Kommunalwahl im Kreis Gießen

Wahl der Gemeindevertretung in Fernwald: SPD bleibt stärkste Kraft

  • vonChristina Jung
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Die nach dem Trendergebnis zu erwartenden Verschiebungen haben sich nicht in dieser Deutlichkeit bestätigt. Die SPD bleibt stärkste Kraft, muss allerdings zwei Sitze abgeben.

Fernwald (ti). Die Wähler in Fernwald haben entschieden und - wie bereits berichtet - für eine neue Sitzordnung in der Gemeindevertretung gesorgt. Allerdings: Die nach dem Trendergebnis am Sonntagabend zu erwartenden Verschiebungen haben sich nicht in dieser Deutlichkeit bestätigt. Die SPD bleibt stärkste Kraft, muss allerdings zwei Sitze abgeben und kommt jetzt insgesamt auf acht Mandate.

CDU (bisher 6) und Grüne (bisher 3) gewinnen dagegen dazu und stellen künftig sieben beziehungsweise vier Gemeindevertreter. Keine Veränderungen hat die Wahl diesbezüglich für FDP und FW gebracht. Für Letztere bleibt es bei sieben Sitzen, für die Freien Demokraten bei einem Mandat.

Bei den politischen Akteuren hat das Ergebnis unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. CDU-Spitzenkandidat Frank Stein, der für seine Partei 1649 und damit die meisten Stimmen holte, sprach gestern von einem »überwältigenden Ergebnis« für die Christdemokraten. »Das ist eine tolle Sache und gibt mir Rückenwind für die Bürgermeisterwahl«, so der Albacher, der im Juli im zweiten Anlauf den Chefsessel im Rathaus erobern möchte. In Steins Heimatort fuhren die Christdemokraten auch ihr bestes Ergebnis ein - 46,68 Prozent. Deutlich weniger Wählersttimmen konnten sie sich in Annerod (19,34 Prozent) und Steinbach (24,11 Prozent) sichern.

Die Grünen dagegen holten in der CDU-Hochburg mit 13,57 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis, in Steinbach ihr bestes (20,61 Prozent). Mit dem Zugewinn eines Mandats sei man »sehr zufrieden«, erklärt Bernd Voigt, bisher Fraktionschef, auf GAZ-Anfrage. Als Grund dafür nennt der Grüne insbesondere »die Oppositionsarbeit, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben«. Möglicherweise habe aber auch die umfangreiche paritätisch aufgestellte Liste mit vielen neuen Leuten dazu beigetragen, so Voigt.

Verhalten dagegen die Stimmung bei der SPD. »Zwei Sitze sind dahin, da gibt es nichts schönzureden«, sagt Gerd Espanion, bisher Fraktionsvorsitzender der Genossen und mit Dr. Robert Horn an der Spitze der SPD-Wahlliste. Letzterer holte nicht nur für die Sozialdemokraten die meisten Wählerstimmen (1930), sondern auch insgesamt.

Zwei Gründe führt Espanion im GAZ-Gespräch für die Sitzverluste an: Zum einen den Bundestrend, »der an uns nicht spurlos vorbeigegangen ist«, auch wenn die SPD Fernwald mit knapp 30 Prozent deutlich über diesem liege. Als zweiten Punkt nennt er die Schließung des Feuerwehr-Standortes Albach vor drei Jahren. Espanion: »Das wirkt noch nach.« Insgesamt sei man aber froh darüber, nach wie vor stärkste Fraktion und Partei in Fernwald zu sein. »An der SPD kommt keiner vorbei«, so der Genosse.

Die Mehrheit hinter dem parteilosen Bürgermeisterkandidaten Manuel Rosenke, der von SPD und FW unterstützt wird, ist mit dem Mandatsverlust der Genossen geschrumpft. Zwar gab es zwischen den beiden Fraktionen in der Gemeindevertretung nie eine offizielle Koalition. Viele Entscheidungen wurden in der Vergangenheit aber mit der Mehrheit von Sozialdemokraten und Freien Wählern getroffen. Geschwächt sieht sich Rosenke durch das Wahlergebnis aber nicht.

Natürlich »ist es immer schön, wenn man Mehrheiten hinter sich hat, weil man dann auch etwas erreichen kann«, so Rosenke. Doch er sehe »die Bürgermeisterwahl getrennt von der Kommunalwahl«. Ein CDU-Wähler mache nicht auch zwangsweise bei einem Bürgermeisterkandidaten dieser Partei sein Kreuz.

Ob es künftig Koalitionen geben wird und wie sie aussehen, bleibt abzuwarten. Die SPD zumindest will Gespräche mit anderen führen.

Fernwald Wahl- berechtigte Beteiligung % CDU %SPD %Grüne %FDP %Freie Wähler %Steinbach 2021 2.405 20,62 24,11 27,99 20,61 4,30 22,99 2016 2284 40,9 25,1 37,4 9,5 3,8 24,1 Annerod 2021 2174 19,64 19,34 25,76 17,29 3,61 34,00 2016 2066 38,8 18,3 41,4 11,3 2,9 26,1 Albach 2021 924 20,67 46,68 21,28 13,57 2,65 15,82 2016 930 41,3 35,7 34,7 5,2 2,7 21,7 Briefwahl 1 2021 30,09 32,25 13,57 3,50 20,58 2016 Briefwahl 2 2021 20,15 31,52 16,98 1,76 29,59 2016 23,2 39,1 10,6 3,5 23,6 Gesamtergebnis 2021 5503 56,64 26,29 29,92 15,98 3,17 24,63 2016 5280 54,6 24,1 38,6 9,7 3,3 24,2 Sitzverteilung 2021 7 8 4 1 7 2016 6 10 3 1 7

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