Filigrane Detektivarbeit

Biebertal (ws). Einem seltenen Beruf geht Sabine Kuypers nach: In Fellingshausen widmet sich die Diplom-Restauratorin Gemälden, Bilderrahmen und Skulpturen. Bei einem Atelierbesuch erläuterte sie ihre interessante und vielfältige Arbeit anhand verschiedener Exponate. Sabine Kuypers ist seit 2006 mit ihrer Firma "art-erhaltung" in der Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgütern tätig. Zu ihren Auftraggebern gehören Museen, Galerien, Kirchen, Versicherungen, Kunsthändler und Privatpersonen. "Mein Beruf enthält naturwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche, restauratorische und künstlerische Elemente. Kurzum: Es ist eine Tätigkeit, die nie langweilt", konstatiert Sabine Kuypers.

Schätze vom Dachboden Ein Damen- und ein Herren-Porträt aus dem 18. Jahrhundert mit ovalen geschnitzten Rahmen (veredelt mit Stuckornamenten) hatten die letzten 100 Jahre auf einem Dachboden gelagert. Die Eigentümer brachten beide Porträts zu Sabine Kuypers. Zunächst wurde die starke Verschmutzung reduziert, dann die Leinwand vom Keilrahmen getrennt, geglättet und auf dem Keilrahmen wieder straff aufgespannt. Dann ergänzte die Restauratorin plastisch die fehlenden Ornamente am Rahmen und retuschierte sie farblich. "Danach habe ich die Gemälde gereinigt, kleine Fehlstellen in der Malerei mit Kreidegrund ergänzt und mit Aquarellfarben retuschiert." Auch ein beim Umzug beschädigtes Bild mit dem Motiv des gekreuzigten Christus wurde in das Atelier gebracht. Hier musste ein T-förmiger Riss, der durch das ganze Gesicht ging, restauriert werden. Der Riss wurde auf der Rückseite des Bildes mit Fadenbrücken geschlossen, auf dem Bild wurden die Fehlstellen mit Kreidegrund ergänzt sowie die Ergänzungen retuschiert und farblich angepasst. Auch das von Hof Schmitte in Rodheim stammende Epitaph, das wieder an seinen ursprünglichen Platz in der Margarethenkirche in Krofdorf gebracht wurde, hat Sabine Kuypers restauriert. Mittels Infrarotreflektografie hat sie nachgewiesen, dass dieses Epitaph großflächig übermalt worden war. Auf Burg Gleiberg realisierte die Diplom-Restauratorin eine "Vorort-Restauration", da das großformatige Ölgemälde von Fritz von Wille (2 x 2,40 Meter) nicht transportiert werden konnte. Aktuell arbeitet Kuypers an einer Wandmalerei, einer Kopie von Nicolas Poussins "Die Inspiration des Dichters", für einen Privatkunden. Sie malt das Motiv mit historischen Materialien an die Wand, nutzt dazu die gleichen Maltechniken wie seinerzeit Poussin. Auch das Bildnis des Tabakfabrikanten Philipp Casimir Krafft (Gründer der IHK Offenbach) und das Bildnis dessen Gattin Luise Christiane Kraffts und der dazugehörige Rahmen wurde in der Fellingshäuser Werkstatt restauriert. Eine neue Firnes (eine Art Schutzschicht), die das Bild vor äußeren Einwirkungen (etwa UV-Strahlen) schützt, trug sie auf. In den dazugehörigen Bilderrahmen waren die Schwanen- und Blumenornamente zum großen Teil zerstört und durch eine unsachgemäße Altrestaurierung überkittet worden. Die Restauratorin entfernte die Kittungen, ergänzte sie plastisch. Dabei verwendete sie Abformmasse, die man vom Zahnarzt kennt. Die Ergänzung wird angepasst und retuschiert, etwa mit Blattgold. Mit Mikroskop und UV-Lampe Ziel der Konservierung und Restaurierung ist es, den Verfall eines Exponates zu verlangsamen, eventuell den Insektenbefall zu behandeln, Beulen und Deformierungen zu beseitigen und lose Bereiche zu festigen. Bei der Restaurierung geht es darum, unter größtmöglicher Erhaltung der überlieferten Substanz, und die durch Alterung, Schädigung sowie durch Eingriffe beeinträchtige Aussage des Objektes wieder herzustellen. Hierbei sollen jedoch charakteristische Spuren, die eine Aussage über Alter und Gebrauch, also die Objektgeschichte geben, rücksichtsvoll behandelt werden. "Oft ist es meine Aufgabe, unsachgemäße Restaurierungen rückgängig zu machen. Dabei arbeite ich mit historischen, aber auch modernen Materialien", erläutert Kuypers. Um den Anforderungen der modernen Restaurierung gerecht werden zu können, hat sie eine akademische Ausbildung an der FH Erfurt absolviert. Wenn ein Gemälde mitsamt Rahmen in ihrer Werkstatt eintrifft, wird es zunächst intensiv begutachtet. Das Kunstwerk bringt eine Menge Informationen aus der Vergangenheit mit, die zum Beispiel unter Einsatz von Tageslichtlampe, Kopf-Lupe, Mikroskop und UV-Lampe wahrgenommen und später interpretieren werden. Kuypers: "Ich komme mir dann vor wie eine Detektivin." Eine fachgerechte Konservierung/Restaurierung erhält das jeweilige Exponat für die folgenden Generationen – und bedeutet eine Wertsteigerung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare