Finanzierung ist größte Hürde

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Gießen(pm). Bei der Finanzierung greifen 83 Prozent der Gründer in Mittelhessen auf Eigenkapital zurück. Ein Drittel startet dabei mit weniger als 20 000 Euro in die Selbstständigkeit, ein weiteres Drittel hat bis zu 50 000 Euro zur Verfügung. Dennoch sehen die Befragten die Finanzierung als größte Hürde bei der Gründung an. Bei mehr als der Hälfte (54 Prozent) ist das Startkapital bereits innerhalb der ersten sechs Monate aufgebraucht. Zu diesem Ergebnis kommt die 6. Unternehmerkunden-Studie im Auftrag der Commerzbank. Für diese wurden bundesweit 3000 Gründer und Gründerinnen, die sich in den vergangenen sechs Jahren selbstständig gemacht haben, vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragt, davon 50 in Mittelhessen.

"Häufig ist das der Zeitpunkt, bei dem eine Fremdfinanzierung in Anspruch genommen wird", sagt Steffen Kalbfleisch, in Commerzbank Niederlassung Mittel- und Nordhessen für Unternehmerkunden verantwortlich. Und das scheint auch zu funktionieren, denn nur sechs Prozent der Befragten sehen in der Finanzierung ein Hindernis bei der Weiterentwicklung des Unternehmens. Um die Finanzplanung kümmern sich die Gründer dabei zu 94 Prozent selbst. Das sind deutlich mehr als im Bundesvergleich (85 Prozent), 17 Prozent ziehen externe Finanzexperten hinzu.

Eine weitere Hürde bei der Gründung ist für 29 Prozent der Befragten in Mittelhessen die Bürokratie. Zahlreiche Behördengänge machen dem Gründer das Leben schwer. Auch die Kundengewinnung und rechtliche Themen stellen für gut ein Viertel eine große Herausforderung dar. Die Mehrheit (52 Prozent bzw. 48 Prozent) lässt sich bei ihrem Vorhaben daher auch von einem Unternehmens- oder Steuerberater unterstützen. Rechtsberatung nimmt nur knapp ein Viertel in Anspruch.

Für die Hälfte der Jungunternehmer ist das wichtigste Ziel im ersten Geschäftsjahr entsprechend die Kundengewinnung. 35 Prozent wollen aktiv gestalten und etwas bewegen, ein knappes Drittel hat zudem ein klares Umsatzziel.

Mit Blick nach vorn planen die Gründer in Mittelhessen vor allem Investitionen in Vertrieb und Marketing (38 Prozent) und unterstreichen damit noch einmal die Kundengewinnung als wichtigste Aufgabe. Fachkräftemangel steht zwar mit 19 Prozent an zweiter Stelle der Hindernisse für die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens, damit aber deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (31 Prozent). Ein Geschäftskonto ist die Bankdienstleistung, die neun von zehn Gründer beim Start in die Selbstständigkeit nutzen. Zwei Drittel bedienen sich dabei des Online-Bankings.

Die wichtigste Motivation, den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen, ist für die meisten Gründer in Mittelhessen etwas Eigenes aufbauen zu wollen (42 Prozent) und der eigene Chef zu sein (40 Prozent). Jeder Dritte gibt zudem an, mehr Geld verdienen zu wollen. Drei Viertel der Befragten bewerten Mittelhessen als gründerfreundlichen Standort und zwei Drittel würden sich heute noch einmal selbstständig machen. Eins zeigt sich in der Umfrage allerdings auch: Bei der Gründung eines eigenen Unternehmens sind Frauen noch deutlich in der Minderheit. Drei Viertel der mittelhessischen Gründer sind männlich.

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