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Seit 2016 steht diese Flüchtlingsunterkunft am Ortseingang von Krofdorf-Gleiberg. Sie soll dort abgebaut und an der Grundschule Launsbach wiederaufgebaut werden. Als Raum für Schülerbetreuung und Mittagstisch an der Schule.

Vom Flüchtlingsheim zum Klassenraum

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Rund 30 Holzhäuser hat der Landkreis Gießen vor vier Jahren gekauft, um Flüchtlingen ein erstes Dach überm Kopf zu bieten. Jetzt werden einige der Gebäude an neue Standorte umgesetzt und umgebaut: Sie bieten neuen Raum an Schulen.

Die Wogen schlugen hoch, als vor gut einem Jahr beraten wurde, vier Flüchtlingsunterkünfte, die nicht mehr benötigt werden, als Klassenräume an der Grundschule in Grünberg sowie an der Gesamtschule in Hungen aufzustellen. Zum Bedarf gab es gar keinen Dissens. Aber die Kosten! Der Umbau von Wohnquartieren zu Klassenzimmern wurde für die vier Objekte mit rund 275 000 Euro je Holzhaus kalkuliert; also in Summe 1,1 Millionen Euro. Zu Erinnerung: Jedes der Häuser hatte Ende 2015/Anfang 2016 einen Kaufpreis von 310 000 Euro.

Jetzt stehen die nächsten Umzüge respektive Umbauten an: An vier bis fünf weiteren Schulen sollen sogenannte Laumann-Container neue Verwendung finden: Für bis zu 3,8 Millionen Euro soll so neuer Klassenraum, respektive Raum für Schülerbetreuung geschaffen werden. Denn immer weniger der Ende 2015 und Anfang 2016 vom Landkreis Gießen gekauften Holzhäuser werden noch als Flüchtlingsunterkunft benötigt.

Der Landkreis als Schulträger hat erst vor ein paar Monaten eines der Häuser am Heuchelheimer Mühlberg für Unterrichtszwecke herrichten lassen. Denn die nahe gelegene Grundschule wird grundlegend saniert; von daher mussten die Dritt- und Viertklässler ausweichen. Und die Lösung in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft funktioniert.

Die Kosten für ein Umbauen der Häuser sind zwar hoch; müssen sie umgesetzt werden, wird es nochmals deutlich teurer. Aber es ist immer noch günstiger, als beispielsweise für eine Übergangszeit zu Unterrichtszwecken Container anzumieten. Und günstiger als massive Neubauten ist es ebenfalls, rechnet der Landkreis vor.

Am gestrigen Dienstag hat der Schul- und Bauausschuss des Kreistags grünes Licht für vier weitere Projekte dieser Art gegeben. Zustimmung kam aus der SPD/FW/Grünen-Koalition und von der Linken bei Enthaltung der AfD. Die CDU stimmte in drei von vier Fällen dagegen - dort, wo für viel Geld eine Unterkunft versetzt werden soll.

Die Projekte im Einzelnen

Die Vorhaben im Einzelnen: Die Flüchtlingsunterkunft in Laubach am Bahnhof wird zu einer Produktionsschule umgebaut. Dieses besondere pädagogische Angebot richtet sich an Schüler ohne Abschluss, re-spektive ohne Perspektive. Ihnen werden in dieser Einrichtung Unterrichtsinhalte im Rahmen von Produktionsprozessen vermittelt. Die Laubacher Produktionsschule soll eine Außenstelle der Licher Anna-Freud-Schule werden, mit den Schwerpunkten Hauswirtschaft und "grüne Berufe". Der Standort in unmittelbarer Nähe des Licher Bahnhofes wird als ideal angesehen. Der Umbau der dort bereits vorhandenen einstigen Flüchtlingsunterkunft für rund 300 000 Euro soll im Sommer 2020 fertig sein.

An der Grundschule am Grassee in Hungen wird eine Flüchtlingsunterkunft zum Betreuungspavillon umgebaut. Denn an der Schule ist nicht nur die Schülerzahl gestiegen; zugleich nutzen immer mehr Schüler den "Pakt für den Nachmittag". Es fehlen Betreuungs- und Differenzierungsräume. Auch hier sollen die Arbeiten für rund eine Million Euro im Sommer 2020 fertig sein. Ein Großteil der Summe ist für Abbau des Hauses am seitherigen Standort und Umbau- und Wiederaufbau geplant. Das schlägt mit rund 600 000 Euro zu Buche. Hinzukommen Inneneinrichtung, Erschließung, etc.

Ein ganz ähnliches Bild an den Grundschulen Launsbach und Stangenrod. In Launsbach fehlen Mensa, Küche, Betreuungs-, Fach- und Differenzierungsräume. Bislang wird die Mensa noch gemeinsam mit dem benachbarten Kindergarten genutzt. Doch diese Räume erwiesen sich als zu klein. In Launsbach wird mit einer Million Euro für das Umsetzen und Umbauen des Holzhauses gerechnet. Umgesetzt werden soll die bisher gegenüber der Krofdorfer Seemühle situierte Flüchtlingsunterkunft.

In Stangenrod ist die Schule zweizügig, hat dafür aber nicht ausreichend Räume. Dort werden für einen kleineren Bau mit zwei Klassen- oder Betreuungsräumen rund 400 000 Euro fällig.

Womöglich wird auch in Langsdorf an der Grundschule auf diese Weise mehr Raum geschaffen. Eine Entscheidung dazu wurde aber im Bauausschuss vertagt, da sich neue Perspektiven hinsichtlich des verfügbaren Grundstücks ergeben.

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