Kuriose Beute

Raubüberfall in Steinbach: Wassermelone statt Bares

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Drogenschulden haben einen heute 27-Jährigen kriminell werden lassen. Mit einer Schreckschusspistole lauert er einer Verkäuferin am "Rewe" in Steinbach auf. Jetzt steht er vor Gericht.

Etwa 150 Euro. Das ist die monatliche Rate, mit der der junge Mann bis heute seine Drogenschulden bei den Leuten abstottert, die ihm in den vergangenen Jahren Stoff verkauft haben. Marihuana, Amphetamin, Kokain. Hinzu kommen Verbindlichkeiten bei der Bank. Da sind monatlich weitere 300 Euro fällig. Viel Geld, das von einem Maurerlohn abgeht. Den beziffert der Mann auf 1600 bis 1800 Euro netto im Monat.

Geldnot war es, die ihn auf die Idee brachte, am 16. Juli 2018 die Mitarbeiterin eines Rewe-Marktes zu überfallen. So jedenfalls sieht es nach seinen Erklärungen aus, die er gestern vor einer Strafkammer des Gießener Landgerichts gegenüber Richter Heiko Söhnel abgegeben hat.

Angeklagt ist nicht nur der Überfall in Steinbach. Auch eine ganz ähnlich abgelaufene Tat wenige Tage später in Butzbach wird dem jungen Maurer zur Last gelegt. Die aber habe er ganz sicher nicht begangen, sagte sein Rechtsbeistand, der Friedberger Anwalt Axel Weber.

Überfall eingeräumt

Den Raubüberfall in Steinbach räumt der junge Mann jedoch unumwunden ein. Von einem Kumpel, der damals für etwa ein Jahr in dem Einkaufsmarkt gearbeitet hatte, hatte er erfahren, dass eine Angestellte immer vormittags die Bar-Einnahmen vom Vortrag zur örtlichen Bank fährt. Das Geld steckte stets in einer orangefarbenen Stofftasche mit dem Logo des Markts.

Der junge Mann ließ sich von seiner Freundin an jenem Montagvormittag zum "Rewe" in Steinbach fahren, trieb sich erst im Getränkemarkt rum, kaufte dort eine Dose Whisky-Cola und lauerte auf dem Parkplatz der Verkäuferin auf.

Als die junge Frau nichtsahnend ihr Auto aufschloss, trat er hinter sie, feuerte einen Schuss aus einer Schreckschusspistole ab und nutzte das Überraschungsmoment, um ihr die Tasche zu entreißen und davon zu rennen.

Hühnersuppe und angebissenes Würstchen

Was der Räuber nicht wusste: Die Wochenendeinnahmen waren bereits früh am Morgen von der Marktleiterin fortgebracht worden. Als er in die Tasche schaute, fand er darin statt des erhofften Bargeldes eine Mini-Wassermelone, Hühner-Fertigsuppen, Mentholzigaretten und ein angebissenes Würstchen im Schlafrock - die privaten Einkäufe, die die Angestellte am Ende ihrer Frühschicht im Supermarkt erledigt hatte. Was er mit der unerwarteten Beute denn machte, wollte Richter Söhnel wissen. "Die Wassermelone habe ich später gegessen, den Rest entsorgt".

Entsorgt habe er auch die Schreckschusspistole. Die will er zwei oder drei Tage nach dem Überfall in Steinbach in Butzbach in ein Gebüsch geworfen haben. Bereitwillig beschrieb der junge Mann die Stelle, wo das gewesen sein soll, zeigte den Ort auf Google Maps und bot an, noch am gestrigen Mittag Polizisten dorthin zu führen, um mit ihnen nach der Waffe zu suchen.

Drogen-Dealer fordern ihre Schulden ein

Zuvor hörte das Gericht gestern noch mehrere Zeugen, die den jungen Mann an jenem Tag beim und im Steinbacher Einkaufsmarkt gesehen haben. Nur genau identifizieren konnte ihn keiner mehr. Es gibt Videoaufnahmen aus dem Markt. Von der Tat auf dem Parkplatz jedoch nicht.

Was aber trieb ihn zu der Tat? 2018 hätten die Dealer beinahe täglich bei ihm auf der Matte gestanden, wegen rund 3000 Euro Ausständen. Sie hätten endlich Geld sehen wollen. Er hatte gehofft, vielleicht 1000 oder 2000 Euro zu ergattern, die ihm etwas Luft verschafft hätten, räumte der Maurer ein. Bereitwillig gab er zudem Auskunft zu früheren Konsumgewohnheiten.

Heute habe er das im Griff, konsumiere "nahezu null, höchstens mal ein Feierabend-bier". Die Arbeit, die er im vergangenen Jahr begonnen hat, habe ihm sehr geholfen. Und er beteuert: Er habe bei dem Überfall niemanden verletzen, sondern nur das Überraschungsmoment nutzen wollen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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