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Rafael Cano machte in der Abenddämmerung mit seiner Band und gefühlvoller Gitarrenmusik den Anfang.

Festival »light« hart gerockt

Zwei Jahre herrschte auf dem Gleiberg gespenstische Stille - zumindest wenn es um »Gleiberg Rocks« ging. Zweimal musste das beliebte Festival wegen der Pandemie pausieren. Nun fand es wieder statt, wenn auch etwas anders als gewohnt.

Ob nun Kompromiss, Trostpflaster, kleine Version des Altbekannten oder Angebot, um die Wartezeit bis 2022 zu verkürzen: Die Light-Variante von »Gleiberg Rocks« zog am Samstag rund 150 Menschen rauf auf 300 Meter über den Meeresspiegel zur über 1000 Jahre alten Burg auf dem Gleiberg. Neben der wunderschönen Location mit ihrem ganz besonderen Ambiente und Klangerlebnis waren auch die knapp 20 Grad des milden Spätsommerabends ein Grund für die Gäste, zufrieden zu sein. Wem die Stände mit Snacks und Getränken nicht ausreichten, konnte sogar noch in der Gastronomie der Burg speisen und dabei den drei Bands des Abends lauschen. Bereits am Fuße des Gleiberges war das Mini-Rock-Spektakel wahrnehmbar.

An den Start ging zuerst der Wetzlarer Singer und Songwriter Rafael Cano mit Band. Auf der Bühne, vor dem gewaltigen Burgturm in der Abenddämmerung, eröffneten sie den Abend gemütlich mit melodischer Gitarrenmusik und nachdenklichen Texten. »Tut verdammt gut, wieder so auftreten zu können«, sagte ein erleichterter Rafael Cano. Die Masse stimmte in Form von Applaus und Gejubel zu. Die Menschen genossen die Musik entweder anfeuernd direkt vor der Bühne, in einiger Entfernung auf den Ruinen der alten Burg oder beim heiteren Gespräch mit Bekannten, Freunden oder Familie. Hier traf sich jedes Alter. Noch immer ein ungewohnter Anblick nach fast zwei Jahren Pandemie: Auf Masken konnte genauso verzichtet werden, wie auf eine »3-G-« oder sogar »2-G-Regelung«.

Kontrolliert wurde nicht, Veranstalterin Sabine Glinke und ihr Team verließen sich auf die Vernunft ihrer Gäste und wurden offenkundig nicht enttäuscht. Der Vertrauensvorschuss war möglich, weil es sich hier um eine Open-Air-Veranstaltung handelte. Hier sind G-Regeln keine Pflicht, sondern nur empfohlen. Nach all dem Verzicht in der Pandemie stand den Menschen die Erleichterung ins nicht verdeckte Gesicht geschrieben, endlich mal wieder in dieser Art feiern zu können.

Als dann später am Abend »Al Stone« mit ihrer Band, ihrer kraftvollen Stimme und ihrem Southern Rock loslegte, stieg die Zahl der Menschen vor der Bühne ebenso wie die Stimmung. Die erreichte ihren Höhepunkt, als die Lokal-Legenden und Gründer von »Gleiberg Rocks« die Bühne betraten. »Mother’s Milk« überzeugten einmal mehr mit ihren Coverversionen bekannter Rock-Größen, diesmal von den Red Hot Chilli Peppers. Das Aufgebot des Abends mit regionalen Musikern hätte fast vergessen lassen, dass es sich hier um eine abgespeckte Variante des Festivals handelte.

Sabine Glinke zeigte sich jedenfalls mehr als glücklich mit dem Ergebnis und lobte ihre Gäste. »Wenn ich Euch so angucke, wie ihr die Hygieneregeln inhaliert habt und ohne Vorschrift hier trotzdem umsetzt, fällt es uns Veranstaltern super leicht, wieder etwas zu starten.« Die Corona-Zeit sei alles andere als einfach für die Event-Branche gewesen, beklagte Glinke. »Wir sind ordentlich gebeutelt worden, aber wir sind immer noch da«, rief sie selbstbewusst von der Bühne und bekam dafür ermutigenden Applaus gespendet. Sie sprach sich auch dafür aus, nicht alles in »Schwarz und Weiß« zu sehen und appellierte unter anderem dafür, nicht gegen Gastronomen »zu hetzen«, die die »2-G-Regel« bei sich einführen. »Die Leute haben keine andere Chance, wir sind alle wirtschaftlich ausgeblutet, es gibt kaum Entscheidungsfreiheiten im Moment.« Der »schwarze Peter« gehöre nicht den Gastronomen etwa, er gehöre »der Politik«. Die Gastgeberin bedankte sich ausdrücklich beim Publikum: »Danke, dass ihr das hier alles so toll mitmacht und unterstützt.« Am 15. Juni 2022 soll »Gleiberg Rocks« dann wieder in gewohnter Manier stattfinden - hofft zumindest die Veranstalterin.

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