Volvo Diesel

Warum Regierungspräsident Ullrich seinen Volvo Diesel bis zum Ende fahren will

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475 000 Kilometer hat der Volvo von Regierungspräsident Christoph Ullrich bereits auf der Uhr. Doch es sollen noch etliche mehr werden. Ullrich ist ein Sparfuchs, der auch mal selbst Hand anlegt.

Das Zweimassen-Schwungrad klappert etwas, an der A-Säule blüht die Alu-Blende unschön aus, und in der Tür hinten links finden sich zwei kleinere Beulen. Spuren eines langen, intensiven Auto-Daseins. Aber ansonsten steht der Volvo V 70 von Christoph Ullrich noch da wie eine Eins.

Auch die Innenausstattung mit Teilleder hat die Jahre gut überstanden – da lässt nichts auf die hohe Laufleistung schließen. "Es ist noch die erste Kupplung, und der erste Turbolader arbeitet auch noch zuverlässig", berichtet der Gießener Regierungspräsident ganz stolz.

Nur die Batterie hat im vergangenen Jahr schlapp gemacht. Nach 15 Jahren. Es war ebenfalls noch die erste. Es scheint also etwas dran zu sein an der Legende vom Schwedenstahl und der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der Volvo.

Die Original-Matte von Volvo war mir schlicht zu teuer

Christoph Ullrich

Exakt 475 000 Kilometer hat der Kombi in dunkelblau-metallic auf der Uhr, und die sieht man dem Wagen aus den Baujahr 2002 nicht an. Ullrich hat das Auto 2003 als Tageszulassung bei einem Händler im westfälischen Münster gekauft.

"Es sollte ein Volvo sein. Ein Kombi. Und eben ein Diesel", erinnert er sich an die ausschlaggebenden Faktoren. Klimaanlage, Alus und Sitzheizung waren und sind willkommene Extras. Das Navi wurde nachgerüstet. "Von Aldi, habe ich selbst eingebaut", sagt Ullrich .

Gleiches gilt – das darf verraten werden, denn die Geschichte ist zu schön – für die Matte im Kofferraum: "Die Original-Matte von Volvo war mir schlicht zu teuer", zeigt sich der gelernte Jurist als sparsamer Haushälter. Er fertigte eine Papp-Schablone für das geräumige Gepäckabteil, übertrug dies auf einfachen Nadelfilz-Teppichboden ("kostet der Quadratmeter nur ein paar Euro") und schnitt sich die Matte selbst zurecht.

Früher hat Ullrich auch Öl gewechselt und Filter ausgetauscht

Wie der Mann vom Rande des Westerwaldes überhaupt ein versierter Handwerker ist: Bei seinen früheren Wagen hat er selbst Öl gewechselt, Auspuff oder Luftfilter getauscht. Auch der Austausch von Bremsleitungen oder das Überholen von Bremszylindern sind ihm nicht fremd.

Doch heute, beklagt er, kann man nach der Inspektion angesichts der komplexen Technik kaum mehr den Bordcomputer zurücksetzen. Wobei Christoph Ullrich schon Wert auf regelmäßige Wartung legt und den Volvo bei seiner Vertragswerkstatt im Wetzlarer Dillfeld in besten Händen weiß.

Ein Kombi - wegen der Geräumigkeit

Aber warum ein Volvo? "Weil es eben ein Auto ist, das nicht jeder fährt", sagt der "Kilometer-Präsident" schlicht. Für den Kombi spricht die große Klappe. Zuvor hatte Familie Ullrich diverse andere Modelle ausprobiert. Am Anfang stand, wie bei vielen, der Käfer. Später folgten Fiat Ritmo, E-Kadett, Fiat Tipo.

Drei praktische Schräghecks, die im Vergleich zur klassischen Limousine ordentlich Platz boten. Insofern wurde Ullrich mit dem in den 1990ern als Neuwagen georderten Volvo S 40, einer Mittelklasse-Limousine mit Stufenheck, nicht so ganz glücklich. Auch wenn der Wagen in Familienbesitz ebenfalls mehr als 200 000 Kilometer rollte und später an eine der Töchter überging.

Aber dann endlich ein Kombi, mit riesig viel Platz! Als der blaue Dampfer mehr als 200 000 Kilometer ohne nennenswerte Auffälligkeiten runter hatte, entschied Ullrich: Jetzt bekommen wir ohnehin nichts mehr dafür.

48 Kilometer bis nach Gießen

Also läuft der V 70 weiter. Und das tut er klaglos bis heute. Selbstverständlich sind die üblichen Verschleißteile allesamt einmal bis mehrfach erneuert: Auspuff, Bremsen, Reifen, Stabilisatoren, Querlenker. Ansonsten blieb der Besitzer von größeren Malaisen verschont. Ein neuer Ladeluftkühler und ein neuer Kompressor für die Klima-Anlage, dazu ein Nachrüst-Dieselpartikelfilter, als der Auspuff ohnehin gemacht werden musste – das war’s.

Der Jurist ist stolz darauf, die 475 000 Kilometer nahezu vollständig selbst gefahren zu sein. Insgesamt acht Jahre war er erst Vizepräsident und später Präsident des Landgerichts Marburg – das gab vom heimischen Fussingen im Landkreis Limburg-Weilburg zum Arbeitsplatz und zurück täglich 156 Kilometer auf den Zähler. Zuvor führte der Weg über drei Jahre zum Amtsgericht nach Dillenburg. Heute sind es von Haustür zu Haustür nur noch 48 Kilometer zwischen dem Wohnort und dem Gießener Brandplatz. Das absolviert der große Fronttriebler quasi nebenbei.

Mein Ziel ist, das Auto bis zum Ende zu fahren

Christoph Ullrich

Wie geht es weiter mit dem rüstigen Veteranen? Demnächst steht der TÜV an. Doch dem sieht man gelassen entgegen. "Mein Ziel ist, das Auto bis zum Ende zu fahren", sagt Christoph Ullrich. Was nicht heißt, dass der Volvo Gnadenbrot bekommt.

Auch wenn der Kombi dank Dienstwagen für den Regierungspräsidenten längst nicht mehr so beansprucht wird wie früher, so muss er doch immer noch zum Arbeiten ran: Etwa, wenn es zum Obstbaum-Grundstück geht, wenn die Leiter hin und etliche Eimer Zwetschgen zurück zu transportieren sind. Da weiß Familie Ullrich, was sie an dem Schätzchen hat.

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