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Beim Generationentreff machen Kindergartenkinder aus Annerod mit den Bewohnern des Seniorenzentrums gemeinsame Sache.

Lebenserfahrung trifft auf Elan

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Fernwald (us). Adrian druckt bunte Kreise auf einen Jutebeutel. Ob er vielleicht erklären mag, was er da tut? "Nö", sagt er und stempelt konzentriert weiter. Sein Tischnachbar Manfred ist da schon auskunftsfreudiger. Er lächelt: "Moderne Kunst." Die beiden, der Dreijährige aus dem Kindergarten "Wirbelwind" und der Bewohner des Seniorenzentrums Annerod, sind ein eingespieltes Jahr. Seit April sind die Kinder regelmäßig, möglichst alle zwei Wochen, bei den Senioren zu Besuch. Kindergartenleiterin Fiolla Dervishi-Maliqi ist überzeugt, dass beide Seiten beim Generationentreff auf ihre Kosten kommen: Die Kinder profitieren von der Lebenserfahrung der Älteren, die Senioren vom Schwung ihrer jungen Gäste. "Sie sind länger konzentriert, sie lassen sich wohl vom Elan der Kinder anstecken", hat Ergotherapeutin Michelle Wolf beobachtet.

Auf Dauer angelegt

Singen, vorlesen, spielen, basteln oder tanzen: Bei jedem der etwa zweistündigen Treffs steht eine andere Aktivität auf dem Programm. Der Kindergarten "Wirbelwind" und das Anneröder Alloheim arbeiten dabei Hand in Hand. Dervishi-Maliqui und die beiden Erzieher Daniel Görlach und Isabell Link bereiten die Treffen gemeinsam mit der Ergotherapeutin vor. Wolf leitet die Soziale Betreuung im Seniorenzentrum, das die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, das Material und auch zwei, drei Betreuer. Nicht nur im Kindergarten ist man froh über diese Offenheit. Auch Bürgermeister Stefan Bechthold lobt die Bereitschaft von Einrichtungsleiter Andreas Lutz und seinem Team, sich für Projekte in Fernwald zu engagieren. "Sie verstehen sich wirklich als Bestandteil der Gemeinde."

Beim Generationentreff wird an diesem Mittwochvormittag in der Cafeteria des Seniorenzentrums gebastelt. Aber nicht einfach so. Die Jutebeutel, die die Kinder mit Hilfe der Älteren bunt bedrucken, haben einen ganz praktischen Zweck. Die Senioren fahren regelmäßig in den Supermarkt nach Steinbach zum Einkaufen. Häufig kommen sie dann mit Plastikbeuteln zurück. Künftig können sie ihre individuell gestalteten Tragetaschen benutzen.

Die 16 Kinder, die am Generationentreff teilnehmen, bilden eine feste Gruppe. Die meisten sind vier oder fünf Jahre alt. Aber auch ein paar Dreijährige sind dabei. "Wir haben festgestellt, dass die Jüngeren noch viel unbefangener auf die Senioren zugehen", sagt die Kindergartenleiterin. Die Kooperation mit dem Seniorenzentrum ist auf Dauer angelegt. Nach der Sommerpause solle neue Kinder die Kontakte zu den Senioren weiter pflegen. Zunächst aber will man in der alten Konstellation gemeinsam feiern. Sogar zweimal. Kinder und Senioren haben sich gegenseitig zu ihren Sommerfesten eingeladen. Der Kindergarten darf sich außerdem über ein ganz besonderes Geschenk freuen. Der Erlös aus der alljährlichen Eis-Flatrate-Aktion im Seniorenzentrum soll in diesem Jahr dem "Wirbelwind" zugute kommen.

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