Solo für Rosenke

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Fernwald (us). Manuel Rosenke weiß, was er am Abend nach der Bürgermeisterwahl machen wird: ein Bier trinken. Das tat er auch am Freitagabend vor der Fernwaldhalle. Zuvor hatte der 38 Jahre alte Verwaltungsfachmann, der am 1. Januar 2022 die Nachfolge seines Chefs, Bürgermeister Stefan Bechthold, antreten möchte, interessierten Bürgern 90 Minuten lang Rede und Antwort gestanden.

Dazu eingeladen hatten SPD und Freie Wähler, die die Bewerbung des parteilosen Kandidaten unterstützen.

Als Rosenke vor bald einem Jahr seine Bewerbung fürs Bürgermeisteramt bekannt gab, konnte er nicht ahnen, welch ein Wahlkampf ihm bevorstehen würde: monatelanger Lockdown, strenge Kontaktbeschränkungen, keine Veranstaltungen, keine Hausbesuche, keine Infostände. Jetzt, wo die Infektionszahlen endlich niedrig sind, war Gelegenheit, mit einer breiteren Öffentlichkeit auf Tuchfühlung zu gehen.

Dass der gewünschte Schlagabtausch mit dem zweiten Kandidaten Frank Stein (CDU) nicht zustande kam, wurde sowohl von den Veranstaltern als auch von Rosenke selbst bedauert. Leider habe Stein für eine gemeinsame Veranstaltung nicht zur Verfügung gestanden.

Viele Fragen online

Also geriet der Abend zum Solo für Rosenke und machte gleichzeitig deutlich, wie sehr 17 Monate Pandemie das Verhalten der Menschen geprägt haben. Zwei Drittel der Stühle in der Fernwaldhalle blieben leer. Dass umso mehr Interessierte die Gelegenheit nutzten, ihre Fragen über den Online-Chat oder per Zoom-Konferenz zu stellen, mag auch dem guten Wetter geschuldet gewesen sein. Die etwa 30 Zuhörer in der großen Halle kamen bemerkenswerterweise übrigens allesamt aus Annerod und Steinbach. Auf die Frage, wer denn aus Albach da sei, hob sich eine einzige Hand: die von Katrin Rosenke.

Moderiert wurde der Abend vom Publizisten Hanno Herzler aus Greifenstein, der das einleitende Impulsreferat und die Frageblöcke mit zwei »Schnelltests« auflockerte, Satzanfängen, die Rosenke spontan ergänzen sollte. Nicht nur bei diesen spielerischen Einlagen war dipolmatisches Geschick gefragt. Gleich mehrfach wurde der Kandidat gefragt, was er denn anders machen würde als der amtierende Bürgermeister, der hinten im Saal saß. Schon in seinem Impulsreferat hatte Rosenke seine Haltung auf eine Formsl gebracht: Er wolle keine Kurskorrektur für Fernwald, aber auch kein »Weiter so«. Und bei konkretem Nachfragen - Stichwort Ferienspiele, Stichwort Kita-Plätze - machte er keinen Hehl daraus, dass er zügigeres Handeln besser gefunden hätte.

Die Situation von Familien stand bei mehreren Fragen im Zentrum. Dabei ging es unter anderem um den Zustand der Spielplätze, den Fachkräftmangel in den Kitas, teuren Wohnraum und fehlende Betreuungsplätze. Es seien schon Familien weggezogen, weil sie die Kinderbetreuung vor Ort nicht geregelt bekamen, kritisierte ein Redner. Weitere Themen waren etwa der Klimaschutz, die Busanbindung, der innerörtliche Verkehr und die künftige Handhabung von Straßenbeiträgen. Da hat Rosenke einen persönlichen Favoriten: wiederkehrende Beiträge hält er für sozial am fairsten. Grundsätzlich aber gelte für künftige Weichenstellungen die Devise: offen diskutieren, gemeinsam entscheiden, nachhaltig finanzieren.

Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Freien Wählern, Gerd Espanion und Stefan Becker, zeigten sich überzeugt, dass sie auf den richtigen Kandidaten setzen. »Manuel bringt alles mit für das Amt des Bürgermeisters«, versicherte Espanion.

Becker rückte vor allem einen Aspekt in den Vordergrund: Rosenkes Unabhängigkeit. Er sei keinen Parteiinteressen verpflichtet. Das sei ein gutes Zeichen für ein langfristiges lokales Engagement.

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