Pilgertour zum Lutherberg

  • Gabriele Krämer
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Fernwald(ik). Äpfel, Birnen Walnüsse - auf den Steinbacher "Annawiesen" gibt es davon schmackhafte uralte Sorten. Jene Streuobstwiesen kurz hinter dem Ortsausgang in Richtung Annerod rücken am kommenden Sonntag in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Naturschutzbund (NABU) und Evangelische Kirchengemeinde bieten am 25. Oktober einen Naturgottesdienst, der von der örtlichen Kirche aus über die Annawiesen - im Volksmund "die Parrei" genannt - zum Lutherberg führt.

Übergeordnetes Ziel: Schöpfung bewahren

Christen haben mehr und mehr erkannt, wie sehr die Fragen der Umwelt vor allem auch weltanschauliche, kulturelle und religiöse Aspekte umfassen. "Bei der Schonung von Tieren, Pflanzen und natürlichen Lebensbedingungen geht es immer zugleich auch um die Wahrnehmung der Verantwortung vor Gott, dem Schöpfer", heißt es in einer Verlautbarung der Evangelischen Kirche Deutschland EKD). In Steinbach hat sich die Evangelische Kirchengemeinde zusammen mit der NABU-Ortsgruppe für ein Umweltprojekt beim Evangelischen Dekanat Gießen beworben - mit Erfolg. Unter dem Motto "Bewahrung der Schöpfung" wurden dafür Aktionen entwickelt, die den kirchlichen Streuobstwiesen und somit der Natur zugutekommen.

Auftakt war bereits Anfang September mit dem Aufstellen von Informationstafeln, auf denen die Bedeutung von Streuobstwiesen für die Natur erklärt und Hinweise zur Obsternte gegeben werden.

In ganz Mitteleuropa waren Streuobstwiesen seit dem 16. Jahrhundert verbreitet. "Irgendwann wurde der Bestand brutal dezimiert - sie haben nichts mehr eingebracht. Für das Obst gab es nur noch Pfennigbeträge", erinnert NABU-Ortsvorsitzende Luise Klee. Die eigentlichen Flächen freilich waren überaus begehrt - als Bauland. Allein in und um Steinbach sei die Zahl der Streuobstbäume im Zeitraum von 1965 bis 1996 von zunächst 5807 auf 1267 Exemplare zurückgegangen. Aufschluss darüber habe eine seinerzeit vom ehemaligen Ortsbürgermeister Erich Haas vorgenommene Kartierung gebracht.

Als die Begehrlichkeiten weiter wuchsen, gab der NABU ein Gutachten über den Wert der kirchlichen Streuobstwiesen in Auftrag. Dessen Aussagekraft war so bedeutsam, dass die "Annawiesen" seit 20. Januar 2019 als "Geschützter Landschaftsbestandteil (GLB)" ausgewiesen sind. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn bis zu 5000 Tier und Pflanzenarten sind auf solchen Flächen nachgewiesen.

Auf den Streuobstwiesen der Evangelischen Kirchengemeinde rund um Steinbach stehen heute 262 Obstbäume, 50 davon haben die NABU-Leute gepflanzt. Von den Ehrenamtlichen werden die Bäume auch rund ums Jahr gepflegt. In den kommenden ein bis zwei Jahren sollen weitere zehn bis 15 Bäume gepflanzt werden; danach gilt der Bestand auf der "Parrei" als komplettiert.

Inzwischen stellt man in der Gemeinde ein wachsendes Interesse an den Streuobstbeständen fest. "Die Leute merken, dass es vielleicht doch nicht so schlecht ist, Obst quasi vor der eigenen Haustür zu pflücken", sagt Luise Klee auch mit Verweis auf die Entwicklung durch die Corona-Pandemie. Eine Zielsetzung der Sonntagstour: "Wir wollen die Leute begeistern". Zusammenhänge in der Natur sollen im Verlauf des Gottesdienstes verdeutlicht werden. Dieser ist vom Ablauf her mit insgesamt fünf Stationen als Familienunternehmung konzipiert. Unterwegs werden die Teilnehmer Material sammeln, aus dem am Ziel auf dem Lutherberg ein Mandala gelegt wird. Jeder kann mitmachen, Anmeldung ist nicht erforderlich.

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