Katja Nehlich hält Anton, während Anne Textor den Labrador abhört. FOTO: GECK
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Katja Nehlich hält Anton, während Anne Textor den Labrador abhört. FOTO: GECK

Flexibel und routiniert

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Auch in Tierarztpraxen haben sich mit der Corona-Pandemie zahlreiche Änderungen ergeben. Dabei ist vor allem Flexibilität gefragt. Ein Besuch im Kleebachtal gewährt nähere Einblicke.

Labrador Anton steht recht entspannt auf einem Untersuchungstisch in Niederkleen. Dr. Anne Textor, die zusammen mit Dr. Katja Wehrend Inhaberin der Fachtierarztpraxis im Kleebachtal ist, kontrolliert den Herzschlag mit ihrem Stethoskop. Alles scheint seinen gewohnten Gang in der Praxis zu nehmen. Doch auch hier ist Corona ein Thema. Seit dem Frühjahr hat sich vor allem organisatorisch einiges geändert.

Das Team, zu dem neben den beiden Inhaberinnen drei angestellte Ärztinnen, zwei tiermedizinische Fachangestellte und drei Auszubildende gehören, ist seitdem geteilt. Dahinter stehe die Überlegung, dass im Falle einer Corona-Infektion nicht gleich die ganze Praxis geschlossen werden müsste, erklärt Textor. Erst habe man jeden Tag geteilt gearbeitet, jetzt wechsle man sich tageweise ab. Das fordere Flexibilität, doch die sei bei allen Mitarbeiterinnen vorhanden.

Schließlich sei man - was die Examinierten betreffe - ein reiner Teilzeitbetrieb. Man habe nun zwar am Stück mehr frei, doch dafür auch mehr Stress während eines langen Arbeitstags, der mit Pause offiziell von 8 bis 18 Uhr geht. Aber das habe sich insgesamt gut eingespielt. Verschärft hat man mit Corona auch das ohnehin vorhandene Hygienekonzept. Bei jedem Wechsel der Teams werden etwa zusätzlich Türklinken und Tastaturen desinfiziert.

Abgeschafft wurde mit der Pandemie die offene Sprechstunde. Behandlungen sind also nur noch nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. So gibt es auch keine größeren Wartezeiten mehr.

Damit die Tierbesitzer nicht in Kontakt miteinander kommen, hat man hat zum einen zwei separate Wartezimmer und zum anderen eine Überdachung im großen Hof. Im Sommer war das Warten mit den Bänken im Hof samt Sonnenschirmen sogar noch komfortabler. "Ich glaube, wir kriegen das gut hin", gibt sich Textor aber auch für die Wintermonate optimistisch.

Auch von der bisherigen Praxis, dass Frauchen oder Herrchen bei der Untersuchung mit dabei sein können, ist man abgekommen. Das klappt offensichtlich sehr gut. Selbst die Tiere sind entspannter. Und selbstverständlich tragen alle in der Praxis Masken. Im übrigen betreibt man die übliche Desinfektionsroutine. Schließlich gibt es ja noch andere Risiken wie Flöhe, Würmer oder Magen-Darm-Viren. Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus über die Tiere habe man deshalb nicht, sagt Textor.

Das Behandlungsaufkommen habe sich mit Corona nach einem ersten kleinen Rückgang erhöht, schildert Textor den bisherigen Verlauf. Weil die Leute vermehrt zuhause seien, hätten auffällig viele sich Katzen, Hunde, Hamster und Kaninchen neu zugelegt. "Die ganze Welt schafft sich Haustiere an" sagt Textor scherzhaft. Ganz einfach, weil menschliche Gesellschaft fehle, viele gar ansonsten alleine seien. Sie hofft deshalb, dass die Tierheime mit einer Normalisierung nach der akuten Corona-Pandemie nicht wieder voll werden.

In der Tierartpraxis jedenfalls stehen Erweiterungen an. Ein weiterer Behandlungsraum und eine Vergrößerung des stationären Bereichs sind in Planung.

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