Ein Manager fürs Klima

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Fernwald (ti). Die Schäferstadt Hungen stellte vor gut zwei Jahren als erste Kommune im Landkreis eine Klimaschutzmanagerin ein. Mittlerweile hat auch Gießen eine solche Stelle geschaffen. In Langgöns wird es diese ab November geben, in Lollar, Biebertal und Buseck ab 2020. Jetzt denkt auch die Gemeinde Fernwald darüber nach. Für einen Grundsatzbeschluss, der es dem Gemeindevorstand ermöglichen soll, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, gab der Bauausschuss am Dienstagabend grünes Licht. Einstimmig, bei zwei Enthaltungen der CDU.

Die Diskussion angestoßen hatten die Freien Wähler mit einem entsprechenden Antrag in der Gemeindevertretung. "Die Bedeutung des Klimaschutzes wächst auch auf kommunaler Ebene enorm", begründete Fraktionsvorsitzende Ulrike Bell-Rieper den Vorstoß der FW. Was das angeht, herrschte weitgehend Konsens, nicht allerdings über das Wann und Wie.

"Die Einstellung eines Klimaschutzmanagers ist nicht nur wünschenswert. Wir brauchen ihn dringend", bilanzierte Bernhard Becker, Vorsitzender des Energiebeirates, am Ende seines Vortrages. Das Gremium hatte sich ebenfalls mit dem Thema auseinandergesetzt und erachtet die Schaffung einer solchen Stelle als notwendig. Was man von einem Klimaschutzmanager erwartet, stellte Becker ebenfalls klar: Er soll Ansprechpartner für Verwaltung, Energiebeirat und Bürger gleichermaßen sein, Informationsangebote schaffen, sich mit dem Landkreis und anderen Kommunen absprechen, ein Konzept erarbeiten, welche Projekte es warum umzusetzen gilt, um so eine Basis für künftige politische Entscheidungen zu schaffen. Denn: "Diesen Aufgaben sind wir mit unserem Personal nicht gewachsen", so Becker.

Eine Diskussion entspann sich an der Bemerkung von Bernd Voigt (Grüne), der Klimaschutzmanager müsse eigenständig arbeiten und sei nicht dafür da, den Energiebeirat "aufzupeppen", von dem man in den vergangenen drei Jahren nichts gehört habe. Die Kritik an dem Hilfsorgan der Gemeinde ließen Stefan Becker (FW) und Bürgermeister Stefan Bechthold so nicht stehen. Der Energiebeirat haben zehn Jahr lang Vorzeige- arbeit geleistet, so der Verwaltungschef, der den "Angriff" Voigts als "nicht angemessen" zurückwies.

85 Prozent Förderung möglich

Heike Wehrum (SPD) tat sich schwer mit einer Stellenbeschreibung für diesen Job. "Wir suchen hier doch die Eier legende Wollmilchsau." Es komme darauf an, welche Schwerpunkte der künftige Verwaltungsmitarbeiter bearbeiten soll, erklärte Dr. Manfred Felske-Zech, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus und Klimaschutz des Landkreises. Bei der Behörde am Riversplatz seien ein Geograf, ein Agrar-Ingenieur und eine Soziologin für das Klima zuständig.

Der Experte riet dazu, schnell zu handeln. Grund dafür: Wer bis September 2020 einen Klimaschutzmanager einstellt, kann für drei Jahre bis zu 85 Prozent Förderung erhalten, für weitere zwei Jahre eine reduzierte Finanzspritze. Den Haushalt würde diese Stelle anfangs mit maximal 30 000 Euro belasten, nach dem Auslaufen der Förderung würden zwischen 60 000 und 80 000 Euro fällig, so Felske-Zech. Peter Steil (FDP) kritisierte die Herangehensweise über die Fördermittel. Der erste Schritt müsse die Entwicklung eines klaren Profils sein. Steil: "Wir brauchen ein Konzept, erst dann können wir entscheiden, ob die Gemeinde jemanden einstellen soll." Ein Punkt, den auch SPD und CDU kritisierten. Für letztere bekannte Fraktionschef Mark Reitmeier: "Wir tun uns schwer, eine weitere Stelle in der Kommune zu schaffen." Becker wandte ein, dass es zunächst um einen Grundsatzbeschluss gehe, der die Voraussetzungen für eine Einstellung schaffen soll und noch nicht um diese selbst. Mit anderen Kommunen Kontakt aufnehmen, um eine mögliche Zusammenarbeit zu prüfen, sich im Rahmen eines Workshops mit Fachleuten des Landkreises zu informieren, das Vorhaben im nächsten Stellenplan berücksichtigen - so sollen die nächsten Schritte aussehen. Becker: "Für uns ist mit diesem Antrag ein Signal verbunden."

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