Die Feuerwehr Reiskirchen ist Tag und Nacht einsatzbereit. Auf die Modernisierung ihres Gerätehauses warten die Freiwilligen seit vielen Jahren. ARCHIVFOTO: SHA
+
Die Feuerwehr Reiskirchen ist Tag und Nacht einsatzbereit. Auf die Modernisierung ihres Gerätehauses warten die Freiwilligen seit vielen Jahren. ARCHIVFOTO: SHA

Feuerwehr muss weiter warten

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Seit gut zehn Jahren beschäftigt sich die Politik in Reiskirchen mit der Zukunft von Feuerwehr- gerätehaus und Bauhof. Jetzt sollte eine Entscheidung fallen. Aber die Gemeindevertretung will den eingeschlagenen Weg noch einmal überprüfen. Grund sind die um eine Million Euro gestiegenen Baukosten.

Dietmar Kromm wurde sehr energisch: "Dieses Projekt muss fortgesetzt werden." Doch der Bürgermeister zog in der Sitzung der Gemeindevertretung den Kürzeren. Nach einer kontroversen Debatte und einer Sitzungsunterbrechung hat eine breite Mehrheit von 18 Stimmen die Entscheidung über den Umbau von Feuerwehr und Bauhof noch einmal vertagt. Sie folgte einem Antrag der CDU, die als Alternative die Verlegung des Bauhofs geprüft haben möchte.

"Das ist unsere letzte Chance zu überlegen, ob eine Trennung von Gerätehaus und Bauhof nicht besser wäre", argumentierte Tobias Breidenbach. Ansonsten laufe man Gefahr, jetzt 3,6 Millionen Euro zu investieren und in fünf bis zehn Jahren erneut vor Problemen zu stehen. "Auch der Architekt hat uns Recht gegeben", verwies Breidenbach auf eine Bemerkung, die der Planer am Rande der jüngsten Bauausschusssitzung gemacht hatte.

"Es ist ein Skandal, was hier läuft", schimpfte Reinhard Strack-Schmalor (SPD). "Wir wissen seit 2009, dass es beim Gerätehaus Probleme gibt." Erste Pläne habe man vor Jahren verworfen, weil sie zu groß waren. Und nun werde ein massiver Aufbau auf einen Altbau geplant, der noch einmal 428 Quadratmeter größer sei. "Wir haben nie darüber geredet, wo das neue Flächen- und Raumprogramm herkommt." Man müsse darüber nachdenken, ob man noch auf der richtigen Spur sei. "Das ist eine Überlegung, keine Entscheidung", betonte der SPD-Mann.

Der Bürgermeister war einigermaßen fassungslos. Von 2009 bis 2012 habe sich ein Arbeitskreis mit diesem Projekt beschäftigt. Niemals sei da von einer Verlagerung des Bauhofs auch nur die Rede gewesen. Im Gegenteil: Man habe auf Synergien wie die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen gesetzt, und die Gemeinde habe am jetzigen Standort sogar weitere Flächen angekauft. "Eine Trennung macht wirtschaftlich keinen Sinn", befand Kromm und warnte davor, von dem eingeschlagenen Weg abzuweichen. "Wir könnten die Feuerwehr erst umbauen, wenn wir einen neuen Bauhof hätten." Vier Jahre würde das dauern, zwei bis drei Millionen Euro kosten. Die Finanzierung mit Mitteln aus der Hessenkasse und einem bewilligten Zuschuss über 111 000 Euro würde zusammenbrechen. Und was das erweiterte Raumprogramm angehe: "Das hat seinen Hintergrund. Der Architekt hätte das erklären können." Der aber habe im Bauausschuss zwei Stunden lang gewartet, ohne zu Wort zu kommen.

"Ich finde es atemberaubend, was Sie immer alles wissen", konterte CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Süße. Sie wolle eine Prüfung beider Möglichkeiten, "damit ich bei dieser Wahnsinnssumme guten Gewissens die Hand heben kann". Süße skizzierte noch einmal die Vorteile, die die Trennung der beiden Standorte nach Auffassung der CDU haben könnte: zusätzliche Räume und Erweiterungsspielraum für die Feuerwehr ohne teure Aufstockung sowie eine Entzerrung des Verkehrs, wenn man mit dem Bauhof auch den Wertstoffhof verlagere. Diese Möglichkeit wolle man vor einer Abstimmung wenigstens geprüft haben. Ähnlich äußerten sich die Grünen. "Wir wollen eine objektive Entscheidungsgrundlage", forderte Dr. Rolf Tobisch. "Der Bürgermeister geht voreingenommen ans Werk."

Für eine zügige Lösung der Probleme der Feuerwehr sprachen sich die Freien Wähler aus. "Bis heute läuft bei manchen Regenereignissen im Gerätehaus Wasser aus den Steckdosen", mahnte Fraktionsvorsitzender Gerhard Albach. Die Entscheidung wieder aufzuschieben, bedeute gegenüber den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten eine Fahrlässigkeit. "Wenn etwas passiert, will ich nicht verantwortlich sein", machte Albach deutlich.

Auch er verwies auf die Synergieeffekte durch einen gemeinsamen Standort von Feuerwehr und Bauhof. Die Gemeinde habe Gartenland in der Nachbarschaft angekauft, das man nutzen könne. "Und wenn es zu eng wird, kann man immer noch den Wertstoffhof verlagern."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare