ti_e-tanke2_030621_4c
+
Ein eher ungewöhnliches Bild: Die E-Ladesäule vor dem Fernwalder Rathaus erfreut sich eigentlich reger Beliebtheit. Dass die »Stromer« hier kostenlos Energie tanken, wird sich aber bald ändern. Ab 1. Juli ist der Ladevorgang kostenpflichtig.

E-Mobilität im Fokus

  • vonChristina Jung
    schließen

Fernwald (ti). So manchem Mandatsträger in Fernwald ist sie schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Nicht, weil sie existiert. Sondern wegen ihrer Nutzer. Die Rede ist von der E-Ladesäule vor dem Rathaus, an der sich offenbar auch viele Auswärtige mit Strom versorgen. Auf Kosten der Gemeinde, denn ein Abrechnungssystem gibt es bisher nicht. Zuletzt hatten die Freien Wähler das Thema im Fachausschuss vor zwei Wochen aufs Tapet gebracht.

Da hieß es seitens des Bürgermeisters, eine Abrechnung sei nicht möglich. Das ist offenbar falsch. Eine Umrüstung wurde längst angestoßen. Aufgrund eines Gemeindevorstandsbeschlusses aus dem vergangenen Jahr.

Aber der Reihe nach: 2017 wurde die Ladesäule eingerichtet, auf Initiative des Energiebeirates. Eine Vorreiterfunktion wollte Fernwald damals einnehmen, einen Beitrag zur Ankurbelung der E-Mobilität leisten. Mittlerweile aber wird die Säule rege genutzt, vielfach auch von Nicht-Fernwäldern. Und so mancher »Energiebezieher« wird zum Dauerparker. Das soll sich zeitnah ändern. Zum 1. Juli wird die »Tanke« umgerüstet, und wer sie nutzt, muss den Strom bezahlen.

Sieben zusätzliche Ladepunkte

Wie das funktioniert? Über die E-Tanken-App - ein Angebot des Stadtwerkeverbundes Gießen, Bad Homburg, Oberursel. Wer seinen »Stromer« also künftig in Steinbach laden möchte, meldet sich über die App an der Säule an, die daraufhin freigeschaltet wird. Zu zahlen ist eine Start-Pauschale pro Ladevorgang in Höhe von 50 Cent. Dazu kommen 32 Cent pro Kilowattstunde und - ab einer Verweildauer von drei Stunden - eine Standgebühr. Pro angefangener Minute sind das 0,4 Cent. Wer sich die App nicht herunterladen möchte, hat die Möglichkeit, sich über seine Kreditkarte anzumelden. Für diese sogenannten Ad-hoc-Kunden ist der Ladevorgang allerdings teurer. Ein Euro Startpauschale, 45 Cent pro Kilowattstunde und 0,6 Cent Standgebühr pro Minute.

Viele Mandatsträger wird die Umrüstung freuen. Geht es nach der CDU/FDP-Fraktionsgemeinschaft, soll es nicht die einzige Ladesäule gegen Entgelt in der Kommune bleiben. Zur Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend hatte sie einen Antrag vorbereitet, wonach ein Sofortprogramm aufgelegt werden soll, um den Aufbau einer örtlichen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zu unterstützen. Das Ziel: Bis 30. Juni 2020 sieben weitere »Tankstellen« einzurichten - je zwei auf den öffentlichen Parkplätzen an den Bürgerhäusern Albach und Annerod, drei im Bereich der Fernwaldhalle in Steinbach. Die Antragsbegründung lieferte Christdemokrat Frank Stein. Der Anteil an Elektrofahrzeugen steige stetig und damit auch der Bedarf an öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Auch wenn die KfW private Wallboxen derzeit zu 100 Prozent finanziere, habe nicht jeder die Möglichkeit, sich zu Hause eine solche zu installieren.

Weil für die Einrichtung von Ladesäulen Fördergeld beantragt werden kann, soll der Gemeindevorstand dies kurzfristig tun, heißt es im Antrag. Die Finanzierung könne laut CDU/FDP-Fraktion durch Maßnahmenverschiebung im aktuellen Haushalt oder über den Nachtragshaushalt erfolgen.

Zwecks Beratung wurde der Antrag in die zuständigen Fachausschüsse verwiesen. Ebenso verfuhren die Gemeindevertreter mit den Anliegen anderer Fraktionen. Die FW beispielsweise beantragten die Ausweisung von Hundewiesen, die Grünen eine Mitgliedschaft der Gemeinde in der Landschaftspflegevereinigung Gießen sowie das Anlegen von Blühflächen. All das wird in der nächsten Sitzungsrunde diskutiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare