Zwei Optionen für Wärmeversorgung

  • VonKarl-Josef Graf
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Fernwald (kjg). Die Beschlussvorlage für den Bebauungsplan »Jägersplatt IV«, 1. Änderung, erhielt im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) die Zustimmung aller Ausschussmitglieder. Am Tag davor war in einer langen Sitzung des Bauausschusses über die Details beraten worden.

Der städtebauliche Vertrag mit der IMAXX Projektentwicklungsgesellschaft mbH Gießen wurde im HFA ebenfalls mit Mehrheit beschlossen. Das Einmalige in der Region an diesem Baugebiet ist, dass die Wohnungen CO2-neutral mit Wärme versorgt werden, erläuterte Bürgermeister Stefan Bechthold.

Der Vertrag sieht bei der zentralen Versorgung mit Wärme zwei Optionen vor. Vom Bürgermeister wird das Kalte-Nahwärme-Netz präferiert, das zwar 1,7 bis zwei Millionen Euro mehr kostet als das Fernwärmenetz der Stadt-werke Gießen, welches aus der klimafreundlichen Thermischen Reststoffbehandlungs- und Energieverwertungsanlage (TREA) gespeist wird. Das höhere Investment wirkt sich natürlich auch auf die Grundstückspreise aus, die beim Kalte-Nahwärme-Netz um 40 Euro je Quadratmeter höher liegen als bei der Fernwärme durch die TREA.

Beim Kalte-Nahwärme-Netz wird von niedrigen Temperaturen im Bereich von 5 bis 35 Grad ausgegangen, die dann zu Wärmepumpen der Wohneinheiten transportiert und dort in die Heizungen eingespeist werden. Für Annerod bedeutet das, dass aus einer Tiefe von vier Metern 12 bis 15 Grad warmes Wasser zu den Wärmepumpen der Wohneinheiten geleitet wird.

Keine Schottergärten

Dort wird es auf die notwendige Temperatur für den Heizungsvorlauf gebracht, erläuterte der Bürgermeister. Das sei ein einzigartiges Verfahren, das eine CO2-neutrale Versorgung mit Wärme sicherstelle. Für die »erneuerbaren Energien« und die Klimaentwicklung, und natürlich für Fernwald, sei das ein Aushängeschild. In der Region gebe es nur in Bad Nauheim ein weiteres Kalte-Nahwärme-Netz, das von den Stadtwerken Bad Nauheim betrieben werde. Ein zeitliches Problem sei die Bohrung zum Einsatz der Tauscher, mit denen die Wärme in vier Metern Tiefe entnommen werde, was ein bergrechtliches Verfahren erfordere, das dauern könne.

In einer Machbarkeitsstudie, die die IMAXX etwa 100 000 Euro kosten wird, soll die Realisierung dieses Planes untersucht werden. Dabei wird von einer längeren Planungszeit von etwa 15 Monaten ausgegangen, um öffentliche För-dermittel von 40 bis 50 Prozent der zusätzlichen Investitionskosten zu erhalten.

Der im Dezember beschlossene Bebauungsplan »Jägersplatt IV« wurde an mehreren Stellen geändert. Bisher sah der Plan vor, nur Ein- und Zweifamilienhäuser als Einzel- oder Doppelhäuser zu errichten. Jetzt sollen auch Reihenhäuser möglich werden.

Weitere Inhalte des Vertrages: Auf allen geeigneten Dächern sollen Photovoltaikanlagen installiert werden, Schottergärten sollen nicht zugelassen werden und die Lärmschutzwand im nördlichen Abschnitt soll von 3,50 auf 4,50 Meter erhöht werden.

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