Manuel Rosenke will als unabhängiger Bewerber bei der Bürgermeisterwahl 2021 in Fernwald antreten. FOTO: US
+
Manuel Rosenke will als unabhängiger Bewerber bei der Bürgermeisterwahl 2021 in Fernwald antreten. FOTO: US

"Meine Partei sind die Bürger"

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Ein erster Bewerber für die Bürgermeisterwahl 2021 in Fernwald hat den Finger gehoben: Manuel Rosenke will als unabhängiger Kandidat antreten. Unterstützt wird der Finanzexperte der Gemeindeverwaltung von SPD und Freien Wählern.

Er ist 37 Jahre alt und in Albach aufgewachsen. Seit genau 20 Jahren arbeitet er in der Gemeindeverwaltung Fernwald, mittlerweile leitet er die Finanzabteilung. Nun will er Nachfolger seines Chefs werden. Gestern Nachmittag, Punkt 14 Uhr, hat Manuel Rosenke seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr bekanntgegeben. Der Verwaltungsfachwirt tritt als unabhängiger Kandidat an. "Meine Partei sind die Bürger", lautet seine Devise, die er sich beim Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises entliehen hat.

Dennoch kann Rosenke auf Rückhalt im politischen Raum zählen. SPD und Freie Wähler haben ihm ihre Unterstützung zugesichert. Zum einen gibt es in ihren eigenen Reihen niemanden, der selbst Ambitionen auf den Chefsessel in der Gemeindeverwaltung hätte. Zum anderen hoffen sie, dass ein parteiloser Amtsinhaber die Streitereien in Gemeindevorstand und Gemeindevertretung beizulegen vermag. "Aufgabe des nächsten Bürgermeisters wird es sein, die politische Landschaft zu befrieden", formulierte Ger- hard Pitz, der Vorsitzende des FW-Ortsvereins, die Erwartungen.

Erst vor einer Woche hatte der amtierende Bürgermeister Stefan Bechthold (SPD) öffentlich angekündigt, dass er für eine dritte Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Doch bereits vor dieser offiziellen Mitteilung hatte es entsprechende Signale und zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen Gespräche im Hintergrund gegeben. Ein gemeinsamer Kandidat sei von Anfang an ein mögliches Szenarion gewesen, berichtete Pitz. Allerdings: "Einen Parteisoldaten hätten wir Freie Wähler nicht mitgetragen. Für uns kam nur ein unabhängiger Bewerber in Frage."

Der langjährige Kommunalpolitiker, der 1981 erstmals in die Gemeindevertretung gewählt wurde, hat dabei nicht zuletzt Dieter Howe vor Augen. Der langjährige Bürgermeister stand über den Parteien und Fraktionen. "Das waren für Fernwald fruchtbare Jahre", erinnert sich Pitz.

Sich auf Rosenke zu einigen, fiel auch der SPD nicht schwer. Als Finanzfachmann habe er in den Sitzungen der Ausschüsse und der Gemeindevertretung stets durch sachliche, kompetente Auskünfte beeindruckt, sagt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Manfred Riedl. "Er ist ein sehr guter Kandidat", findet auch SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Espanion. "Er kennt die Gemeinde durch und durch. Und er kennt die Abläufe in der Verwaltung."

Rosenke versteht die Aufgabe eines Bürgermeisters vor allem als Kommunikator und als Bindeglied zwischen Verwaltung und den kommunalen Gremien. Sollte er gewählt werden, sieht er als wichtigste Aufgabe, das politische Miteinander in Fernwald auf eine neue Basis zu stellen. "Alle sind aufgefordert, sich auf einen Neuanfang einzulassen", sagt er. Pragmatische Entscheidungen, nicht politische Machtkämpfe sollten die Richtschnur des Handelns sein. Zudem will Rosenke die Bürger in die Entscheidungsfindung einbinden und setzt dabei auch auf die Chancen, die die Digitalisierung bietet.

Dass er möglicherweise ab dem 1. Januar 2022 der Chef seiner jetzigen Kollegen sein wird, ist aus seiner Sicht unproblematisch. "Wir arbeiten seit 20 Jahren gut zusammen."

Was im Wahlkampf auf den 37-Jährigen und seine Unterstützer zukommen wird, lässt sich momenant noch nicht abschätzen. "Corona wird uns nicht so schnell verlassen. Dieser Wahlkampf wird anders sein", prognostiziert Ulrike Bell-Rieper, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

Trotz aller Einschränkungen will Rosenke die kommenden Monate nutzen, um sich bekannt zu machen. Die Homepage manuel-rosenke.de ist seit gestern online und soll sukzessive ausgebaut werden. Es gibt dort ein Video, und auch auf Facebook und Insta-gram will der Kandidat für sich und seine Vorstellungen werben. "Ich bin ein Kind dieser Gemeinde, es war immer mein Wunsch, sie voranzubringen", sagt der Albacher, der mit seiner Frau Kathrin, mit der er seit dem vergangenen Jahr verheiratet ist, im umgebauten Elternhaus im Embachweg lebt und sich in seiner Freizeit beim Golfen entspannt.

Zunächst einmal ist er gespannt auf die Reaktionen der anderen Parteien. Er sei für alles offen, sagt er. Für weitere Unterstützer genauso wie für weitere Bewerber. "Ich stelle mich der Diskussion."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare