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Nach einem Brand herrscht stets großes Chaos - hier ein Foto nach dem Brand 2015 im Dorfgemeinschaftshaus Trais. Brandermittler Dirk Fritzel begibt sich in solch einem Chaos auf Spurensuche. Fotos: pad

"Es findet sich immer etwas"

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"Die Ursache war Brandstiftung" - diesen Satz liest man immer wieder nach verheerenden Feuern. Wie kommen Brandermittler der Ursache auf die Spur? Kriminaloberkommissar Dirk Fritzel gibt Einblick in seine Arbeit.

Das, was einst eine Küche war, ist total verwüstet. Die Schränke sind teils verbrannt, teils von der Feuerwehr auseinander genommen worden, um die letzten Glutnester zu finden. Dieses Chaos ist der Arbeitsplatz von Kriminaloberkommissar Dirk Fritzel. Seit fast zwei Jahren ist er als Brandermittler im Wetteraukreis im Einsatz.

Wenn die Feuerwehr abrückt, beginnt seine Arbeit. "Ermittelt wird nur an kalten Brandstellen", sagt er. Aus Sicherheitsgründen: Schließlich müssen sich die Ermittler auf die Spuren konzentrieren können, ohne Angst zu haben, dass ihnen wortwörtlich die Decke auf dem Kopf fällt. Im Durchschnitt kommt pro Tag ein Fall hinzu - zum Glück meist nur Kleinbrände.

Die Ergebnisse der Brandermittler sind von Gewicht. "Brandstraftaten haben nach Mord und Totschlag die höchste Strafandrohung", sagt Fritzel. Dies gilt übrigens nicht nur, wenn man absichtlich ein Feuer legt. "Auch die fahrlässige Brandstiftung steht unter Strafe." Gescheitertes Unkraut Abflämmen ist dafür ein Beispiel. Im Sommer 2018 beispielsweise mussten die Ermittler sich mehrfach anschauen, wie neben dem Unkraut auch Hecken, Hütten oder sogar Häuser in Flammen aufgingen. "Besonders in der Nähe von Tuja-Hecken ist das extrem gefährlich"."

Zumal nur die wenigstens wissen, dass so etwas nicht nur Ärger mit den Nachbarn, sondern auch mit der Justiz mit sich bringen kann. Bei fahrlässiger Brandstiftung reicht das Strafmaß bis fünf Jahre Gefängnis. Mildernd wirkt sich jedoch aus, wenn man sofort die Feuerwehr ruft, seine Mitmenschen warnt und Löschversuche unternimmt. Wer bewusst einen Brand legt, kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Kommt dabei ein Mensch zu Tode, reicht das Strafmaß bis lebenslänglich.

Egal ob im Wetteraukreis, im Landkreis Gießen oder sonst wo in Hessen, egal ob riesiges Industriegebäude oder kleine Gartenhütte, egal ob Menschen zu Schaden kamen oder nicht - die Arbeit läuft stets nach dem gleichen Muster ab.

So auch in der zu Beginn erwähnten Küche. "Es gibt eine Matrix von Brandursachen, die wir abarbeiten", sagt der Kriminaloberkommissar. War menschliches Handeln oder eine technische Ursache schuld, kann es sich um eine natürliche Ursache oder Selbstentzündung handeln? Nach dem Ausschlussprinzip nähert sich der Brandermittler der Ursache. Wenn etwa in einem Gebäude keine technischen Geräte standen und dieses auch keinen Stromanschluss besitzt, scheidet ein technischer Defekt wohl als Ursache aus.

Brandermittler sind Kommissar und Spurensicherung in einem. Auf der Suche nach der Brandursache dokumentieren sie Spuren, machen Tests vor Ort, ob es Rückstände von Brandbeschleunigern gibt. Entnommene Proben wertet die Abteilung Brandursachenermittlung beim Landeskriminalamt in Wiesbaden aus. "Wenn einmal ordentlich untersucht wurde, ist die Brandstelle umgegraben", sagt der Brandermittler. Brandstifter brauchen sich keine Hoffnungen machen, unentdeckt zu bleiben: "Es findet sich immer was."

Neben der Spurensuche befragen die Brandermittler Zeugen. Wo hat es zuerst, wo besonders stark gebrannt? Ist vielleicht jemand kurz zuvor weggelaufen? Bei ihren Ermittlungen ist die Polizei auch für Bilder und Videos dankbar - wenn diese aus sicherer Entfernung und ohne Behinderung der Rettungsarbeiten aufgenommen wurden. Solches Material sollten Augenzeugen daher mit den Beamten statt auf Facebook teilen.

Die Küche bleibt dabei zunächst eine harte Nuss. Augenzeugen gab es erst, als der Raum schon in Vollbrand stand. Geräte waren keine eingeschaltet, auf dem Herd stand auch kein vergessenes Essen. Doch schließlich findet der Polizist die entscheidenden Spuren: In einer Schublade lag ein Nickel-Lithium-Akku. Dieser war zwar bereits seit Monaten nicht mehr aufgeladen worden, hatte jedoch noch genügend Restspannung, um bei einem Kurzschluss in Flammen aufzugehen und das Mobiliar zu entzünden.

Fritzel berichtet von dem Fall deshalb, um für die Gefahr zu sensibilisieren. Bereits in mehreren Fällen hat er Akkus als Ursache für schwere Brände ermitteln können. Die Batterien können, etwa nachdem sie samt Handy heruntergefallen sind, verborgene innere Schäden haben. Diese können dann zur Selbstentzündung führen. Der Kriminaloberkommissar rät daher dazu, alle Akkus, die beim Laden ungewöhnlich heiß werden, sofort fachgerecht zu entsorgen. Das Gleiche gilt für Handys, die man nicht mehr benötigt. "In der Schreibtischschublade sind sie nur eine potentielle Brandgefahr." Eine Art von Einsatz ist ihm und seinen Kollegen übrigens am Liebsten: "Die, die wir nicht haben."

Ein "Klassiker" unter den Brandursachen ist Asche in der Mülltonne. Egal ob im Sommer nach dem Grillen oder im Winter beim Putzen des Holzofens - immer wieder landet Asche direkt im Anschluss in der Mülltonne. "Die Leute sagen dann oft, dass sie die Asche angefasst hätten und diese kalt gewesen sei", erzählt Brandermittler Fritzel. Doch mitten in der Asche kann noch ein Stück versteckt sein, das noch Glut hat. Durch das Umfüllen bekommt es wieder Sauerstoff, fängt an zu brennen, entzündet weiteres Material in seiner Umgebung - und schon steht die Mülltonne im Flammen. Fritzels Tipp: Die Asche zunächst vier Tage in einem Metalleimer stehen lassen. (pad)

,,Auch die fahrlässige Brandstiftung steht unter Strafe

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