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Bei der Übung »Fire Fighter I« ging es für die Feuerwehrkräfte um das Bekämpfen eines Vegetationsbrandes. Dabei war Handarbeit gefragt.

Mit dem Rechen gegen die Flammen

  • VonVolker Heller
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Fernwald (vh). Für den praktischen Teil des Firecamps in Annerod brannte es auf dem Stoppelacker von Landwirt Karl-Heinz Schäfer in der Feldgemarkung hinter dem alten Hochbehälter. Bei der Feuerwehrübung »Fire Fighter« tauchten aber keine großen Fahrzeuge auf, gab es keine dicken Schläuche oder riesige Wassermengen. Vielmehr war beim Bekämpfen eines Vegetationsbrandes viel Handarbeit nötig, die Einsatzkräfte hantierten mit Gorgui-Waldbrandrechen, Brandklatschen oder Löschrucksäcken.

Feuerwehrmann Ingo Rühl kurvte mit einem handlichen Geländefahrzeug Polaris Ranger 570 umher, transportierte Löschwasser samt D-Schlauch zu den Übungsflächen auf dem Acker. Das Löschfahrzeug 10 KatS stand auf dem Acker, spendierte bei Bedarf aus einem D-Schlauch Wasser. Weitere Einsatzfahrzeuge der Wehren von Annerod und Steinbach parkten abseits.

Annerods Wehrführer Tobias Hennemuth hatte sich nach dem großen Waldbrand im Frühjahr 2017 schwerpunktmäßig in Sachen Flächenbrände fortgebildet und ein Netzwerk aufgebaut. Am Wochenende bot er dem Waldbrand-Team »Fire Crew« die Möglichkeit für ein realistisches Szenario innerhalb der Grundausbildung zum »Fire Fighter I«. Das Waldbrand-Team wurde 2015 als Verein gegründet. Mitglieder sind Feuerwehrangehörige aus ganz Deutschland, spezialisiert auf Flächenbrände in der Natur.

Vereinsvorsitzender Detlef Maushake ist Hauptbrandmeister bei der Berufsfeuerwehr Salzgitter. Er wurde 2019 in Marseille/Frankreich mit dem internationalen Preis »Firebreak Award for Excellence Wildland Fire Management« ausgezeichnet. Die 33 Teilnehmer des Vereins und die Fernwalder Einsatzkräfte ließ Maushake zwecks Sicherheitsanweisung in Zweierreihen antreten. Mit realem Feuer üben, bedeute auch ein Restrisiko. Jeder solle sich vergewissern, dass seine Schutzausrüstung komplett sei. Blitzschnell könne der Wind drehen. Das Feuer dürfe niemandem in den Rücken laufen.

Effiziente Wassernutzung

Nach dem Waldbrand hatte die Fernwalder Feuerwehr Schutzkleidung für Vegetationsbrände angeschafft. Sie zeichnet sich durch geringeres Gewicht und bessere Bewegungsfreiheit aus, denn die Löscharbeiten sind anstrengende Handarbeit. Erst kürzlich kam ein Faltbehälter der US-Marke Husky hinzu. Der ist schnell aufgebaut, fasst 3750 Liter und, das betont Maushake, knicke bei Berührung nicht ein wie andere Modelle. Effiziente Wassernutzung gehört zu den Ausbildungszielen des Experten. Wo kein Wasser vorhanden ist - im Feld oder Wald -, müsse ein Puffer vorhanden sein, bis man Schläuche zum nächstgelegenen Hydranten verlegt habe.

Bürgermeister Stefan Bechthold meinte, angesichts der Zunahme von Umweltkatastrophen werde man zunehmend überregional helfen. So habe der Landkreis Gießen Einsatzkräfte in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete geschickt. Bei großen Waldbränden könne nun die Fernwalder Wehr ihr Wissen vor Ort einbringen. Hauptbrandmeister Stefan Becker erläuterte, es seien die Rollcontainer »Unwetter« und »Vegetationsbrandbekämpfung« für den Gerätewagen Logistik besorgt worden. Gemeindebrandinspektor Jens Richmann erklärte, dass Wehrführer Hennemuth sich ständig fort- und andere ausbilde.

Während das digitale Wettermodul eine durchschnittliche Windstärke von 20 Kilometer pro Stunde anzeigte, wurden die Stoppeln des gemähten Weizenfeldes mit einer Flämmkanne in Brand gesetzt. »Laufen lassen und erst mal beobachten«, erklärte Maushake. Flächenbrände löschen sei wegen der unsteten Windverhältnisse und des verschiedenartigen Bewuchses von Erfahrungswissen abhängig. Deshalb wäre die Übung ohne reales Feuer praktisch undenkbar gewesen. Die vorgefundene Situation in Annerod war ideal, Waldbrand-Team und Feuerwehr haben von der Übung profitiert.

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