osten des Landkreises mit einem blauen Auge durch die Krise kommt, dahinter stehen mehr Fragezeichen als je zuvor. Große Unbekannte ist dabei die zweitgrößte Einnahmequelle, die Einkommensteuer. Vorsorglich hat der Kämmerer den vor 13 Monaten etatisierten Ansatz jetzt von 7,38 auf 6,7 Millionen Euro abgesenkt. Ob das aber reicht, sich die Konjunktur stabilisiert? Erst 2021 wird sich’s weisen.

Bauland ging weg wie warme Semmeln

Die vielen Unsicherheiten - bedingt durch eine Pandemie, deren Ende nicht mal absehbar ist - sprach Bürgermeister Frank Ide an, als er am Donnerstag den Stadtverordneten den Nachtragshaushalt 2020 erläuterte. Sicher aber ist: Auch Grünberg kommt erwähnte Kompensation der Gewerbesteuer mehr als gelegen. Von den Überweisungen der letzten drei Jahre hochgerechnet, fließen 981 000 Euro aufs Konto der Stadt; was erwarteten Rückgang von 4,3 auf 3,23 Millionen Euro fast komplett wettmacht.

Gelegen kommt nicht minder, dass geplanter Personaleinsatz in den Kitas nicht zum Tragen kam. Der Fachkräftemangel, aber auch Elternzeiten spielten da eine Rolle, unterm Strich spart das 374 000 Euro. Die um 390 000 Euro erhöhten Landeszuwendungen (das Gros für die fünfte Gruppe im "Zauberwald") sowie die um 140 000 Euro verminderten Gebühren (zeitweise Schließung) noch eingerechnet, ergibt sich beim Produkt "Kinderbetreuung eine Verbesserung um satte 640 000 Euro. Freilich: Das Defizit beträgt trotz alledem noch 2,08 Millionen Euro.

Auch von der Großen Politik gewünscht: Kommunen sollen weiter Konjunkturmotor sein, sollen investieren. Im Ergebnis beträgt die Nettoneuverschuldung 1,7 Millionen Euro, 334 000 Euro weniger als im ordentlichen Etat. So steht es nun im Nachtrag. Ide zufolge aber wird man am Ende wohl ohne Darlehen auskommen. Vor allem das Plus von einer halben Million aus dem Baulandverkauf - die Parzellen im Baumgartenfeld gleichen warmen Semmeln - sorgt für ein dickes Liquiditätspolster.

Im Weiteren ging der Verwaltungschef auf einige Einzelposten ein. Mangels Zuwendung der Denkmalpflege wird so die Diebsturmsanierung bereits zum dritten Mal verschoben. Eine Einsparung von 110 000 Euro erbringt, dass der Eichenprozessionsspinner einen Bogen um Grünberg gemacht hat. Etwa ein Fünftel der Summe fließt in die Planung der Straßensanierungen in Lumda (Lumdastraße, Fortsetzung Richtung A 5) und Stangenrod (Heidstraße), die der Kreis jetzt für 2021 avisiert hat; die Stadt ist hier bekanntlich nur bei den Gehwegen sowie Ver- und Entsorgungsleitungen im Boot. Endlich noch was für die Wasserratten unter den Lesern: Im Freibad werden für 150 000 Euro der defekte Sprungturm und die Durchschreitebecken erneuert.

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