In einigen Revieren im Kreis Gießen ist die Personaldecke zurzeit sehr dünn. SYMBOLFOTO: SO
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In einigen Revieren im Kreis Gießen ist die Personaldecke zurzeit sehr dünn. SYMBOLFOTO: SO

Förster dringend gesucht

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Mehrere Revierleitungen im Kreis Gießen sind oder waren bis vor Kurzem vakant. Manche Arbeit bleibt in den teils darbenden Wäldern auf der Strecke. Woher rührt der Personalmangel - und was lässt sich dagegen tun? Forstamtsleiter Ralf Jäkel verweist auch auf "weiche Faktoren" , die für Bewerber einen Unterschied machen können.

Schäden durch Stürme und Schädlinge wie den Borkenkäfer, Trockenheit, sich ändernde klimatische Bedingungen: Auch im Kreis Gießen ging es dem Wald schon mal besser. Allein die Entfernung von Schadholz bedeutet für Förster und deren Mitarbeiter viel Arbeit. Doch die Personaldecke in etlichen Revieren im Kreis ist zurzeit dünn. Vier Revierförster sind seit vergangenem Jahr, teils vorzeitig, in den Ruhestand verabschiedet worden.

Immerhin ist bei der Nachbesetzung inzwischen Land in Sicht, wie Ralf Jäkel, kommissarischer Leiter des Forstamts Wettenberg, erläutert: In Grünberg wird der Nachfolger am kommenden Montag seinen Dienst antreten. Laut Bürgermeister Frank Ide gab es nur einen Bewerber.

Für das Revier Salzböden habe man aus vier Bewerbern ausgewählt, die Stelle wird laut Jäkel "in wenigen Tagen wieder besetzt". Für die erst kürzlich vakant gewordene Revierleitung Reiskirchen gebe es noch keinen Nachfolger. Übergangsweise helfe das Forstamt Nidda aus. Für das Allendorfer Revier lägen bislang noch keine Bewerbungen vor, obwohl die Stelle schon eine Weile ausgeschrieben sei.

Damit bleiben vorerst zwei Waldgebiete ohne Förster. Ab September stehe allerdings ein zusätzlicher Betriebsassistent im Forstamt zur Verfügung. "Den werden wir dorthin entsenden, wo es am nötigsten ist", sagt Jäkel. "Wir versuchen, die Lücken geschlossen zu bekommen."

Wenn es an Personal in einem Revier mangelt, müssen Entscheidungen getroffen werden: Was muss dringend erledigt werden, was lässt sich verschieben? Es geht auch darum, welche Teile des Waldes mit Vorrang behandelt werden. Denn häufig besteht ein Revier aus mehreren "Betrieben", etwa Waldgebieten verschiedener Kommunen und Staatswald im Besitz des Landes. "Ich fühle mich dem Staats- und Kommunalwald verpflichtet", sagt Jäkel. Doch da Kommunen Hessen Forst für die Beförsterung ihrer Wälder bezahlen, "muss ich das Eins zu Eins abbilden". Im Zweifel arbeite man eher im Staatswald auf Sparflamme. Laut Jäkel werden Pläne für die Forstwirtschaft im Zehn-Jahres-Rhythmus erarbeitet, wobei die Umsetzung von Personal, Witterung und mehr abhängt.

"Das ein oder andere kann man mal verschieben", so der Forstamtsleiter. Keine Abstriche gebe es allerdings bei der Verkehrssicherungspflicht - wenn beispielsweise Bäume auf Wege zu stürzen drohen.

Zwar dürfte sich die Personalsituation in den derzeit vakanten Revieren bald wieder normalisieren. Das Werben um Nachwuchs bleibt trotzdem eine Herausforderung. "Wir haben eine anerkannt gute Ausbildung", sagt Jäkel. In der Revierleiter-Ausbildung gebe es in Hessen "gute Jahrgänge". Allerdings könne man nicht alle Nachwuchs-Förster halten.

Mancher Berufseinsteiger finde in anderen Ländern bessere Konditionen vor, "da müssen wir dran arbeiten". Teils bleibe andernorts etwas mehr Netto vom Brutto übrig. Auch würden Kollegen im höheren und gehobenen Forstdienst seit 2005 in Hessen nicht mehr verbeamtet, sondern angestellt.

Nicht zuletzt spielen laut Jäkel "weiche Faktoren" eine Rolle, etwa die Ausstattung mit Dienstwagen oder das Vorhalten von Dienstgehöften. Bei beidem stehe das Forstamt Wettenberg vergleichsweise gut da.

Was können Forstamt und Hessen Forst tun, um attraktiver für Bewerber zu werden? Wie können sie als Arbeitgeber punkten? Ein Faktor sind laut Jäkel die Revierzuschnitte. Es habe die Bestrebung gegeben, diese im Laufe der kommenden Jahre teils umzustrukturieren und Stellen einzusparen. Doch das Vorhaben sei "an Grenzen gestoßen", nun werde erneut evaluiert. Die Pläne seien "für einige Kollegen auch abschreckend" gewesen, räumt Jäkel ein.

Allerdings sei bei Revieren nicht nur die Größe, sondern auch die Zahl der einzelnen Betriebe entscheidend, gibt er zu bedenken. Je größer und komplizierter die Struktur eines Reviers, desto weniger attraktiv sei es womöglich für Bewerber.

Wie schätzt die Leitung des Landesbetriebs in Kassel die Personalsituation ein, gerade im Hinblick auf Nachwuchs? "Im Schnitt werden etwa 20 Personen pro Jahr als Betriebsassistenten eingestellt. Circa 39 Prozent der eingestellten Personen verlassen Hessen Forst zu anderen Arbeitgebern", äußert sich die Pressestelle. Man habe aktuell Personalberater eingestellt, um Nachwuchskräfte zu begleiten. Seit diesem Jahr sei man als "familienfreundlicher Arbeitgeber" zertifiziert, heißt es auf der Homepage von Hessen Forst.

Ob diese Bemühungen reichen, um genügend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen und zu halten, dürften die kommenden Jahre zeigen. Im Wald wird er jedenfalls dringend gebraucht.

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