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Platz für zwei zusätzliche Kita-Gruppen wird in der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Annerod noch in diesem Jahr entstehen. Die Gemeindevertretung stimmte dem Kauf des Gebäudes im Geranienweg in einer Sondersitzung zu.

Kommune kauft Kirche

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Fernwald (ti). Die Gemeinde Fernwald wird die ehemalige neuapostolische Kirche in Annerod nicht wie geplant für 25 Jahre mieten, um dort zwei zusätzliche Kita-Gruppen einzurichten. Sie wird das Gebäude kaufen. Das entschied die Gemeindevertretung in einer Sondersitzung am Montagabend, wo der Grundstückserwerb als einziger Punkt auf der Tagesordnung stand. Verhandelt wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was auf Antrag der SPD mehrheitlich beschlossen worden war. Gegen die Stimmen von Grünen und CDU. Die nämlich vertraten die Auffassung, dass es dafür keine rechtliche Begründung gebe.

Höhere Zuschüsse erwartet

"Nach einer intensiven Diskussion sind die Gemeindevertreter mehrheitlich dem Vorschlag gefolgt, das Areal zu kaufen", erklärte Bürgermeister Stefan Bechthold am Dienstag auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Zum genauen Abstimmungsergebnis, Details der Debatte oder dem Kaufpreis machte er keine Angaben. Wie die GAZ aus Parlamentskreisen erfuhr, hatte es Unstimmigkeiten gegeben, weil CDU und Grüne die Investition (ein mittlerer sechsstelliger Betrag) für zu hoch erachten. Letztlich votierten die Christdemokraten gegen den Kauf, die FDP enthielt sich. Die Grünen stimmten erst gar nicht mit ab. Grund dafür war das Fehlen eines schriftlichen Beschlussvorschlages. Der wurde nach der Diskussion vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung nur vorgelesen.

Bechthold begründete dies auf Nachfrage damit, dass der Kaufpreis erst am Sitzungstag festgestanden habe und dieser das einzig Neue gewesen sei. Alles andere sei identisch mit der bereits vor zwei Wochen im Parlament diskutierten Beschlussvorlage gewesen. Der Bürgermeister: "Das war ja keine neue Geschichte."

Einberufen worden war die Sondersitzung, weil das Parlament einem ersten Beschlussvorschlag vor zwei Wochen nicht zugestimmt und den Gemeindevorstand zu Nachverhandlungen mit dem Grundstückseigentümer verdonnert hatte. Ursprünglich war vorgesehen, die ehemalige Kirche für 25 Jahre zu mieten und umzubauen. Gesamtkosten: rund 1 Million Euro. Das war einigen angesichts der angespannten Haushaltslage zu viel, zudem blieben an jenem Abend diverse Fragen unbeantwortet.

Doch einige der von den Gemeindevertretern gestellten Bedingungen - die Beigeordneten sollten dafür sorgen, dass auf die Kommune nach Beendigung des Mietverhältnisses keine Sanierungs- oder Rückbauverpflichtungen zukommen, die monatliche Miete auf 1200 Euro reduziert und die Wertsteigerung im Fall eines Gebäudekaufs angerechnet wird, außerdem dass die Gemeinde den Mietvertrag verlängern kann - seien laut Bechthold nicht zu erreichen gewesen. Letztlich habe der Eigentümer, der ursprünglich nicht verkaufen wollte, ein Angebot unterbreitet. Dieses sei unterm Strich günstiger als das Mietmodell, da die Kommune, weil sie das Gebäude erwirbt, einen höheren Landeszuschuss erhält - 300 000 Euro pro Gruppe statt 100 000 Euro im Fall der Anmietung.

"Ich bin froh, dass wir jetzt eine Entscheidung haben", sagte Bechthold. "Das ist für die Zukunft ein richtig guter Schritt." Zum einen, weil in Annerod nun auf Dauer insgesamt sechs Kita-Gruppen entstünden, zum anderen, weil das Geld im Vergleich zu der im Dezember angepeilten Übergangslösung mit Containern gut angelegt sei. In diesem Fall wären das Geld und die beiden Gruppen nach zwei Jahren "einfach weg" gewesen, so Bechthold.

Was den zeitlichen Fahrplan angeht, ist Eile geboten, denn im August soll im Geranienweg bereits die erste Gruppe einziehen, im Oktober die zweite. "Es geht heute noch los", versicherte der Bürgermeister. An den Plänen von Architekt Alexander Ehrenspeck ändere sich nichts. Vorgesehen ist ein Um- und Erweiterungsbau, letzterer in Holzständerbauweise. Die Kosten belaufen sich auf 560 000 Euro zuzüglich 50 000 Euro für die Innenausstattung.

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