Günther Kühlmann
+
Günther Kühlmann

"Man sitzt hier mehr oder weniger machtlos rum"

  • vonLena Karber
    schließen

Fernwald(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt.

Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Günther Kühlmann aus Steinbach, der ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig ist.

Wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Als Sport-Coach für Flüchtlinge habe ich gut zu tun. Dienstags bin ich mit Kindern beim Schwimmunterricht, samstags mit Erwachsenen, montags bieten wir Klettern in der Halle an. Und jeden Mittwoch beim Lerncafé kümmere ich mich um die Beschäftigung der Kinder, die dorthin mitkommen. Zudem betreue ich Flüchtlinge in der Ausbildung. Einer ist gerade fertig geworden, da schaue ich nun immer, wenn etwas beim Jobcenter zu erledigen ist. Und da ich Lehrer für Sport und Erdkunde war, gebe ich freitags hier an der Grundschule auch noch Schwimmunterricht. Ich bin also jeden Tag gut beschäftigt.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Momentan ruht alles komplett. Wir bleiben nur über WhatsApp oder Handy in Verbindung. Da ich Gelenkrheuma habe, gehöre ich zu einer Risikogruppe und muss im Kontakt mit Menschen sehr vorsichtig sein. Ende April wären wir eigentlich nach Sambia geflogen, wo wir eine Partnerschule haben, die wir seit zehn Jahren unterstützen. Alles rund um das anstehende Jubiläum unserer Zusammenarbeit ist jetzt aber auch gecancelt worden. In Sambia fängt die Corona-Pandemie ja nun auch an. Und da das Land eine wesentlich schlechtere Gesundheitsversorgung hat, machen wir uns natürlich Gedanken. So sitzt man hier mehr oder weniger machtlos rum. Dinge, die sonst so nebenbei gemacht werden, die beschäftigen uns jetzt in erster Linie. Wir haben etwa einen großen Garten, wo es immer etwas zu tun gibt. Und dann natürlich das Einkaufen: ›Auf der Jagd nach Klopapier‹ hätte ich fast gesagt. Das ist ja lächerlich.

Was vermissen Sie am meisten?

Am meisten vermisse ich meine Kinder mit ihren Familien, vor allem meine Enkeltöchter und den Kontakt zu den Flüchtlingen, denn in der Zwischenzeit ist wirklich eine enge Verbindung entstanden.

Was ist positiv?

Vielleicht, dass man sich mal wirklich intensiv um seine Angelegenheiten kümmern und diese in aller Ruhe fertig machen kann. Aber eigentlich gewinne ich der Situation nichts Positives ab. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare