Filmstoff für Frankfurter Bühne: »Der talentierte Mr. Ripley«

Gefährlicher Balanceakt: Regisseur Bastian Kraft setzt in den Kammerspielen den mehrmals verfilmten Bestseller von Patricia Highsmith in Szene.

Man weiß nicht, was bekannter ist: das Buch oder seine Verfilmungen. 1955 gelang der US-amerikanischen Krimiautorin Patricia Highsmith mit »Der talentierte Mr. Ripley« ein Meisterwerk der psychologischen Spannung, das gleich zweimal verfilmt wurde: 1960 unter dem Titel »Nur die Sonne war Zeuge« mit Alain Delon und Maurice Ronet in den Hauptrollen und 1999 unter dem Originaltitel mit Matt Damon als Tom Ripley und Jude Law als sein Gegenspieler Dickie Greenleaf. Nun fügt Bastian Kraft eine weitere Variante hinzu: Er hat das Thema für die Bühne bearbeitet – und muss dabei zwangsläufig den Kürzeren ziehen, dürfte doch vielen Zuschauern der Stoff hinlänglich bekannt sein, sodass das Ende sie nicht mehr überraschen kann. Schlechte Voraussetzungen also für einen Krimi.

Dabei nutzt der Regisseur in seiner Inszenierung in den Frankfurter Kammerspielen durchaus geschickt das Medium Film. Nicht nur, dass er immer mal wieder Mr. Ripleys erstauntes, verzweifeltes oder siegessichere Gesicht per Videokamera live in Großaufnahme zeigt. Er hat sich auch von Ausstatter Ben Baur einen überdimensionalen Bilderrahmen fertigen lassen, der den vier Akteuren für ihren Balanceakt durchs diffizile Geschehen dient.

Wie auf einem Schwebebalken turnen sie auf dem unteren Rahmenrand herum, immer in der Gefahr, aus dem Tritt zu kommen und abzustürzen. Eingeblendete Übertitel treiben die Handlung an verschiedenen Orten in Italien voran.

Es ist ein Drahtseilakt, den der auf den ersten Blick unauffällige Tom Ripley wagt, und Christoph Pütthoff verleiht ihm eins zu eins sein unschuldiges Wesen, das blitzschnell in tödliche Wut umschlagen kann. Wie ein Chamäleon passt er sich zunächst der Situation an, kriecht geradezu in sein Gegenüber, bis er die Verhaltensmuster verstanden hat, bereit zur Rollenübernahme ist

Ein wenig mehr Arroganz und Überheblichkeit hätte Daniel Hoevels in seinem Gegenpart als reicher verwöhnter Sohn eines Schiffsbauers gut getan. Schließlich lässt er seinen neuen Freund jeden Augenblick seine Überlegenheit spüren und grenzt ihn unbarmherzig aus, als dieser ihn zu langweilen beginnt, es einfach aufregender ist, mit dem alten Kumpel Freddie (Stefan Schießleder) durch die Bars zu ziehen.

Als hartnäckiger Störfaktor entpuppt sich ausgerechnet die hübsche Marge, von Maren Eggert dezent zurückhaltend gezeichnet. Von Anfang an misstraut sie dem dahergelaufenen Ripley, der ihr Dolce Vita mit Dickie empfindlich aus dem Takt bringt. Sie ist es auch, die ihm penetrant auf den Fersen bleibt, als Dickie spurlos verschwindet.

Ihren großen Auftritt hat Maren Eggert als Sängerin. Lasziv haucht sie den Lovin’- Spoonful-Hit »What a day for a daydream« ins Mikro, als Tom Ripley das Wasser bis zum Hals steht – und er in letzter Sekunde entkommen kann. Björn SC Deigner hat einen stimmigen Klangteppich für diesen Filmstoff arrangiert, der als Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin dort in der nächsten Spielzeit anzuschauen ist.

Marion Schwarzmann

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